Facebook schränkt Weitergabe von Standortdaten in Messenger ein

Die App gibt künftig nicht mehr automatisch bei jeder Nachricht den Standort eines Chatteilnehmers weiter. Nutzer können sich bewusst für die Weitergabe entscheiden und eine Standortkarte als getrennte Nachricht senden. Facebook könnte damit auf eine kürzliche Enthüllung über mögliches Stalking durch standardmäßig versandte Standortinformationen reagieren.

Facebook Messenger gibt in Zukunft nicht mehr standardmäßig bei jeder Nachricht den Standort des Chatteilnehmers weiter. Es ist dabei, eine neue Funktion für das manuelle Teilen des Standorts einzuführen. Der Nutzer soll sich damit bewusst für die Weitergabe entscheiden und als separate Nachricht eine Karte des augenblicklichen Standorts oder einer anderen Örtlichkeit mitsenden können.

Es sieht ganz danach aus, als reagierte das Social Network damit ungewöhnlich schnell auf eine kürzliche Enthüllung über die umfangreichen Auswertungsmöglichkeiten der automatisch mitgelieferten Standortdaten. Harvard-Informatikstudent Aran Khanna hatte eine Erweiterung für den Browser Chrome veröffentlicht und damit mögliche Konsequenzen der Standortweitergabe bis hin zu Stalking deutlich gemacht. Mithilfe seiner Erweiterung ließen sich mühelos die wechselnden Standorte von Teilnehmern verfolgen. Auch für ihn überraschend waren die metergenauen Ortsbestimmungen, die ihm nicht nur bei guten Freunden möglich waren, sondern auch bei anderen aktiven Teilnehmern in einer themenbezogenen Chatgruppe, die er nicht persönlich kannte.

Der Anwender kann einen Kartenausschnitt mit Standort als separate Nachricht senden (Bild: Facebook).Der Anwender kann einen Kartenausschnitt mit Standort als separate Nachricht senden (Bild: Facebook).

Die zunächst aus Spaß entwickelte Software konnte daraus etwa den genauen Schlafplatz eines Kommilitonen in einem Studentenwohnheim ausmachen. Über längere Zeit hinweg ließen sich außerdem die typischen Aufenthaltsorte eines Chatteilnehmers an einzelnen Wochentagen ermitteln – und auch den Zielort eines vergnüglichen Wochenendausflugs enthüllte der Dienst von Facebook.

Laut Messenger-Produktchef Stan Chudnovsky reagiert Facebook jedoch nicht kurzfristig auf diese Enthüllung, sondern arbeitete schon über die letzten Monate hinweg am neuen Feature, das den Standort erst auf ausdrücklichen Wunsch hin übermittelt. „Sie können jetzt explizit wählen, eine Karte Ihres Standorts oder eines anderen definierten Orts als gesonderte Nachricht zu versenden“, schreibt er in einem Blogeintrag.

Die neue Funktion ist über die „Mehr“-Schaltfläche zugänglich, wie bereits im entsprechenden Facebook-Hilfebereich beschrieben. Nach dem Tippen auf „Standort“ erscheint der aktuelle Standort als blauer Kreis. Auszuwählen ist auch ein anderer Ort, wenn sich etwa ein Teilnehmer zu einem Treffen in einem Restaurant verabreden will.

„Mit diesem Update erhalten Sie die volle Kontrolle darüber, wann und wie Sie Ihre Standortinformationen teilen wollen“, versichert Chudnovsky. Messenger erfahre zudem den Standort nicht ohne aktivierte Standortdienste auf dem jeweiligen Gerät. „Messenger erhält keine Standortdaten von Ihrem Gerät im Hintergrund – sondern immer nur dann, wenn Sie einen Standort auswählen und in der Messenger-App auf Senden tippen.“

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Themenseiten: Datenschutz, Facebook, Messenger, Privacy, Soziale Netze

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