Tor-Entwicklerin floh aus Angst vor FBI nach Deutschland

FBI-Agenten forderten ein persönliches Gespräch mit der Entwicklerin. Mit dem Anwalt der Familie wollten sie nicht sprechen und auch keine Gründe nennen. Im Dezember flog sie verängstigt nach Europa. Im April erkundigte sich das FBI nach der korrekten Adresse für eine Vorladung unter Strafandrohung - erneut ohne Gründe.

Eine Tor-Entwicklerin, die den Namen Isis Agora Lovecruft verwendet, hat in einem Interview mit CNNMoney geschildert, wie sie vergangenen Dezember aus Angst vor dem FBI nach Deutschland floh. Zuvor hatte Lovecruft der US-Polizeibehörde gegenüber der britischen IBTimes Belästigung vorgeworfen. Auf GitHub hat Lovecruft ihre Geschichte sogar schon vor zwei Wochen publiziert.

Tor (Bild: Tor Project)Es begann mit einem Besuch von FBI Special Agent Mark Burnett im November 2015 bei Lovecrufts Eltern in Los Angeles, wo er eine Visitenkarte und die Bitte um Rückruf hinterließ, da die Familie im Urlaub weilte. Der Rückruf erfolgte dann durch einen Anwalt der Familie, mit dem Burnett aber nicht sprechen wollte. Der Agent sagte, er ziehe es vor, Lovecruft auf der Straße anzusprechen, wenn er ihr möglicherweise einmal begegne.

Von vornherein hatte Lovecruft wenig Zweifel, dass es um ihre Arbeit im Tor Project ging, das 2015 besonders im Fokus des FBI stand und in dem die Polizei Lücken sucht, um die Anonymität von Tor-Nutzern aufzuheben. Durch die implizite Drohung des FBI traute sie sich kaum noch auf die Straße. Dann beschloss sie, schon länger erwogene Pläne für eine Übersiedlung nach Deutschland zu realisieren.

Zur Tarnung kaufte die Tor-Entwicklerin ein Rückflugticket nach Brüssel, wenn auch ohne die Absicht, den Rückflug zu nutzen. In Deutschland kümmerte sie sich zunächst um die nötige Aufenthaltserlaubnis. Im Januar meldete sich das FBI erneut beim Anwalt der Familie, diesmal von einer Dienststelle in Atlanta aus. Es bat um ein möglichst persönliches Gespräch. Man habe Dokumente vorliegen, zu denen man gerne Lovecrufts Meinung hören würde, hieß die vage Begründung.

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Zwei Tage später meldete sich Special Agent Kelvin Porter aus Atlanta erneut. Das Problem sei behoben, ein Gespräch nicht mehr unbedingt nötig. Doch im April folgte die prompte Kehrtwende. Porter erkundigte sich bei dem Anwalt nach der korrekten Adresse, an die er eine offizielle Vorladung schicken könne. Lovecruft sei nicht das Ziel der Nachforschungen, aber „möglicherweise an einer Sache beteiligt.“

FBI (Bild: FBI)Bis heute ist unklar, was exakt das FBI eigentlich von der Tor-Entwicklern will. Sie und ihr Anwalt räumen ein, dass es sich um ein vollkommen normales und berechtigtes Anliegen handeln könnte. Die Umstände der Ermittlungen und das Vorgehen der Beamten machten dies aber unwahrscheinlich. Isis Agora Lovecruft, was kaum der richtige Name sein dürfte, fühlt sich offenbar äußerst bedrängt. Das Gespräch führte CNNMoney über eine App für verschlüsselte Kommunikation. Die Entwicklerin sagte: „Ich hatte Sorge, dass sie etwas von mir wollten, was unschuldigen Menschen schadet – und mich daran hindern, den Menschen zu erzählen, dass das passiert ist.“ Aus Angst werde sie vorerst in Deutschland bleiben: „Ich weiß nicht, was sie wollen. Ich weiß nicht, was mir passiert, falls ich zurückkomme.“

Dass der Fall erfunden ist, scheint zunehmend unwahrscheinlich. Nicht nur haben Medien mit Lovecruft kommuniziert, auch die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hat sich für sie eingesetzt. Lovecrufts Bericht auf GitHub enthält einen Hinweis, sie habe „Freunde“ bei der EFF.

Im November 2015 hatte das Tor Project dem FBI vorgeworfen, mit der Universität Carnegie Mellon zusammenzuarbeiten, um Tor-Nutzer zu de-anonymisieren. Es kritisierte die Ermittler dafür, die gesetzlichen Regeln der Beweiserhebung durch das Outsourcing von Polizeiarbeit an eine Universität umgangen zu haben. Forschungsarbeit habe als Vorwand gedient, um massenhaft in die Privatsphäre von Menschen einzudringen.

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