Auf Drängen der USA: Südkorea umgeht Huawei-Netze

Zumindest Regierungskommunikation wird aus Angst vor Spionage um diese herum geroutet. Südkorea verzichtet außerdem auf die Anschaffung von Huawei-Hardware. Das berichtet das Wall Street Journal. Die USA streiten jede Einflussnahme ab.

Südkorea sorgt auf Drängen der USA dafür, dass Regierungskommunikation nicht über Netze geroutet wird, in denen Hardware von Huawei zum Einsatz kommt. Auch hat das Land laut dem Wall Street Journal entschieden, auf den Einsatz von Huawei-Geräten zu verzichten, um den Partner jenseits des Pazifiks zu beruhigen.

Huawei

Offiziell leugnet die US-Regierung, auf Südkoreas Entscheidung Einfluss genommen zu haben. Von Südkoreas Regierung hat die US-Zeitung keinen Kommentar erhalten. Sie vermutet, dass die USA nicht den Eindruck erwecken wollen, sie mischten sich in geschäftliche Belange von Verbündeten ein.

Parallel zur Entscheidung Südkoreas besucht gerade US-Außenminister John Kerry Ostasien. Gestern traf er sich mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi, um über Themen wie Cybersicherheit und das Atomwaffenprogramm Nordkoreas zu sprechen.

Huawei wird regelmäßig Nähe zur chinesischen Regierung und zum Militär nachgesagt. Ein US-Regierungsausschuss hatte im Oktober 2012 US-Netzbetreibern dringend von einem Kauf von Huawei-Hardware abgeraten, um nicht Spionage zu ermöglichen oder zumindest zu vereinfachen. Daher haben bisher nur kleinere Provider wie Leap und Clearwire vereinzelt Geräte von Huawei angekauft. Weltweit zählen allerdings mit Vodafone, Bell Canada und Telekom Malaysia auch große Netzbetreiber zu seinen Kunden.

Eine Untersuchung der Anschuldigungen blieb in den USA allerdings ohne konkretes Ergebnis. Einen interessanten Kommentar steuerte damals der deutsche Sicherheitsforscher Felix Lindner bei: Ihm zufolge sind Huawei-Router so voll von Fehlern, dass es für Spionage gar keine Hintertür braucht. Das konnte er durch Hacks auch belegen. Der chinesische Konzern griff diese Vorlage allerdings clever auf und bat Lindner um Mitarbeit an der Sicherheit seiner Produkte.

In Indien wurde zudem letzte Woche eine Untersuchung gegen Huawei durch eine Parlamentsanfrage öffentlich. Die Behörden in Indien haben den chinesischen Konzern im Verdacht, sich an einem Hackerangriff gegen den staatlichen Netzbetreiber Bharat Sanchar Nigam beteiligt zu haben. Huawei Indien hat eine Erklärung herausgegeben, in der es die Vorwürfe abstreitet. Es halte sich an alle Gesetze und Regularien zum Datenschutz und zur Netzwerksicherheit.

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Themenseiten: China, Huawei, Politik

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Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
Leitender Redakteur ZDNet.de
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3 Kommentare zu Auf Drängen der USA: Südkorea umgeht Huawei-Netze

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  • Am 14. Februar 2014 um 19:44 von Ganz großes Fragezeichen

    Klar warnt hier die USA vor den Huawei-Geräten. Zu recht. Schließlich konnte sie nicht ihre eigene Spionagesoftware einbauen lassen. Und das geht ja nicht das da Router verwendet werden bei denen vieleicht (Großes Fragezeiche) nur die Chinesen mitschneiden können. Also ich besteh drauf das die NSA meine Daten auf ihre Server als Backup sichert.

  • Am 14. Februar 2014 um 22:19 von Judas Ischias

    Das würde ich aber per Einschreiben mit Rückschein beantragen. Die amerikanische Botschaft in Berlin wird sich dann um alle anderen nötigen Dinge kümmern. Vielleicht gibt’s sogar persönlichen Besuch, von Leuten in billigen Anzügen, mit Schlapphut und Sonnenbrillen. Denen kannst Du deine Wünsche dann bestimmt auch nochmal persönlich erläutern.:-))

  • Am 16. Februar 2014 um 1:45 von Ettore Atalan

    Offensichtlich weigert sich Huawei standhaft Spionageschnittstellen für die NSA einzubauen.

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