Google nutzt Suchmaschinenwerbung massiv für eigene Produkte

Der Internetkonzern kauft selbst millionenfach Inserate neben seinen Suchergebnissen. Er bewirbt bestplatziert Pixel-Smartphones, Chromebooks, Android-Wear-Smartwatches und Produkte seiner Schwesterfirma Nest. Google will darin keinen Konflikt mit den Interessen seiner Werbekunden sehen.

Google kauft selbst im großen Maßstab Anzeigen, die auf den Ergebnisseiten seiner eigenen Suchmaschine erscheinen. Mit dieser Form von millionenfacher Eigenwerbung konkurriert es mit anderen Unternehmen, die in einem Auktionsverfahren auf Anzeigen bieten, die bei der Suche nach bestimmten Stichworten erscheinen. Das geht aus einer Analyse hervor, die das Wall Street Journal mit Daten des Dienstleisters SEMrush durchgeführt hat.

Google Suche (Screenshot: ZDNet.de)

Untersucht wurden jeweils tausend verschiedene Suchvorgänge zu 25 Begriffen. Die Suchanfragen gingen von einem Desktop-PC aus, wobei die Surfhistorie blockiert wurde, damit sie die Ergebnisse nicht beeinflussen konnte.

Bei 91 Prozent der Suchvorgänge war Werbung für Produkte von Google und seinen Schwesterfirmen am besten platziert. Bei 43 Prozent waren die beiden obersten Plätze solchen Produkten vorbehalten. Bei allen Suchanfragen nach „Laptops“ hatte ein Inserat für ein Chromebook die beste Platzierung. Bei der Suche nach Smartphones waren fast immer drei aufeinanderfolgende Inserate für Googles Pixel-Modelle vorne. Bei 98 Prozent der Suchanfragen nach „Watches“ begann die eingeblendete Werbung mit einer Android-Wear-Smartwatch. Anfragen wegen Rauchmeldern erbrachten fortlaufende Inserate für Produkte von Nest, das ebenfalls im Besitz der Google-Mutter Alphabet ist.

Die Zeitung schließt aus diesen Ergebnissen, dass Google seine dominierende Suchmaschine nutzt, um seine anderen Geschäftsbereiche zu fördern und einen Vorteil gegenüber seinen Wettbewerbern herauszuholen – zu denen einige seiner größten Werbekunden gehören. Sie erinnert an langjährige Untersuchungen der EU zu Googles Suchgeschäft. Im letzten Jahr weitete die Europäische Kommission außerdem das Wettbewerbsverfahren gegen Google auf das Anzeigengeschäft aus.

Laut WSJ macht die Analyse zudem einen wenig beachteten Interessenkonflikt sichtbar. Die führenden Anbieter von Online-Werbeflächen wie Google, Facebook und Microsoft konkurrierten mit ihren Kunden um eben diese Flächen. Nach den Zahlen von EMarketer konnte Google im letzten Jahr 31 Prozent aller digitalen Werbeumsätze vereinnahmen.

Google erklärte in einer Stellungnahme, es achte bei seinen Marketingprogrammen sorgfältig darauf, dass andere werbende Auftraggeber dadurch nicht benachteiligt werden und insbesondere keine höheren Preise zu zahlen haben. „All unsere Gebote werden bei der Aktion nicht berücksichtigt, wenn der von anderen Inserenten zu zahlende Preis bestimmt wird“, zitiert Recode aus der Stellungnahme. „Und wir haben strikte Regeln und Verfahren – mit strengeren Maßstäben als bei unseren Kunden – hinsichtlich der Nutzung unserer eigenen Anzeigen.“

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Schon in einem 2010 veröffentlichten Blogeintrag hatte Google auf die hauseigene Werbung hingewiesen. „Es ist vermutlich keine Überraschung, dass wir große Fans von AdWords sind.“ Der Internetkonzern führte weiter aus, dass auch Zeitungen ihre Werbeflächen etwa für Abowerbung nutzen oder Fernsehsender im eigenen Programm für andere Sendungen werben. „Und Suchmaschinen nutzen Inserate üblicherweise, um Nutzer über Services zu informieren, die sie bereitstellen.“

Google scheint inzwischen jedoch einen vorsichtigen Rückzieher zu machen. Nachdem das Wall Street Journal dem Internetkonzern am 15. Dezember die Ergebnisse seiner Analyse zur Kenntnis brachte, sollen viele der beobachteten Eigeninserate verschwunden sein. Eine zweite Analyse am 22. Dezember sah nur noch bei 19 Prozent der Suchanfragen bestplatzierte Inserate von Google oder Nest.

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Hinweis: Der ursprüngliche Artikel enthielt die Aussage, dass SEMrush die Analyse im Auftrag des WSJ selbst durchgeführt hat. Das entspricht nicht den Tatsachen. Nach Angaben des Unternehmens hat man lediglich dem Wall Street Journal Daten zu Analysezwecken zur Verfügung gestellt.

Themenseiten: E-Commerce, Google, Marketing, Suchmaschine

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6 Kommentare zu Google nutzt Suchmaschinenwerbung massiv für eigene Produkte

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  • Am 20. Januar 2017 um 22:57 von Klaas Klever

    Zerschlagen, in Suchmaschine und den Rest. Dann geht dieses Spiel nicht mehr.

    • Am 21. Januar 2017 um 11:15 von Manfred

      Wozu? Wer nimmt Schaden? Jeder kann Werbung schalten.
      Da gehören ganz andere Unternehmen zerschlagen. Microsoft finanziert desaströse Bereiche durch und blockiert damit für andere den Markt. VW blockiert den gesamten Auto Markt.

      Google macht nichts verbotenes und auch nichts verwerfliches. Wer dort Werbung schalten und besser positioniert sein will hat alle Möglichkeiten und freien Zugang.

    • Am 21. Januar 2017 um 14:56 von DoN

      Ach Peer, das würde Dir gefallen, gell? Warst nicht Du es, der wehemend die Werbepraktiken im Apple Store mit „Es muss ja keiner dort Werbung kaufen oder eine App einstellen, wenn man mit den Bedingungen von Apple nicht einverstanden ist“, verteidigt? Und nun schreist du nach Zerschlagung? Lachhaft.

  • Am 21. Januar 2017 um 10:10 von Antiappler

    Ja, PeerH, Du hast vollkommen Recht.
    Allerdings überlege ich gerade, was daran verwerflich ist, wenn eine Firma ihre eigenen Produkte bewirbt.
    Nehmen wir doch mal als Beispiel den Saturn und Media Markt. Die werben auch nicht für die Produkte von Expert oder Euronics, sondern für die eigenen Produkte.

    Und wie wäre das, wenn Du wieder als PeerH schreibst?
    Denn Du kannst es ja doch nicht lassen gegen Deine „Lieblingsfirmen“
    zu stänkern, und man könnte Deine Kommentare einfach übergehen.
    Außerdem erkennt man Dich wegen Deiner üblichen und typischen Phrasen sowieso, ist ja nicht nur mir aufgefallen!

  • Am 21. Januar 2017 um 17:58 von yesitsme

    was noch schlimmer ist: oben auf der suchseite werden andere google produkte direkt verlinkt…. gmail, notizen, docs, photos. google bietet auch nur seinen eigenen übersetzer zum übersetzen an und auch nur seine eigene suchmaschine. ich finde die sollten bing und anderen da auch eine möglichkeit einräumen. da muss die merkel was machen, schließlich ist das öffentlicher raum… oh moment.

  • Am 21. Januar 2017 um 21:32 von Hillery

    Da hat Google echt Glück das es keine Monopol besitzt wie damals Microsoft. Microsoft man ja schnell so einige verboten.
    Google gehört zerschlagen um so was zu behindern. Aber jetzt wo Unternehmer das Land Amerika übernommen haben, wird eher das Internet an Google verkauft.

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