Facebook will Snapchat für 3 Milliarden Dollar kaufen – und blitzt ab

Facebook hat für den Messaging-Dienst Snapchat 3 Milliarden Dollar geboten, wie das Wall Street Journal zuerst berichtete. Doch Evan Spiegel, der 23-jährige CEO und Mitgründer des Unternehmens, will angeblich frühestens im nächsten Jahr eine Übernahme oder ein Investment von anderer Seite in Betracht ziehen. Nach Informationen der Zeitung soll Spiegel darauf hoffen, dass die Zahl der Nutzer sowie der versandten Nachrichten weiter wächst und eine noch höhere Bewertung rechtfertigt.

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Snapchat wurde durch sein flüchtiges Instant Messaging insbesondere bei Teenagern beliebt. Es erlaubt den Versand von Fotos oder Videos an Freunde, die nur bis zu zehn Sekunden lang sichtbar bleiben und sich dann selbst zerstören. Snapchat eignet sich daher besonders für den Versand unterhaltsamer Aufnahmen, deren dauerhafte Speicherung und Weitergabe wie bei Facebook unerwünscht ist. Das können etwa weniger schmeichelhafte oder anzügliche Fotos sein, was Snapchat den Ruf einer „Sexting“-Anwendung einbrachte.

Laut Evan Spiegel ist Snapchat durch die Erfahrungen von Facebook-Nutzern inspiriert, die vor späteren Bewerbungsgesprächen hektisch Bilder und Tags entfernen mussten. Der Messaging-Dienst sagt auch zu, die von Smartphones und Tablets versandten Bilder nur vorübergehend auf seinen Servern zu speichern. Nicht verhindern kann er aber die eventuelle Anfertigung von schnellen Screenshots durch die Empfänger.

Snapchat wurde 2011 gegründet und gewann schnell an Beliebtheit. Im Juni dieses Jahres sammelte es 60 Millionen Dollar von Investoren ein – diese Finanzierungsrunde entsprach einer Bewertung von 800 Millionen Dollar für das Unternehmen. Schon drei Monate später berichtete Snapchat von einer fast verdoppelten Nutzung auf 350 Millionen tägliche „Snaps“.

Laut WSJ soll Facebook schon früher 1 Milliarde Dollar geboten und in den letzten Wochen auf 3 Milliarden Dollar erhöht haben. Ein naheliegender Grund für die großzügigen Angebote dürfte im schwindenden Interesse jugendlicher Nutzer am Social Network liegen, das Facebooks Finanzchef im Oktober erstmals einräumte.

Der einflussreiche Snapchat-Investor Benchmark Capital bremste nach einem Bericht der New York Times die Verkaufswilligkeit von Snapchat zusätzlich. Die Wagniskapitalgeber hätten zuvor auch auf das von Facebook übernommene Instagram gesetzt und seien enttäuscht gewesen, als deren Gründer für 1 Milliarde Dollar an Facebook verkauften. Wie zuvor bei Instagram gingen sie auch bei Snapchat von noch besseren Aussichten aus. Benchmark habe zudem gezielt in Dienste wie Snapchat investiert, die ihren Nutzern mehr Privatsphäre als Facebook belassen.

Die Zeitung will außerdem erfahren haben, dass Evan Spiegel schon deshalb nicht zum Verkauf an Facebook neige, weil er nicht unbedingt für Mark Zuckerberg arbeiten wolle. Stark an Snapchat interessiert ist angeblich auch der chinesische Internetriese Tencent, dem mit WeChat ein wichtiger Messaging-Dienst in China gehört. Sein Investitionsangebot soll Spapchat die noch höhere Bewertung von 4 Milliarden Dollar zumessen.

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