Windows 8: Kommt Microsofts neues OS mit zwei Kerneln?

Ein im Januar veröffentlichtes Microsoft-Patent gibt Hinweise darauf, dass Windows 8 mit zwei Kernen ausgerüstet wird, die gleichzeitig laufen. Der neue könnte auf Tablets zum Einsatz kommen und den NT-Kernel langfristig komplett ablösen.

Windows 8 wird auf ARM-Prozessoren laufen. Das kündigte Microsoft auf der diesjährigen CES in Las Vegas nicht nur an, sondern demonstrierte das anhand eines frühen Builds. Auch Microsoft Office soll auf die ARM-Plattform portiert werden.

Der Hintergrund ist offensichtlich: Microsoft will den Tablet-Markt nicht kampflos Apple und Google überlassen. Anders als man vermuten könnte, ist die Portierung von Windows auf ARM-CPUs keine Panik-Reaktion auf den rasanten Erfolg des iPad, sondern ein Projekt, das bereits mit der Entwicklung von Windows Vista gestartet wurde.

In Anlehnung an den Codenamen für Vista und Windows Server 2008 "Longhorn" heißt das Projekt "LongARM". Gleichzeitig erinnert der Name an StrongARM. Dass Windows-NT-basierte Betriebssysteme auf andere CPU-Architekturen portierbar sind, zeigte Microsoft bereits anhand der Prozessoren DEC-Alpha, PowerPC, MIPS und Itanium.

Die Unterstützung von ARM-CPUs ist daher eher eine Fleißaufgabe als eine technische Herausforderung. Allerdings löst die Portierung nicht das größte Problem von Microsoft für Tablet-PCs, nämlich wie man Windows auf einem Tablet mit 256 MByte RAM performant zum Laufen bringt.

Ein iPad mit 256 MByte RAM und iOS, das wie Mac OS X auf dem Darwin-Kernel basiert, bietet eine passable Performance. Allerdings braucht man bei dieser Speichergröße an Windows 7 oder Vista erst gar nicht zu denken.

Neuere Tablets kommen mit mehr Speicher. Das Motorola Xoom mit Android 3.0 (Honeycomb) wird über 1 GByte verfügen. Beim iPad 2 mehren sich die Gerüchte, dass es mit 512 MByte ausgeliefert wird. Doch selbst mit 1 GByte macht Windows 7 wenig Spaß.

Eine Möglichkeit, Windows 8 auf Tablets zum Laufen zu bringen, ist der bei Microsoft intern "MinWin" oder "Cutler’s NT" genannte Ansatz. Dabei geht es darum, Windows so zu entflechten, dass ein lauffähiger Kernel entsteht, auf den man weitere Dienste aufsetzen kann.

"MinWin" verspricht Microsoft seit fast 18 Jahren. Bisher haben es die Redmonder allerdings nicht geschafft, Windows sauber zu entflechten (Quelle: Microsoft/Mark Russinovich).
„MinWin“ verspricht Microsoft seit fast 18 Jahren. Bisher haben es die Redmonder allerdings nicht geschafft, Windows sauber zu entflechten (Quelle: Microsoft/Mark Russinovich).

Die einzelnen Teile von Windows sind nämlich so stark voneinander abhängig, dass es beispielsweise nicht möglich ist, den File- und Print-Server zu starten, ohne dass das grafische Win32-Subsystem läuft, obwohl Netzwerkhintergrunddienste auch ohne Desktop-Oberfläche laufen sollten. Die seit Windows Server 2008 existierende Variante "Server-Core" ist eine Mogelpackung, der lediglich ein paar High-Level-APIs fehlen. Reine Win32-Programme wie Notepad oder Regedit laufen auch mit Server-Core.

Zuletzt hörte man 2009 von einem MinWin-Ansatz in einer Präsentation von Mark Russinovich (siehe Grafik), dem Autor der Technet-Sysinternals-Tools. Seitdem ist es still geworden. Dazu muss man wissen, dass Microsoft quasi seit dem Erscheinen von Windows NT 1993 verspricht, das Betriebssystem zu entflechten und die einzelnen Komponenten sauber zu trennen, aber es trotz aller Bemühungen bisher nicht geschafft hat.

Bei unixoiden Betriebssystemen ist das sauberer gelöst. Daher konnte Apple den Darwin-Kernel nehmen und ein vereinfachtes Grafiksystem für das iPhone und das iPad darauf aufsetzen, so dass diese Devices mit 256 MByte Speicher gut laufen. Das gleiche gilt für Google, den Linux-Kernel und Android.

Grundsätzlich benötigt Android etwas mehr Ressourcen, vor allem RAM, als iOS, da die Dalvik-VM Bestandteil des Betriebssystems ist. Apple setzt hingegen auf Native-Code sowie Objective-C und das Cocoa-Touch-Framework, was weniger RAM benötigt.

Themenseiten: ARM, Betriebssystem, Microsoft, Mobile, Tablet, Windows, Windows 7

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

6 Kommentare zu Windows 8: Kommt Microsofts neues OS mit zwei Kerneln?

Kommentar hinzufügen
  • Am 8. Februar 2011 um 22:16 von t_e_e_k

    dotNet
    hmm…wenn man es einfach betrachtet, brauchen sie einen kernel, der dotNet unterstützt, der desktop selber wird in wpf oder silverlight umgesetzt…office wird komplett in dotNet gemacht, visual studio 2010 ist bereits in dotNet, … fehlt noch etwas, das wirklich hexenwerk ist? Also um den consumer glücklich zu machen…business ist natürlich noch was anderes.

    • Am 9. Februar 2011 um 23:21 von yves707

      AW: dotNet
      sorry, hatte deinen kommentar irgendwie überlesen (siehe mein kommentar unten). bin genau deiner meinung. frage des kernels zukünftig komplett irrelevant… ms hat eigentlich heute schon die technologie für programme die auch unter windows 8 (egal auf welchem prozessor/kernel das laufen soll). man braucht jetzt nur noch die entsprechenden (gui-)apis und fertig…

  • Am 9. Februar 2011 um 11:27 von Denker


    Es reicht halt nicht aus, einen dünnen technischen Artikel anzuschneiden und über bestimmte Implementierungen zu urteilen.

    Der Windows Kernel ist schon seit eh und je vom HAL und den Subsystemen so entkoppelt, dass unterschiedliche Versionen vom Kernel verwendet werden können (SMP, PAE…).

    GUI, Filesystem usw. sind alles vom Kernel entkoppelte Subsysteme. Wenn es dort Abhängigkeiten gibt, muss das nicht zwangsweise schlecht sein. Dass zum Drucken bisher GDI verwendet wurde ist ja logisch und auch nicht schlecht, da man mit GDI eben das Ausgabegerät (Drucker oder Monitor) von der API Funktionalität entkoppeln wollte.

    Die Windows Architektur ist gut und alles andere als schlecht. Ich würde mir aber mal Gedanken machen wohin die Reise geht, wenn Android Handys/Tablets immer leistungsfähiger werden. Die Reise geht nämlich von den Funktionen nach oben, da wo Windows schon steht. Android und iOS wurden so zerpflückt, dass ihre eingeschränkten Funktionen im Vergl. zum Desktop OS auf minimalistischer HW laufen. Aber ist das jetzt auch für Windows ratsam, da die technische Entwicklung erwartungsgemäßg nach oben geht?

  • Am 9. Februar 2011 um 23:19 von yves707

    managed code
    kurze rückfrage an den verfasser des artikels (oder wer auch immer darauf antworten mag):

    warum spielt der kernel des betriebssystems in zeiten von managed code (silverlight/.net) überhaupt noch eine rolle?! wenn (windows-)programme zukünftig nur noch in managed code geschrieben werden würden, dann ist doch die frage, welcher kernel dahinter liegt, vollkommen irrelevant, oder irre ich da mich? warum muss dann z.b. office überhaupt noch für eine architektur angepasst werden? als .net/silverlight applikation müsste das paket doch auf jedem gerät mit entsprechender runtime laufen?

    danke für eure antworten :)

    • Am 17. Februar 2011 um 9:09 von Markus

      AW: managed code
      Also unter Microsoft .Net wird ja diverses durch Wrapper genutzt, welche die Win32-Api zur Verfügung stellen. Von daher müsste man natürlich neben einem komplett neuen Kernel auch diese Win32 Api Funktionen neu implementieren bzw. zur .Net Laufzeitumgebung hinzufügen.Beispiel: WPF selbst steuert ja nicht die Grafikkarte an. Dazwischen steht der Treiber und AFAIK DirectX.

  • Am 26. März 2011 um 15:52 von Maik

    OS von Microsoft für Tablets
    Ich meine, mein Windows XP läuft mit 256MB RAM hervorragend.

    Könnte es Microsoft nicht genauso machen? Ein Tablet-OS mit WinXP als Basis?
    Eventuell nur noch die Funktionen wie Win7.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *