FBI-Direktor fordert Zugriffsmöglichkeit auf verschlüsselte Handydaten

Verschlüsselung behindert ihm zufolge Ermittlungen gegen Terroristen und Kinderschänder. Er spricht allerdings von einer Vordertür, die Nutzern Klarheit und Transparenz bieten soll. Zudem bestreitet er jegliche Risiken durch eine Aufweichung der Verschlüsselung.

FBI-Direktor James Comey hat angesichts der zunehmenden Verschlüsselung von privaten Daten auf Mobiltelefonen eine Zugriffsmöglichkeit gefordert. Andernfalls sei die Regierung nicht in der Lage, beispielsweise Terroristen und Kinderschänder aufzuhalten. Auch die Verschlüsselung der von Diensteanbietern gespeicherten Kundendaten könne unter Umständen die Verfolgung von Straftätern verhindern.

FBI Logo

„Es wird möglicherweise wegen eines gesperrten Telefons oder einer verschlüsselten Festplatte keine Gerechtigkeit geben“, sagte Comey Ende vergangener Woche bei einem Vortrag in der US-Hauptstadt Washington. Das 1994 verabschiedete Gesetz Communications Assistance for Law Enforcement Act (CALEA) sehe zwar vor, dass Telefongesellschaften Abhörzugänge in ihre Anlagen einbauen, für neue Kommunikationsfirmen gebe es aber kein solches Gesetz. Eine 2004 verabschiedete Erweiterung von CALEA beziehe lediglich Breitband-Internet- und Voice-over-Internet-Protocol-Systeme (VoIP) wie Skype ein.

Beispiele für Mobilbetriebssysteme, die ab Werk die Daten ihrer Nutzer verschlüsseln, sind Apples iOS 8 und Googles kommende Android-Version 5.0 Lollipop. Sie versperren Comey zufolge Strafverfolgern den Weg zu möglichen Beweisen gegen Verdächtige. Die Lösung sei eine von den Herstellern eingebaute „Vordertür“.

„Wir verlangen keine Hintertür“, sagte Comey. „Wir möchten den Vordereingang verwenden, mit Klarheit und Transparenz, und mit eindeutigen rechtlich definierten Verfahren“, inklusive Gerichtsbeschlüssen.

Den Vorwurf, eine Schwächung der Verschlüsselung mache Geräte anfällig für Cyberangriffe, wies Comey zurück. Er räumte aber ein, dass Kriminelle „jede Schwachstelle ausnutzen werden, die sie finden“. Bei der Entwicklung der „Vordertüren“ sollten direkt Lösungen eingearbeitet werden, die das Risiko von Angriffen auf die Hintertüren minimieren.

Matt Blaze, Kryptographie-Experte und Professor an der University of Pennsylvania, warf Comey per Twitter vor, er habe in seiner Rede die technischen Risiken von Hintertüren vollständig ignoriert. Christopher Soghoian, Principal Technologist der American Civil Liberties Union, ergänzte, Comeys Forderung nach einer Schwächung der Verschlüsselung öffne die Daten für „ausländische Regierungen und Kriminelle“, egal, ob man dass „einen Vordereingang oder eine Hintertür“ nennt.

Schon 2010 hatte Soghoian in einem Blogeintrag darauf hingewiesen, dass CALEA ausdrücklich das Recht von Telekommunikationsfirmen schütze, Verschlüsselungsverfahren in ihre Produkte zu integrieren, deren kryptografische Schlüssel ausschließlich der Kunde kenne. Comey deutet in seiner Rede jedoch an, dass er das ändern will.

Google wollte Comeys Rede nicht kommentieren. Ein Google-Sprecher sagte: „Früher haben die Menschen Tresore und Zahlenschlösser verwendet, um Informationen zu schützen – jetzt benutzen sie Verschlüsselung. Deswegen haben wir hart gearbeitet, um unseren Nutzern diese zusätzliche Sicherheit anbieten zu können.“

Die Enthüllungen des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden über die Abhörprogramme der USA und Großbritanniens habe viele große Technikfirmen veranlasst, die Verschlüsselung ihrer Dienste auszuweiten. Dazu gehören unter anderem Apple, Facebook, Google, Microsoft und Yahoo. Google-Chairman Eric Schmidt warnte sogar, Spionage könne das Internet zerstören.

[mit Material von Seth Rosenblatt, News.com]

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12 Kommentare zu FBI-Direktor fordert Zugriffsmöglichkeit auf verschlüsselte Handydaten

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  • Am 20. Oktober 2014 um 8:29 von Frank Furter

    Ja, ja, es geht natürlich einzig und allein um Terroristen und Kinderschänder…
    Und dann nicken auch hier alle ganz eifrig mit den Köpfen: „Gut, dagegen müssen die uns beschützen und was machen können. Und außerdem – ich habe nichts zu verbergen…“
    Wenn auch nur 10 Prozent von dem stimmen sollte, was durch Snowden und andere ans Tageslicht gekommen ist, sind die wahren Ziele der Behörden ganz andere.

    • Am 20. Oktober 2014 um 9:03 von Hi, hi...

      …richtig!
      Und ich fordere Zugriffsrechte auf 50 Prozent des Jahreseinkommens des FBI-Direktors! Ganz legal und durch die Vordertür!
      (Ich meine, fordern kann ich das ja erst Mal, oder? ;-))

  • Am 20. Oktober 2014 um 11:23 von black

    Steht da nichts zu in der Bibel „Patriot-Act“? Da ist doch fast alles gerechtfertigt,um die Menschheit vor den Bösen zu beschützen. Im Geheimen werden die Firmen schon zur Öffnung der „Tür“ gezwungen. Wer beschützt uns eigentlich vor den anderen Bösen, die nur unser Bestes wollen?

  • Am 21. Oktober 2014 um 7:43 von hermannk

    Zunächst einmal ist positiv, dass seit den Snowden Enthüllungen über diese Themen offen diskutiert wird. Ein großer Dank gebührt daher Herrn Snowden.
    Die Aufzählung der zu bekämpfenden Straftaten geht am Thema vorbei. Hier geht es um Grundrechte und da sollte man den Nebel draußen lassen. Jeder hat hier seine eigene Agenda. Auf der Liste könnte man noch den Drogenhandel und die Zwangsprostitution setzen. Aber ich denke, dass es dem FBI durchaus auch um umstrittenere Themen geht.
    Im Kern geht es bei der Diskussion jedoch um die Abwägung von Grundrechten. Als Bürger habe ich den Anspruch auch den Schutz meiner körperlichen Unversehrtheit, der durch Kriminelle bedroht ist. Andererseits habe ich den Anspruch auf Privatsphäre. Wesentlich ist die Frage, ob hier ein Zielkonflikt vorliegt. D.h., ob wir das eine nicht haben können ohne das andere zu schädigen. Viele bestreiten das pauschal, ohne es zu begründen. An diesem Punkt muss eine ernsthafte Diskussion ansetzen.

    • Am 21. Oktober 2014 um 8:32 von Mikesch

      endlich mal ein Kommentar mit Substanz. Danke!

  • Am 21. Oktober 2014 um 9:33 von Der Reisende

    Die Möglichkeit zum abhören und mitlesen kann ja ruhig implementiert werden. Ich habe nur leider die Befürchtung, dass die Kontrolle derer, die zugriff auf diese Daten nehmen Versagen wird. Das Risiko ist sehr hoch, dass wie in der Vergangenheit einfach alles abgegriffen wird und erst einmal der General Verdacht gilt. Außerdem, was passiert mit meinen umgeleiteten Daten? Werden diese dauerhaft gespeichert? Werden diese Daten für andere Zwecke ausgewertet? Das ist doch gar nicht zu kontrollieren. Das bedeutet, wir müssen diesen Leuten Vertrauen. Und da bin ich mir sicher, keiner tut das!!

    Ich schreibe eine Mail an einen Freund in der IS Terror das Thema ist. Ich äußere darin meine Meinung. Diese Meinung ist kontrovers. Ich habe das Recht auf freie Meinungsäußerung. Muss ich jetzt damit rechnen, nicht mehr in die USA einreisen zu dürfen und wird mir mitgeteilt, dass das gelesen wurde wenn ich am Flughafen kehrt machen muss? Da sind noch viele offene Fragen und ich befürchte ehrliche Antworten werden von diesen Leuten kaum zu erwarten sein.

  • Am 21. Oktober 2014 um 10:51 von plastikschaufel

    Natürlich, und zur Sicherheit überwachen wir euch alle.

    Eure Telefonate, Kurznachrichten, e-Mails, euren internen Speicher, euren Cloud-Speicher, euren Standord und vieles mehr.

    Nicht, dass uns nachher noch ein Verbrecher durch die Lappen geht.

  • Am 21. Oktober 2014 um 12:36 von Ivy

    Die totale Überwachung ist nicht mehr aufzuhalten, da haben wir zu lange geschlafen, „wir haben ja nichts zu verbergen gehabt“und deshalb egal, aber es wird uns noch mal leid tun.
    Und unsere Regierung interessiert sich überhaupt nicht um unsere Privatsphäre, im Gegenteil, wie man im NSA Fall sehen konnte.
    Hauptsache Merkels Handy wird nicht mehr abgehört, ob sie dieser Zusicherung traut ? Egal, denn mit wem kann sie denn telefonieren, ohne abgehört zu werden, denn die anderen werden ja ganz offen zugegeben von den USA weiter abgehört. Also nützt ihr das angeblich eigene abhörbefreite Handy auch nichts, wenn sie z. B. mit Putin spricht.
    Es ist so dreiste, was die USA sich da als NWO-Vorantreiber so alles leistet und wir haben scheinbar alle Angst, vor diesen skrupellosen Eliten dort. Und einige unserer EUliten arbeiten sicher auch an diesem Ziel mit, wenn man bedenkt, dass Trittin 2012 an dem geheimen Treffen der Bilderberger teilnahm, vom Kommunistischen Bund zum Bilderberger ist eine schon enorme Wandlung, sich mehrfach häuten scheint ein Garant, weiter an der Macht zu bleiben. Das ist keine Erfindung von mir, sondern wurde ihm in einer Bundestagsdebatte vorgeworfen und steht in WIKIPEDIA.
    Was werden diese NWO-Verschwörer bei der nächsten Bilderberger-Geheimsitzung 2015 aushecken, um die Welt wieder ein klein wenig mehr ins Chaos zu bringen, um dem Endziel der einzigen Weltherrschaft wieder einen Schritt näher zu kommen ??? Aber man vermittelt uns, dass diese Zusammenkünfte ja ganz harmlos sind, man muss sich nur mal näher damit beschäftigen, um zu erkennen, dass das kein Kaffeekränzchen ist, sonst bräuchte man ja die Öffentlicheit nicht zu scheuen.
    Demokratie ADE !!!

    • Am 21. Oktober 2014 um 17:53 von black

      Wenn hier von „Weltregierung“ geredet wird, wird das meistens als Spinnerei abgetan; aber ich denke auch das aus dieser Richtung einiges kommen wird.
      Die Masse der Leute beschäftigt sich mit so etwas eben nicht und schaut i.d.R. auch nicht über den Tellerrand hinaus oder hinterfragt gewisse Dinge; und wird irgendwann ganz erstaunt die Augen aufreißen.
      Schönes Thema hierzu immer: Cloud und kostenlose Emailkonten.

      Lässt man zu Hause auch jedermann kostenlos übernachten? Und wenn ja: warum? Ist man pervers, hat Hintergedanken oder „durchwühlt“ man das Gepäck des Reisenden um mehr über ihn zu erfahren?

      Hört sich bescheuert an; aber Geheimdienste und Co arbeiten auf pervider, bescheuerter Denkweise.

      Im übrigem weigere ich mich seit Jahren trotz x Einladungen in die USA zu reisen.

  • Am 21. Oktober 2014 um 17:01 von Ivy

    Habe auch gehört, dass einige „freiheitsliebende“ Köpfe in den USA darüber nachdenken, das Internet zu begrenzen. Der Grund wird sein, weil so viele Menschen im Internet hinter die verbrecherischen Machenschaften kommen, die der Westen vorn weg die USA und deren „Privatarmee“ der Welt bescheren. Und nicht, wie sie sagen , wegen Kinderschändern, das hätte man doch schon lange machen können, aber wenn man sich anschaut, was diesbezüglich für Spuren zu politischen und wirtschaftlichen Eliten führen, da weiß man dann , warum die Aufklärung, wie im „Sachsensumpf“ so „erfolgreich“ war und wo de Maizere sich auch eher vertuschend, als auflkärungswillig verhalten hat. Und warum im Fall Dutroux 27 Leute ganz zufällig um´s Leben kamen durch Unfälle und Selbstmord, die hätten aussagen sollen. Und keiner findet das merkwürdig von den Damen und Herren der Justiz, Politik.
    Da gab es den Missbrauchsskandal um den Moderator Jimmy Savile, der Jahrzehnte unbehelligt Kinder missbrauchen konnte und die Polizei untätig blieb, es gab da Verbindungen zum Königshaus, Blair, Thatcher, auch Prinz Charles sah man oft mit diesen Scheusal, eben bis in die höchsten Kreise, nach seinem Tod meldeten sich hunderte Personen, er soll an die 214 Sexualstraftaten von 1955-2009 begangen haben. Da bräuchte man kein Abhören, da müsste man nur die Zeugen schützen und bereit sein für normale Aufklärungsarbeit.
    Nein Kinder sind denen egal. Man komme mir nicht mit Sicherheit und Kriminalitätsbekämpf und Terrorismus.
    Es passt den ganzen sauberen Eliten nicht, dass wir hinter ihre gemeinsten Machenschaften kommen können, wenn wir wollen, nur deshalb planen sie das Internet für die Bürger zu beschneiden.

    • Am 21. Oktober 2014 um 17:57 von black

      Man kann es eigentlich auch mit einem Satz sagen:
      Die „Elite“ hat Angst vor dem Mob. Denn wenn der Mob seine wahre Macht erkennt, dann ist die „Elite“ dahin.

      Wissen über andere ist daher: MACHT.

  • Am 22. Oktober 2014 um 1:46 von Judas Ischias

    Die „Elite“ hat selbst oft genug Dreck am Stecken.
    Braucht man nur mal schauen wie das bei Dutroux oder Savile gelaufen ist.
    Und wenn die „Elite“ sich ihre Macht durch Bestechung sichern kann, wird sie dies tun.
    Wenn die „Elite“ noch an den Hebeln der Macht, sprich Politik sitzt, wird sie alles einsetzen, z. B. Justiz, Militär, Verbote der Pressefreiheit oder Manipulation der Medien generell und Versammlungsfreiheit.
    Braucht man gar nicht so weit weg zu suchen, da hat alles schon stattgefunden oder findet gerade statt.

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