Bundesprüfstelle indiziert iShareGossip wegen Jugendgefährdung

Die Betreiber der Site haben keine Stellungnahme abgegeben. Indizierte Sites werden aus den Ergebnissen der sieben größten Suchanbieter in Deutschland gelöscht. Die Umsetzung wird in jedem Fall einige Tage dauern.

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hat die Tratsch-Website iShareGossip auf den Index gesetzt. Das hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) in Berlin bekannt gegeben – und gleichzeitig eine Kampagne gegen Cybermobbing gestartet.

„Die psychischen Folgen von Cyber-Mobbing sind schlimm und wir wissen, dass das bis hin zu Suizidversuchen und brutalster realer Gewalt führen kann“, erklärte Schröder. Sie habe deshalb eine Informationsseite einrichten lassen, die Jugendlichen, Eltern und Schulen Tipps an die Hand gebe, wie Opfer sich wehren, Attacken dokumentieren und Anzeige bei der Polizei erstatten können.

Die BPjM hatte den Betreibern laut Spiegel Online bis Donnerstag Zeit gegeben, eine Stellungnahme abzugeben und die Site zu indizieren, falls der Forderung nicht nachgekommen würde. Einige Eltern hatten gefordert, die Site abzuschalten.

Die Betreiber von iShareGossip wollen Geld damit verdienen, ein Forum für anonyme Beschimpfungen und Beleidigungen zu bieten. So steht das freilich nicht in den FAQ. Dort heißt es, iShareGossip sei eine Plattform, „auf der ohne Anmeldung Kommunikation in ausgewählten Kategorien stattfinden kann“.

Weiter steht dort: „iShareGossip möchte helfen mehr Transparenz im Internet zu schaffen.“ In Social Networks wie Facebook müssten Nutzer mittlerweile aufgrund der großen Zahl an „Freunden“ darauf achten, „was sie in ihren Statusmeldungen von sich geben“.

Spiegel Online zufolge eskalierte ein über die Website angezettelter Streit zwischen Berliner Schülern und endete in einer Schlägerei. Etwa 20 Jugendliche prügelten demnach einen 17-Jährigen bewusstlos, der den Streit schlichten wollte. Das Opfer wurde mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen.

Auch unter Schülern formiert sich indes Protest, wie Der Tagesspiegel berichtet. Beispielsweise hat das Schülersprecherteam der Humboldt-Oberschule in Reinickendorf zum Boykott der Mobbing-Plattform aufgerufen. „Wir müssen ihr die Luft zum Atmen rauben. Wenn die Niveaulosigkeiten dort nicht mehr beachtet werden, dann wird auch der Strom der Beiträge abklingen und wir haben unser Ziel erreicht“, zitiert der Tagesspiegel einen von den Schülern verfassten Flyer. „iShareGossip lebt von seiner Aufmerksamkeit“, sagte der 17-jährige Simon Hertling der Zeitung. „Deshalb muss die Site ein negatives Image bekommen.“

Landet eine Site auf dem Index, ist sie mit den deutschen Versionen von Bing und Google nicht mehr ohne weiteres auffindbar. Die Umsetzung kann allerdings einige Tage dauern. Die sechs größten Suchmaschinen in Deutschland hatten sich 2007 selbst dazu verpflichtet, von Behörden indizierte Sites nicht mehr in ihren Suchergebnissen anzuzeigen.

Themenseiten: Bing, Facebook, Google, Internet, Kommunikation, Microsoft, Networking, Soziale Netze, Suchmaschine

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3 Kommentare zu Bundesprüfstelle indiziert iShareGossip wegen Jugendgefährdung

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  • Am 26. März 2011 um 9:58 von Richtig

    Richtig so @ Indizierung!
    Richtig so @ Indizierung!

  • Am 26. März 2011 um 10:02 von Leser

    Zensur
    Glücklicherweise gibt es nicht nur die deutschen Versionne von Bing und Google. Bei Google benutze ich schon lange nur die amerikanische Suchseite (mit deutscher Oberfläche!) von Google, weil ich dort unzensierte Suchergebnisse angeboten bekomme.

    Kann ich allen nur empfehlen!

  • Am 7. April 2011 um 13:07 von Tobias

    Schlimm!
    Das wirklich Schlimme an diesem Pöbel-Portal ist, dass das Internet so wenig „vergesslich“ ist. Einmal ins Netz gestellte Mobbing-Attacken kann man als Privat-Person kaum jemals wieder ausradieren, da benötigt man dann schnell professionelle Hilfe. Aber so eröffnen sich ungeahnte Geschäftsfelder, es gibt Firmen, die sich genau darauf verstehen, nämlich den guten Ruf im Netz wieder herstellen zu können. Ist zwar nicht ganz umsonst, aber im Zweifelsfall der letzte Ausweg, um seine sogenannte „Online-Reputation“ zu bereinigen.

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