Kartellüberwachung von Microsoft endet heute

Der Anteil am schwindenden Markt für Desktop-Betriebssysteme liegt unverändert über 90 Prozent. Bei Browsern musste Microsoft in zehn Jahren Überwachung Einbußen hinnehmen. Es bleibt aber unklar, ob dies an der Aufsicht lag.

Microsoft und die Paragrafen

Nach fast zehn Jahren ist die Kartellüberwachung von Microsoft heute zu Ende gegangen. Ihr war wenig Erfolg beschieden, wenn man nach den Zahlen geht. 2002, als das US-Justizministerium die Gefahr eines Microsoft-Monopols als so groß ansah, dass sie dem Konzern mit einer Zerschlagung drohte, hatte der bei Desktop- und Notebook-Betriebssystemen einen Marktanteil von 93,9 Prozent laut den Marktforschern von IDC. Heute sind es 91,1 Prozent.

Das finale Abkommen zwischen Microsoft und Justiz war im November 2002 unterzeichnet worden – nach rund einem Jahr Detailstreitigkeiten. Die Überwachung wurde im Lauf der Jahre mehrfach verlängert, immer unter lautem Protest von Microsoft. Im April 2009 beschlossen die Wettbewerbshüter, bis zum 12. Mai 2011 zu kontrollieren, ob der Softwareanbieter auch wirklich Informationen über Windows-Serverprotokolle an Konkurrenten weiterleitet, damit diese interoperable Serverbetriebssysteme entwickeln können. Der Termin ist ohne weitere Verlängerung abgelaufen.

Die gefundene Regelung galt 2002 als fauler Kompromiss – vor allem bei Microsofts Konkurrenten auf dem Server- und dem Browsermarkt. Der Grund: Die Regierung Clinton hatte das Kartellverfahren angestrengt, aber es verzögerte sich bis nach den nächsten Wahlen. „Als Bush erst einmal die Wahl gewonnen hatte, verlor der Fall an Fahrt“, sagt Rechtsprofessor Herbert Hovenkamp aus Iowa. „Ich glaube nicht, dass die finale Version viel an der Situation geändert hat.“

Microsoft sieht das anders: „Diese Erfahrung hat uns verändert und unser Gefühl der Verantwortung für die Branche geprägt“, sagt Kevin Kutz, Direktor für Öffentlichkeitsarbeit.

Verändert hat sich Microsofts Position zumindest auf dem Browsermarkt. In Europa hat Firefox den Internet Explorer im Januar überholt. Auch international erreicht der Microsoft-Browser angesichts zahlreicher aufstrebender und etablierter Konkurrenten nurmehr um die 55 Prozent.

Und schließlich sieht der PC-Betriebssystem-Anteil von über 90 Prozent zwar auf dem Papier gut aus, doch der Markt für PC-Betriebssysteme wird kleiner. Smartphones und Tablets drohen Desktops und Notebooks in immer mehr Bereichen zu ersetzen. Canalys zufolge hat hier Microsoft aktuell einen Marktanteil von 3,1 Prozent, auch wenn Pyramid prognostiziert, dass Windows Phone Android 2013 überholen wird.

Nach zehn Jahren Kartellüberwachung ist Microsoft definitiv weniger marktbeherrschend. Die jüngste Übernahme von Skype wird daran erst einmal nichts ändern. Zweifel bleiben aber, ob dieser Wandel an der Kartellüberwachung lag.

Themenseiten: Betriebssystem, Browser, Business, Gerichtsurteil, Microsoft

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