Nasdaq räumt weitere Fehler bei Facebook-Börsengang ein

CEO Robert Greifeld wirft seinen Mitarbeitern "Arroganz" vor. Von der Börse vor dem IPO durchgeführte Tests waren demnach unzureichend. Dafür macht er fehlende geschäftliche Entscheidungen und das Technik-Team verantwortlich.

Die US-Technologiebörse Nasdaq war nach Aussagen ihres CEO Robert Greifeld nicht ausreichend auf Facebooks Börsengang vorbereitet. Bei einer Rede auf einer Konferenz der Stanford University warf er Mitarbeitern seines Unternehmens „Arroganz“ und „Vermessenheit“ vor, berichtet das Wall Street Journal. Sie hätten so zu den Problemen beim IPO des Social Network am 18. Mai beigetragen.

Die Nasdaq war nach Einschätzung ihres CEO nicht ausreichend auf Facebooks IPO vorbereitet (Bild: Sarah Tew / News.com).
Die Nasdaq war nach Einschätzung ihres CEO nicht ausreichend auf Facebooks Börsengang vorbereitet (Bild: Sarah Tew / News.com).

Die Nasdaq habe in Vorbereitung auf den Börsengangeine starke Zunahme der Aufträge in ihrem Handelssystem simuliert. Man sei aber nicht auf die große Zahl von Stornierungen kurz vor Handelsbeginn vorbereitet gewesen. „Die Tests berücksichtigten nicht den tatsächlichen Anstieg der Annullierungen“, sagte Greifeld. Führungskräfte der Nasdaq hätten sich zu sehr auf die Versprechen der Techniker verlassen. „Es gab zu wenige Gegenkontrollen. Wir hatten nicht genug geschäftliche Entscheidungen in dem Prozess.“

Greifeld selbst war offenbar über die Probleme bei Facebooks IPO zuerst nicht vollständig informiert. Zu Handelsbeginn befand er sich in Silicon Valley auf einer Startveranstaltung. Nach der Verschiebung des IPO um 30 Minuten habe er gedacht, alle Fehler seien behoben, sagt er jetzt. Zu dem Zeitpunkt, als die Nasdaq immer mehr Beschwerden von Investoren und Händlern sowie eine Welle von Stornierungen erhielt, habe er sich im Flugzeug auf dem Rückweg nach New York befunden – ohne Mobilfunk- und Internetverbindung, wie es in einem früheren Bericht des Wall Street Journal heißt.

Schon Ende Mai hatte die Nasdaq erklärt, sie hätte Facebooks IPO verschoben, wäre ihr das Ausmaß der möglichen Probleme bekannt gewesen. Die Börse hätte den Börsengang keineswegs angesetzt, wären die Störungen absehbar gewesen, versicherte Eric Noll, der bei der Nasdaq für Transaktionsdienste verantwortlich ist. „Rückblickend falsch“ nannte er die Entscheidung, nach der 30-minütigen Verzögerung mit dem Börsengang fortzufahren.

Auch Facebook gibt der Technologiebörse eine Mitschuld an den Kursverlusten. Schon kurz nach Handelsbeginn am 18. Mai war der Preis der Facebook-Aktie von 42,05 Dollar auf den Ausgabepreis von 38 Dollar gefallen. In den folgenden Tagen und Wochen verlor das Papier bis zu 30 Prozent seines Werts, was schließlich zu mehreren Klagen von Anlegern führte.

Seitdem hat sich der Kurs jedoch wieder leicht erholt. Gestern lag er bei Börsenschluss bei 32,15 Dollar, was aber immer noch einem Minus von 15 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis entspricht.

[mit Material von Steven Musil, News.com]

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