Open Source als Basis erfolgreicher Digitalisierung

Der Beitrag von Open Source zu nahezu allen Bereichen, die IT-Experten derzeit übereinstimmend als Zukunftsthema handeln, wird immer noch unterschätzt. Auf der CeBIT kann man sich vom tatsächlichen Ausmaß überzeugen. Zwar steht die Messe unter dem Motto d!conomy für "Digital Economy", aber wie Holger Dyroff von der OSBA im Gastbeitrag für ZDNet darlegt, könnte sie genausogut unter dem Motto o!conomy - für Open Source Economy - stehen.

Big Data, Cloud Computing, Mobile, Social und Security sind die aktuellen Schlagworte in der IT-Industrie, von der CeBIT prägnant unter das Motto d!conomy (Digital Economy) gestellt. Schaut man sich diese Bereiche genauer an, findet man an ihrer Basis eine o!conomy – eine Open Source Economy.

Holger Dyroff, der Autor dieses Gastbeitrags für ZDNet.de, ist stellvertretender Vorsitzender der Open Source Business  Alliance (OSB Alliance).Holger Dyroff, der Autor dieses Gastbeitrags für ZDNet.de, ist stellvertretender Vorsitzender der Open Source Business Alliance (OSB Alliance).

Big Data begründet sich komplett auf Open-Source-Technologien. Die bekannteste davon, Apache Hadoop, wurde ab 2005 zusammen mit Yahoo und inzwischen vielen anderen großen Firmen entwickelt. Mit Cloudera, Hortonworks und Pivotal gibt es mehrere auf diesen Bereich ausgerichtete Open-Source-Firmen, die mit mehreren hundert Mitarbeitern an dieser Basistechnologie arbeiten. Mit MongoDB wurde ab 2009 ein weiteres großes Open-Source-Projekt gestartet, das heute als NoSQL-Datenbank zum Beispiel bei der Deutschen Telekom im großen Stil eingesetzt wird.

Cloud Computing setzt zunächst nahezu überall auf dem Betriebssystem Linux auf. Red Hat und Suse haben, zusammen mit einer Community von Entwicklern und mittlerweile vielen großen IT-Playern, die Grundlage für die moderne Cloud gelegt.

Über 2500 Entwickler arbeiten weltweit an Linux. Voll im Betriebssystem integriert sind auch Virtualisierungstechnologien wie KVM oder XEN, für Orchestrierung und Management wird mittlerweile OpenStack verwendet. Somit basiert die Grundlage des Geschäftes von Amazon, HP Helion oder Rackspace auf Open Source. Selbst auf Microsofts proprietärer Plattform Azure wird mit Docker gerade eine Open-Source-Container-Lösung für die nächste Evolution der Erleichterung des Managements von Applikationen unterstützt.

Mobile wird inzwischen vom Open-Source-Betriebssystem Android dominiert, welches wiederum einen Linux-Kernel besitzt und voll in den Mainstream-Kernel integriert wurde. Mit zusammen weniger als voraussichtlich 30 Prozent Marktanteil an den 2015 verkauften Geräten liegen iOS und Windows Phone weit zurück.

Die OSB Alliance stellt auf der CeBII 2015 in Halle 6 (Stand H16/410) im Open Source Park praktische und rechtliche Informationen zur Verfügung und Lösungen für den IT-Betrieb auf Basis von Open Source Software vor (Grafik: OSBA).Die OSB Alliance stellt auf der CeBIT 2015 in Halle 6 (Stand H16/410) im Open Source Park praktische und rechtliche Informationen zur Verfügung und Lösungen für den IT-Betrieb auf Basis von Open Source Software vor (Grafik: OSBA).

Social wird weltweit von Facebook, Google und anderen „closed garden“ Anbietern dominiert. Doch als Grundlage verwenden auch sie Open-Source-Technologien. Facebook hat über 50 Open-Source-Projekte gelistet. Google und Yahoo stehen ebenfalls für eine Vielzahl von Open-Source-Projekten.

Auch bei Security dient als Grundlage in den meisten Fällen wieder Linux. Wenn es um Firewalls und Router geht, auch einmal BSD. Mit OpenSSL wird der Großteil des Web Traffics weltweit verschlüsselt und Störungen dort sind eine mittlere Internet-Katastrophe, wie sich beim Heartbleed-Fall gezeigt hat. Aber Probleme werden schnell und effizient behoben. Die Selbstheilungskräfte des Marktes und der Open Source Community funktionieren.

Wenn große Unternehmen und der Staat eine vertrauenswürdige IT-Infrastruktur benötigen, dann ist also nichts effizienter als eine konsequente Nutzung von Open-Source-Technologien. In diesem Bereich ist Open Source alternativlos, da nur dadurch eine transparente Überprüfbarkeit aller Sicherheitsvoraussetzungen gegeben ist.

Die Open Source Economy in Zukunft

Diese Beispiele zeigen, wie selbstverständlich und umfassend die großen Player der digitalen Wirtschaft Open Source einsetzen. Die Herausforderung in Deutschland: Nur wenige große deutsche Unternehmen nutzen aktiv den Megatrend Open Source. Dabei gäbe es gerade bei dem Thema Industrie 4.0 alle Möglichkeiten für die exportorientierte deutsche Industrie, mit gemeinsamen Open-Source-Projekten faktische Standards zu setzen, statt lange über Gremien und Patente zu arbeiten.

Einen Anfang könnte zum Beispiel die Telekom- oder die Automobilindustrie machen. Wieviel Entwicklungszeit könnte gespart werden, wenn die Hersteller gemeinsam an den grundlegenden Technologien für das vernetzte Auto arbeiten, statt mit Insellösungen nur einen Teil der Herausforderungen zu bearbeiten. Manchmal werden anfangs mehrere Projekte entwickelt die denselben Bereich abdecken, aber üblicherweise kommt es früher oder später zur Zusammenarbeit und Konzentration auf zwei bis drei Projekte, die dann im Wettbewerb weiterentwickelt werden.

Für staatliche Organisationen ist eine Investition und Förderung von Open-Source-IT-Infrastruktur alternativlos, wenn man die Vertrauenswürdigkeit derselben ernst meint und der Bevölkerung gegenüber transparent auftreten will. Offenheit, nicht Geheimnistuerei ist hier gefragt. Open Source in der Infrastruktur funktioniert sehr gut und muss konsequent weitergeführt werden, große Konzerne machen es vor. Es ist an der Zeit, dass sich die deutsche Industrie daran ein gutes Beispiel nimmt.

AUTOR

Holger Dyroff

Holger Dyroff ist stellvertretender Vorsitzender der 2011 gegründeten Open Source Business Alliance. Die OSB Alliance ist Europas größtes Netzwerk von Unternehmen und Organisationen, die Open Source Software entwickeln, darauf aufbauen oder sie anwenden.

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1 Kommentar zu Open Source als Basis erfolgreicher Digitalisierung

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  • Am 13. März 2015 um 9:04 von Josef Willkommer

    Dem Artikel ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Als Webtechnologie-Dienstleister setzten wir seit vielen Jahren ausschließlich auf Open Source und sind davon überzeugt, dass dies der einzig sinnvolle Ansatz in Zukunft sein wird.

    Wir leben das Thema Open Source auch vollumfänglich. Daher entwickeln wir seit rund zwei Jahren eine extrem leistungsfähige und zukunftsorientierte Infrastrukturlösung für PHP, die führende Programmiersprache im Web. Hierbei handelt es sich um einen sog. Applicationserver – vergleichbar mit ähnlichen Produkten aus der Java-Welt – mit dem wir PHP auf ein neues Level heben möchten. Die Software ist komplett in PHP geschrieben, wodurch jeder PHP-Entwickler selbst Anpassungen, Optimierungen oder Weiterentwicklungen vornehmen kann. Version 1.0.0 unseres appserver.io genannten Projektes ist seit mitte Februar als Stable-Release und open source verfügbar. Erste Feedback zeigen, dass wir damit auf dem absolut richtigen Weg sind. Unser Projekt wurden inzwischen auch teils recht begeistert von der Fachpresse aufgenommen.

    Wir würden uns hier über reges Feedback – egal ob positiv oder negativ – sowie Verbesserungsvorschläge sehr freuen. Für Fragen haben wir zudem einen Support-Chat eingereichtet: https://gitter.im/appserver-io/appserver

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