LinuxCon: Hitzige Debatten über Googles Android-Abspaltung

Ein Novell-Vertreter wirft dem Suchmaschinenanbieter "mangelndes Interesse" an einer Integration in den Linux-Hauptzweig vor. Google-Entwickler: Android wird nur wegen seiner Popularität so heftig kritisiert. Android-Entwickler sind benachteiligt.

Android 2.2 Froyo

Googles mobiles Betriebssystem Android war bei der Eröffnung der Konferenz LinuxCon in Boston Gegenstand heftiger Debatten. Manche Konferenzteilnehmer tadelten den Suchmaschinenanbieter, weil er mit Android eine Abspaltung („Fork“) des Linux-Kernels geschaffen habe. Andere begründeten die Entwicklung des Google-Betriebssystems mit technischen Zwängen und wollten höchstens von einer „teilweisen Abspaltung“ sprechen.

Googles Android-Treiber wurden im Oktober 2009 wegen fehlender Mitarbeit durch Google aus dem Linux-Kernel ausgeschlossen. Ursprünglich war der Code 2008 dem Linux-Kernel-Team übergeben und zweimal von Google verbessert worden.

Nach dem Ausschluss wurde Kritik laut, dass das Unternehmen sich vom Linux-Hauptzweig abgespalten habe. Ted Ts’o, ein Mitarbeiter am Linux-Kernel, der seit 2010 für Google arbeitet, argumentiert dagegen. Er erklärte auf der LinuxCon, dass sowohl Novell als auch Red Hat Linux-Patches auslieferten, die vom Linux-Kernel ausgeschlossen worden seien. Trotzdem bezeichne niemand diese Distributionen als „Fork“.

Nach Ts’os Meinung wird Google so scharf kritisiert, weil Android so populär ist. Die Tatsache, dass der Android-Code nicht im offiziellen Kernel enthalten sei, mache Entwicklern und Herstellern der Android-Welt aber das Leben schwer. Sie müssten mit zwei verschiedenen Code-Sammlungen für die verschiedenen Linux-Versionen arbeiten.

In Matthew Garrett von Red Hat hat Google ebenfalls einen Fürsprecher. Die „teilweise Abspaltung“ des Android-Codes sei unglücklich. Es gebe aber sehr gute technische und soziale Gründe, warum der Android-Code noch nicht in den Kernel aufgenommen wurde.

„Manchmal ist es nicht so leicht, ein ‚gutes‘ Mitglied der Community zu sein“, erklärte Garrett. „Vielleicht hätte uns Google einbinden sollen, bevor sie ihren Code schrieben. Es wäre aber nicht fair zu sagen, dass sie deshalb schlechte Mitglieder der Community sind.“ So ärgerlich die „teilweise Abspaltung“ sei, sie sei wesentlich besser, als überhaupt keine Open-Source-Mobil-Plattform zu haben, die es mit Apples iPhone aufnehmen könne.

James Bottomley von Novell bestand darauf, dass die Abspaltung von Android sich zu einem langfristigen Problem entwickle. Man könne die Reichweite des Produkts nicht mit den Patches eines einzelnen Distributors vergleichen. Google habe sich im April mit den Linux-Kernel-Entwicklern getroffen. Trotzdem habe es bislang keine ernsthaften Schritte gegeben, um etwas gegen das Fehlen von Android im Linux-Kernel zu tun. Es gebe „beunruhigende Zeichen, dass Google nicht daran interessiert ist“.

Noch im März hatte Charles DiBona von Google gegenüber ZDNet erklärt, dass der Android-Code noch rechtzeitig in den offiziellen Linux-Kernel aufgenommen werde. Das sei aber sinnlos, solange technische Probleme und plattformspezifische Fragen noch nicht gelöst seien. Im Mai erklärte er dann, dass Google sogar Entwickler anstellen werde, die eng mit Kernel.org zusammenarbeiten sollten.

HIGHLIGHT

Themenschwerpunkt: Android

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