Apple CarPlay basiert auf Blackberry QNX

Für Smartphone-Riesen wie Apple und Google, die ihre gesammelten Erfahrungen nun in die Armaturenbretter der Autos bringen möchten, führt praktisch kein Weg an QNX vorbei. Die Plattform stammt von der 2010 von Blackberry übernommenen Firma QNX Software Systems, die auch in Deutschland eine Niederlassung unterhält.

Apples Auto-Schnittstelle CarPlay basiert auf Blackberrys QNX-Plattform zusammen (Bild: Apple)Apples Auto-Schnittstelle CarPlay basiert auf Blackberrys QNX-Plattform (Bild: Apple)

CarPlay, Apples Schnittstelle für die iOS-Fahrzeugintegration, setzt auf Blackberrys QNX-Plattform für Infotainment-Systeme auf. Und auch Ford dachte im Hinblick auf seine Sync-Lösung über einen Wechsel von Microsoft zu QNX nach. Zudem ist es sehr wahrscheinlich, dass Googles Bemühungen hinsichtlich der Fahrzeugintegration von Android ebenfalls ein Frontend vorsehen, das mit QNX als Unterbau läuft.

Wenn Blackberry-CEO John Chen das QNX-Echtzeitbetriebssystem also zu den Firmen-Kronjuwelen zählt, so meint er das durchaus ernst. Chen sagte dazu in einer Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnisse im Dezember:

„QNX ist wohl durchaus eines unserer Kronjuwelen. Partner und Kunden rufen mich an, weil sie unbedingt mit uns an QNX arbeiten wollen. Vorgesehen ist, in dieses System zu investieren und auf dieser Basis zu wachsen. Wir planen außerdem, in weitere vertikale Märkte einzusteigen, da wir heute schon über eine hervorragende Position in der Autobranche verfügen. Auf sie werden wir uns natürlich weiter konzentrieren. Aber wir werden uns sicherlich auch in angrenzenden vertikalen Märkten umschauen, um unser Geschäft auszubauen. Darüber hinaus werden wir eine Cloud-Plattform schaffen, die auf M2M-basierter Architektur beruht.“ (M2M steht dabei für Machine-to-Machine.)

Die entscheidende Frage lautet: Welchen Wert besitzt QNX? Blackberry kann nicht seinen kompletten Turnaround auf QNX fußen, allerdings kann das Unternehmen sicher sein, dass die QNX-CAR-Plattform hierbei eine Schlüsselrolle spielen wird. Strategisch gesehen ist QNX – zusammen mit der Unternehmenssparte – womöglich das wertvollste Gut bei Blackberry.

Was QNX als Mittel zur iOS-Einbindung in Fahrzeugsysteme anbelangt, so blicken Apple und Blackberry auf eine langanhaltende Partnerschaft zurück. In vielerlei Hinsicht dient QNX als Middleware-Schicht für Infotainment-Systeme im Auto. In der vergangenen Woche tauchten dann Meldungen auf, wonach Apples Auto-Schnittstelle CarPlay, die auf dem Genfer Auto-Salon vorgestellt wurde und in iOS 7.1 integriert ist, auf QNX basieren soll.

In einem Forschungsbericht über Apple verweist Jefferies-Analyst Peter Misek in einem Nebensatz auf QNX: “CarPlay ist ein Fahrzeug-Infotainmentsystem, das es iPhone-Nutzern erlaubt, Anrufe zu tätigen, auf Karten und Nachrichten zuzugreifen und Musik zu hören. In dem Zusammenhang listet Apple 15 Automobilhersteller als Partner auf, darunter Ferrari, Mercedes Benz und Volvo. Die CarPlay-Software läuft auf der QNX-Plattform von Blackberry. Sie wird noch in diesem Jahr in ausgewählten Fahrzeugen zur Verfügung stehen.“

Wenn man CarPlay so betrachtet, lässt sich nur schwer erahnen, dass eigentlich QNX dahintersteckt. Automobilhersteller – und mittlerweile auch Smartphone-Anbieter – kontrollieren die Schnittstelle und die damit einhergehende Nutzererfahrung offenbar genau. Das könnte wiederum bedeuten, dass die Flexibilität von QNX bei dessen Auswahl eine immens wichtige Rolle gespielt hat.

Die QNX-Partner und ihre In-Car-Integrationslösungen

Partner Integrierter In-Car-Dienst
Apple Multimediale iPhone/iPod-Integration
Best Parking Standortbasierte Parkplatzsuche
Digia Kommerziell lizenzierte Qt-Softwarebibliothek
Elektrobit Eingebettete Navigation
Freescale Mikrocontroller-Lieferant
Hear Planet Audiostreamingdienst
JQuery JavaScript-Framework
Nuance Spracherkennung
Nvidia System-on-a-Chip-Lieferant
OpenSynergy/Cybercom Bluetooth-Protokollstacks- und Profile
PacketVideo DLNA-Stack für die Integration von Android-Mobilgeräten
Pandora Streaming-basiertes Internetradio
Parkopedia Standortbasierte Parkplatzsuche
RealVNC MirrorLink-Konnektivität
RedBend Software-Updates über FOTA (Firmware Over-the-Air)
Sencha JavaScript-Framework
Slacker Streaming-basiertes Internetradio
Soundtracker Musikstreamingdienst
Texas Instruments Mikrocontroller-Lieferant
Wcities Eventseekr Standortbasierter Event-Dienst
Weather Network Integrierter Wetterdienst

Blackberry ist aktuell zwar nicht in der Position, sich zu seiner Beteiligung an Apples CarPlay zu äußern. Allerdings lässt sich auch so feststellen, dass die QNX-Plattform tatsächlich auf die Anbindung mobiler Endgeräte ausgerichtet ist.

QNX Software Systems aus Ontario, die auch in Deutschland eine Niederlassung unterhält und 2010 von Blackberry übernommen wurde, stellt nämlich Betriebssysteme, Werkzeuge für die Software-Entwicklung sowie technische Dienstleistungen bereit, die von Autos über Appliances und medizinische Geräte bis hin zu Steuerungssystemen alles abdecken. Ferner hat QNX bereits mehr als 40 Automobilhersteller auf seiner Seite – unter anderem Acura, Audi, BMW, Chrysler, Ford, GM, Honda, Hyundai, Jaguar, Mercedes, Land Rover Range Rover, Porsche, Toyota und Volkswagen. Ein Blick auf die QNX-Architektur zeigt, wie schwierig es wäre, Blackberrys Tochterunternehmen komplett aus dem Ökosystem des In-Car-Infotainments heraus zu halten.

qnx-platform-620x354Die QNX-Architektur im Überblick (Grafik: QNX)

 

Daher kann man sicher sein, dass QNX bestehen bleibt und sogar noch weiter florieren wird. Denn QNX ist sozusagen die neutrale Schweiz, die die Automobilindustrie benötigt, um ihre Gewinnspannen zu erhalten und Dienste mit Mehrwert anzubieten. Die Plattform hilft ihnen außerdem dabei, ihre Systeme an die Nutzererfahrungen anzupassen und verhindert darüber hinaus, dass die Smartphone-Hersteller im Infotainment-Bereich den Ton angeben.

Wenn diese Schweiz-Rolle auch in anderen vertikalen Märkten – etwa im Bereich der Appliances (der Bereich, in dem Android omnipräsent sein will) oder der medizinischen Geräte – etabliert werden kann, dann könnte QNX tatsächlich zu Blackberrys Kronjuwelen zählen.

[Der Beitrag erschien ursprünglich auf ZDNet.com, Übersetzung: Rainer Schneider]

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Neueste Kommentare 

4 Kommentare zu Apple CarPlay basiert auf Blackberry QNX

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  • Am 14. März 2014 um 0:12 von Adam Weishaupt

    Die neuen Blackberry Geräte sind auch Klasse.

    Mit BB 10.2.1 sind die Q10, Z10 und Z30 ganz andere Kaliber als vor einem Jahr!

    Eigentlich sollte man auch die nochmal mit den aktuellen Features von 10.2.1 testen!

    Ich habe ein Z30 und finde es besser als mein altes iPhone5.

  • Am 14. März 2014 um 0:17 von Adam Weishaupt

    …ach so…vergessen beim vorigen Post:

    Das OS BB10 der neuen Blackberry Smartphones basiert auch auf QNX.

  • Am 17. März 2014 um 10:27 von M@tze

    Ich hatte darauf schon am 05.03. hingewiesen (http://www.zdnet.de/88185978/auto-salon-genf-mercedes-benz-zeigt-airplay/), da es mich gewundert hat das so eine bedeutsame Info bei ZDnet bisher unerwähnt blieb: „Ein sehr interessanter (und von den Smartphone Herstellern bisher gerne verschwiegener) Aspekt dabei ist, dass eigentlich gar kein “iOS in the car” existiert. In den Fahrzeugen läuft eine auf QNX (http://www.qnx.com/products/qnxcar) basierende Software, die lediglich die Integration von iOS, Android und BlackBerry 10 App’s erlaubt. Dies wurde bisher in keinem der Berichte auf ZDnet erwähnt, ist aber besonders dahingehend interessant, da QNX zu Blackberry (!!) gehört. Somit startet im Prinzip BlackBerry die Integration von Smartphones in Fahrzeugen. Auch die Systeme von Audi, welche erstmal kein iOS anbieten, basieren auf QNX. So kann auch Mercedes einfach Android Unterstützung anbieten, da im Prinzip “nur” die Apps auf QNX “portiert” werden müssen.“ Auch das neue, rein digitale Armaturenbrett vom neuen Audi TT läuft komplett auf QNX als Basisplattform.

  • Am 17. März 2014 um 10:40 von PeerH

    QNX hat schon vor 15 Jahren (lange vor RIM) Klasse funktioniert. Damals konnte man auf eine 1,44er Demo Floppy ein reduziertes QNX installieren, das eine GUI startete, und diverse grafische Spielereien ermöglichte. Klasse. Da war einiges möglich. Irgendwo habe ich die Diskette vielleicht sogar noch.

    Linux und Windows bedurften zumeist einer Boot CD, die dann aber natürlich auch umfangreicher war.

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