Vietnamesisches Regime betreibt eigenes Social Network

Wer sich auf Go.vn einloggen will, muss seinen Klarnamen und die staatliche Identifikationsnummer angeben. Bis 2015 erwartet die Regierung über 40 Millionen Mitglieder. Noch im vergangenen Jahr wurden regimekritische Blogger verhaftet.

Go.vn steht für die Strategieänderung der vietnamesischen Regierung (Screenshot: ZDNet).

Die sozialistische Regierung Vietnams hat ein Soziales Netz namens Go.vn gegründet. Die staatliche Vietnam Multimedia Corporation hatte die Plattform versuchsweise am 19. Mai gestartet – der Geburtstag des Revolutionshelden Ho Chi Minh. Bis Ende des Jahres soll eine Vollversion online sein.

Laut dem Wall Street Journal markiert die Site eine Strategieänderung von Hanois Politbüro. Noch im vergangenen Jahr habe die Regierung Websites wie Facebook blockiert und regimekritische Blogger ins Gefängnis geworfen, um die Verbreitung subversiven Gedankenguts zu vermeiden.

„Wir sind bereit für einen sauberen Wettkampf“, schreibt Vietnams Informations- und Kommunikationsminister Le Doan Hop im Blog von Go.vn. Das Social Network sei eine „vertrauenswürdige“ Alternative zu ausländischen Sites. Bis 2015 rechnet Hop mit über 40 Millionen Mitgliedern – das wäre fast die Hälfte der vietnamesischen Bevölkerung.

Viele Features sind bekannt: Taggen, Anstupsen, Anfreunden. Nutzer können Bilder hochladen, Freunde verlinken und Nachrichten austauschen. Wer sich auf Go.vn einloggen will, muss allerdings seinen vollen Namen sowie eine von der Regierung erteilte Identifikationsnummer angeben.

In der jungen Zielgruppe stößt Go.vn auf Widerstand: Einige haben herausgefunden, wie sich die Facebook-Sperre der Regierung umgehen lässt, andere launchen Online-Kampagnen, um zum Boykott lokaler Websites aufzurufen. „Make ‚go‘ go away“, heißt es dort.

Der Versuch, ein regierungsfreundliches Online-Portal zu schaffen, zeugt von Vietnams Unbehagen gegenüber dem Internet. Das Web überflügelt staatlich zensierte Medien wie Fernsehen und Tageszeitungen. Die Entwickler versuchen nun, die Site als Gaming-Portal zu platzieren, um mehr Mitglieder anzulocken. Einige – freilich staatlich geprüfte – Spiele sind bereits online.

Themenseiten: Big Data, Datenschutz, Internet, Kommunikation, Networking, Politik, Soziale Netze, Zensur

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