Nach Charlie-Hebdo-Attentat: Microsoft übergab Kundendaten an FBI

Die Anfrage der französischen Regierung kam noch während der Suche nach den Attentätern. Microsoft reagierte darauf innerhalb von 45 Minuten. Chefjustiziar Brad Smith stuft die Reaktion seines Unternehmens in dem Fall als "angemessen" ein.

Microsoft hat kurz nach dem Terroranschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo eine Anfrage des FBI nach Daten von zwei seiner Kunden erhalten. Wie Bloomberg berichtet, erhielt die US-Bundespolizei die angefragten Informationen innerhalb von 45 Minuten, was der Softwarekonzern in einer Stellungnahme als „angemessen“ bezeichnete.

Microsoft-Schild vor Gebäude 99 des Redmond-Campus (Bild: Microsoft)

Brad Smith, Executive Vice President und Chefjustiziar von Microsoft, räumte in dem Zusammenhang ein, dass die Weitergabe von Daten an das FBI funktionieren kann. Für eine stärkere Überwachung forderte er jedoch striktere Kontrollen.

„Vor nur zwei Wochen hat die französische Regierung um die Herausgabe von E-Mails von zwei Konten von Microsoft-Kunden gebeten“, zitiert Bloomberg Smith. Die Anfrage sei während der Suche nach den mutmaßlichen Attentätern bei Microsoft eingegangen.

Einer Umfrage von Newspoll zufolge glauben nach den Terroranschlägen von Paris zwei Drittel der US-Verbraucher, dass das Aufspüren möglicher Terrorbedrohungen durch die Regierung wichtiger ist als der Schutz der Privatsphäre. Smith selbst forderte gegenüber Bloomberg eine „Modernisierung“ der zugehörigen Gesetze, um eine Weitergabe von Daten über Ländergrenzen hinweg zu ermöglichen.

Schon seit 2013 setzt sich Microsoft zusammen mit anderen Technikfirmen, darunter Facebook, Google, Twitter und Yahoo, dafür ein, dass Regierungen „vernünftige Beschränkungen für den Zugriff auf Nutzerdaten“ einführen und gemeinsam „robuste und transparente internationale Rahmenbedingungen schaffen, die Konflikte lösen“. In einem früheren Blogeintrag hatte Smith auch eine Reform der Datenschutzgesetze gefordert, um das Vertrauen von Verbrauchern in Informationstechnologien wiederherzustellen.

Es war nicht das erste Mal, dass das FBI Microsoft zur Herausgabe von Kundendaten aufgefordert hat. In mindestens einem Fall, bei dem es um Daten aus einem Rechenzentrum in Irland geht, weigert sich Microsoft beharrlich. Smith begründete das Vorgehen seines Unternehmens mit dem vierten US-Verfassungszusatz, der Bürger vor staatlichen Übergriffen schützen soll. Strittig ist zudem, ob ein Durchsuchungsbefehl für in Irland gespeicherte Daten länderübergreifend durchgesetzt werden kann. Nach Ansicht der EU umgeht der Beschluss „vorhandene Prozeduren, die zwischen der EU und den USA vereinbart wurden, wie das gegenseitige Rechtshilfeabkommen.“

[mit Material von Aimee Chanthadavong, ZDNet.com]

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5 Kommentare zu Nach Charlie-Hebdo-Attentat: Microsoft übergab Kundendaten an FBI

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  • Am 23. Januar 2015 um 8:59 von Tja

    So zeigt MS eindrucksvoll, dass all das Gerede über ‚Schutz der Privatsphäre‘ nur Theater war – im Zweifel werden sie in vorauseilendem Gehorsam immer die Interessen des Staates über die der eigenen Kunden stellen – immer und sofort.

    So viel Geld für die Täuschung der Anwender ausgegeben – und so schnell entblättert sich Microsoft selber.

    Nun: Microsoft ist und bleibt ein NSA-Handlanger aus Überzeugung. Was auch erklärt, warum Skype sofort nach der Übernahme durch Microsoft in den Snowden Dokumenten als kompromittiert auftaucht – und bis dahin nicht.

    It’s Microsoft, dude.

    Ich empfinde diese erneute Täuschung als sehr enttäuschend.

    • Am 23. Januar 2015 um 15:19 von Judas Ischias

      An den „Beauftragten“ der Firma Apple.

      Ich habe zwar das dunkle Gefühl, dass Du tief in dir glaubst und hoffst, dass dies bei Apple nicht der Fall ist, aber Du kannst ganz sicher sein, auch wenn Du noch so sehr die Augen verschließt, auch Apple betreibt die von dir bei Microsoft angeprangerten Dinge.

      Da gibt es garantiert KEINEN der Techkonzerne, bei denen die Geheimdienste „interessante“ Daten vermuten, der sich den „Wünschen“ dieser Behörden widersetzen kann, ohne heftige Probleme zu bekommen.

      • Am 23. Januar 2015 um 16:34 von Jaja, typisch

        Spar Dir Dein Weichzeichnen – hier hat Microsoft devot jegliche Wege des Rechtswegs abgekürzt, um zu liefern – und das hat nichts mit Apple, Google oder anderen zu tun.

        45 Minuten, eine derart schnelle Unterwerfung kriegt man nur hin, wenn man kürzeste Prozesse etwabliert hat – die Zusammenarbeit bereits bestens funktioniert.

        Dein typisches ‚Apple ist Doof‘ Geschreibsel ändert nichts daran – hirr hat es offiziell und ohne Scham ein MS Offizieller beschrieben – und das ist schlimm.

        Es disqualifiziert ein Jahr lange Bemühungen für mehr Anwendervertrauen.

        Für wen arbeitet MS eigentlich – für die Kunden oder die Sicherheitsdienste?

        • Am 23. Januar 2015 um 17:57 von Judas Ischias

          Warte mal ab, bis die Meldungen erscheinen, die davon handeln, dass Apple sogar noch schneller war. ;)

          Leider kann ich dann deinen Kommentar nicht zuordnen, da Du immer unter einem anderen Namen schreibst. ;)

          Würde mich nämlich brennend interessieren ob Du dann noch genauso „objektiv“ bist. ;)

  • Am 23. Januar 2015 um 9:36 von oos

    So wird Angst und Haß geschürt mehr Kontrolle zu erlangen.
    Im USA gibt es jährlich ca 30.000 Tode durch Gewaltverbrechen. Das sind etwa 82 Tote am Tag.
    Wieviel Todesopfer gibt es durch Terror?
    Ich glaub unsere westliche Gesellschaft hat ganz andere Probleme als Terror!

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