Debian Linux entscheidet Streit um neues Init-System

Das inzwischen dritte Votum des technischen Komitees hat Systemd zum Sieger gekürt. Die Alternative wäre Canonicals Upstart gewesen. Das Problem: Systemd nutzt Linux-spezifische Funktionen und kann nicht für Debian-BSD eingesetzt werden.

Nach drei Monate währenden intensiven Diskussionen auch innerhalb des technischen Komitees hat sich die Entwicklergemeinschaft der Linuxdistribution Debian offenbar auf ein neues Initialisierungssystem festgelegt. Es ist Systemd, ein modernes Init-System, das viele Distributionen standardmäßig verwenden.

Debian

Infrage wäre außerdem Canonicals Upstart gekommen, das sich in Ubuntu findet. Debian hätte auch beim aktuell genutzten Sysvinit bleiben können, dessen Wurzeln bis in die Achtzigerjahre zurückreichen, oder auf das ähnliche Openrc wechseln, das etwa Gentoo unterstützt.

Im Oktober 2013 war das Komitee mit der Entscheidungsfindung beauftragt worden. Seine Aufgabe besteht darin, in technischen Streitfragen eine Lösung zu finden, in diesem Fall fiel ihm die Kompromissfindung jedoch offenbar schwer: Die am Wochenende erfolgte Abstimmung zum Thema war bereits die dritte. Angeregt hatte sie der Komiteevorsitzende Bdale Garbee. Das Ergebnis war mit je vier Stimmen für Systemd und Upstart zunächst ein Unentschieden, in diesem Fall zählt jedoch die Stimme des Vorsitzenden doppelt – und der hatte für Systemd votiert.

Die Frage ist für Debian deswegen so problematisch, weil es nicht nur eine Distribution mit einem Linux-Kernel, sondern auch solche mit GNU-Hurd- und BSD-Kernel erstellt. Der jetzige Sieger Systemd nutzt aber Funktionen, die es nur in Linux gibt – etwa Cgroups. Unklar bleibt daher, welches Init-System nicht auf Linux basierende Debian-Distributionen einsetzen werden.

Im Streit um die Frage des Init-Systems hatte Komiteemitglied Ian Jackson unter anderem die Absetzung des Vorsitzenden Garbee gefordert. Er musste jedoch feststellen, dass die Regeln keine Abstimmung über den Vorsitzenden vorsehen, außer der Posten ist vakant. Daher forderte er mehrfach zu einem Misstrauensvotum auf, bevor er sich für eine kurze Auszeit aus dem Komitee verabschiedete.

Ein Releasedatum für den nächsten Debian-Release Jessie steht noch nicht fest. Seit 2005 versucht das Projekt aber, alle zwei Jahre eine neue Version einzuführen, was die erste Hälfte 2015 zum wahrscheinlichsten Termin macht. Der letzte Stable Release Wheezy (Debian 7.0) war im Mai 2013 erschienen.

[mit Material von Chris Duckett, ZDNet.com]

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Themenseiten: Debian, Linux, Open Source, Ubuntu

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