Facebook manipuliert Nachrichten-Trends

Die "Themen, die zuletzt auf Facebook populär waren", sind laut ehemaligen Kuratoren handverlesen. Besonders Artikel konservativer Medien oder über konservative Politiker erscheinen oft nicht. Manchmal muss Facebook angeblich auch der Diskussion seiner eher trägen Leserschaft auf die Sprünge helfen.

Facebooks Trend-Modul für aktuell viel diskutierte Nachrichten arbeitet nicht rein statistisch. Über Jahre hinweg wurden insbesondere Berichte konservativer Medien unterdrückt oder durch solche aus gemäßigteren Quellen ersetzt. Das erfuhr Gizmodo von einem ehemaligen Mitarbeiter des Social Network, der die Sektion zeitweise bearbeitete.

Facebook (Bild: Facebook)Beispielsweise seien Nachrichten über das CPAC genannte jährliche Treffen konservativer US-Politiker, über den 2012 Barack Obama unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney und den republikanischen Senator Rand Paul nicht bei den Trendthemen aufgetaucht, auch wenn sie statistisch dazugehört hätten. Dazu habe es „Anweisungen“ von Facebook gegeben.

Gizmodo berichtet weiter, mehrere ehemalige „Nachrichtenkuratoren“ (wie sie bei Facebook intern heißen) hätten bestätigt, dass sie auf Anweisung Nachrichten in den Trendbereich einfließen ließen, die dort statistisch nichts verloren hatten. Die Instruktionen besagten auch, Nachrichten über Facebook selbst sollten dort nicht oder nur in Ausnahmefällen auftauchen.

Die Kuratoren des 2014 eingeführten Facebook-News-Bereichs sind demnach überwiegend junge Journalisten mit einem Abschluss von einer Eliteuniversität. Es zählt zu ihren Aufgaben, Überschriften und Zusammenfassungen für diesen Bereich zu verfassen. Letztlich handelt es sich um eine redaktionell bearbeitete Auswahl – bemerkenswert ist aber, dass Facebook dies verschweigt und in seiner Beschreibung nur festhält, es handle sich um „Themen, die zuletzt auf Facebook populär waren“. Facebook hat in den USA 167 Millionen Anwender.

In einigen Fällen wurden auch wichtige Themen von Hand in den Nachrichtenbereich aufgenommen, die die Facebook-Nutzerschaft in den USA offenbar noch nicht ausreichend wahrgenommen hatte: 2014 etwa das Verschwinden des Malaysia-Airlines-Flugs MH370 und 2015 der Terroranschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Dies scheint die immer wieder von Twitter vorgebrachte Aussage zu bestätigen, es habe das Echtzeit-affinere Publikum und reagiere dadurch schneller als Facebook auf Ereignisse. Möglicherweise wollte Facebook sich durch diese Trendthemen aktueller geben, als es eigentlich war.

HIGHLIGHT

Samsung Galaxy TabPro S im Test

Mit einem Gewicht von nur 693 Gramm gehört das Samsung Galaxy TabPro S zu den Leichtgewichten unter den 12-Zoll-Windows-Tablets. Hervorzuheben ist auch das verwendete Super AMOLED-Display: Es liefert einen hervorragenden Schwarzwert und einen sehr hohen Kontrast. Die Farbdarstellung ist exzellent

Icon Facebook für iOS (Bild: Facebook)Die von Gizmodo interviewten früheren Facebook-„Kuratoren“ waren zwischen Mitte 2014 und Dezember 2015 für das News-Angebot verantwortlich. Inzwischen hostet Facebook mit Instant Articles auch Artikel teilnehmender Medien auf seinen Seiten. Und um sein Video-Angebot zu stärken, bezahlt es diese Partner, wenn sie Facebook Live verwenden. Mit Notify gibt es – derzeit ebenfalls nur in den USA – auch eine spezielle Nachrichten-App von Facebook für Android und iOS.

Als Nachrichtenvermittler konkurriert Facebook nicht nur mit dem stark auf Live ausgerichteten Twitter, sondern auch mit Apple News einschließlich der im Suchbereich von Siri vorgeschlagenen Nachrichten (die sich ebenfalls auf Partner beschränken) und natürlich Google News, das angeblich auf – nicht transparenten – Algorithmen basiert. Auf Grund ihrer Reichweite könnten solche Dienste signifikanten Einfluss gewinnen, welche Nachrichten rein online lesende Nutzer überhaupt noch erreichen und welche nicht.

Meinungsmache in eigener Sache hatte Facebook im vergangenen Jahr die indische Regulierungsbehörde für den Telekommunikationsmarkt vorgeworfen: Facebook verwandle eine politische Diskussion mit der indischen Öffentlichkeit in eine „primitive mehrheitsgesteuerte und koordinierte Meinungsumfrage“, schrieb sie. Welchen Einfluss Facebook beispielsweise auf die US-Präsidentschaftswahlen 2016 haben wird, ist – anders als seine politische Präferenz – noch völlig unklar.

Tipp: Sind Sie ein Facebook-Experte? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de.

Themenseiten: Facebook, Politik, Soziale Netze

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
Leitender Redakteur ZDNet.de
Florian Kalenda
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

1 Kommentar zu Facebook manipuliert Nachrichten-Trends

Kommentar hinzufügen
  • Am 10. Mai 2016 um 6:24 von Frank Furter

    Bin ich jetzt überrascht?
    Nö! Nicht wirklich!
    Aber den Anhängern dieser Pseudoreligion, deren Selbstwert von „Likes“ uä. definiert wird, ist das egal…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *