Google warnt chinesische Nutzer vor zensierten Suchbegriffen

Nutzer vom chinesischen Festland erhalten Hinweise auf häufig zensierte Suchbegriffe. Sie können so Verbindungsunterbrechungen vermeiden. Seit 2010 bedient Google chinesische Surfer mit unzensierter Suche aus Hongkong.

Mit Hinweisen auf häufig zensierte Begriffe versucht Google Nutzern zu helfen, seine Suchmaschine auch auf dem chinesischen Festland ohne große Einschränkungen zu verwenden. Die Google-Suche hatte sich in den letzten Jahren oft als beschwerlich erwiesen, da die Zensoren zahlreiche Begriffe blockieren und die Verbindung unterbrechen. Die Nutzer bekommen nur Fehlermeldungen wie „Diese Webseite ist nicht verfügbar“ oder „Die Verbindung wurde zurückgesetzt“ zu sehen.

Google weist auf Suchbegriffe hin, die zu zensurbedingten Unterbrechungen führen können (Screenshot: ZDNet.de).
Google weist auf Suchbegriffe hin, die zu zensurbedingten Unterbrechungen führen können (Screenshot: ZDNet.de).

Seit 2010 verweigert sich Google der von China verlangten Selbstzensur und leitet chinesische Surfer auf seine unzensierte Suche in Hongkong (google.com.hk) um. Hongkong ist zwar nach Bevölkerungszahl eine der größten Metropolregionen der Volksrepublik China, gilt aber als Sonderverwaltungszone, die als frühere britische Kolonie besondere Freiheiten genießt, zu denen auch die Freiheit von der auf Chinas Festland geübten Internetzensur gehört. Auf diese List reagierte China mit einer Zensur, die sich meist nicht als solche zu erkennen gibt, aber die Nutzung der Suchmaschine deutlich erschwert.

Wie Google in einem Video zeigt, ist die Suchmaschine nach vielen Eingaben für jeweils rund eineinhalb Minuten überhaupt nicht mehr erreichbar, auch wenn anschließend andere Begriffe eingegeben werden. Die Blockade erfolgt oft auch bei völlig unverfänglichen Anfragen. Während „Gelber Fluss“ keine Probleme bereitet, blockieren die Zensoren beispielsweise die Suche nach dem Jangtsekiang, dem längsten Fluss Chinas. Der Grund dafür ist darin zu vermuten, dass in diesem Begriff auch teilweise der Name des früheren chinesischen Präsidenten Jiang Zemin enthalten ist. Nach falschen Gerüchten über seinen Tod wurde die Websuche nach ihm häufig zensiert.

Mit den eigenen Systemen hätten die lästigen Unterbrechungen nichts zu tun, beteuert Google in einem Blogeintrag. Eine ausführliche Überprüfung habe das bewiesen. Nach eingehender Beschäftigung mit Nutzererfahrungen sei jedoch aufgefallen, dass „diese Unterbrechungen in einem engen Zusammenhang mit einer bestimmten Teilmenge von Suchbegriffen stehen“.

Ab sofort informiert Google daher chinesische Nutzer, wenn sie ein Stichwort eingeben, das die beschriebenen Verbindungsprobleme verursachen könnte: „Wir haben bemerkt, dass die Suche nach [Suchbegriff] in Festlandchina zu einer vorübergehenden Unterbrechung Ihrer Verbindung zu Google führen kann. Diese Unterbrechung liegt nicht im Einflussbereich von Google.“

Die Nutzer erhalten die Empfehlung, ihre Suchanfrage zu verändern und damit den zensurbedingten Erschwernissen auszuweichen. Sie können die hervorgehobenen Suchbegriffe austauschen, bevor sie die Suche fortsetzen. Entscheiden sie sich für eine Bearbeitung, werden die problematischen Suchbegriffe automatisch entfernt.

Um die problematischen Stichworte herauszufinden, hat ein Entwicklerteam in den USA die 350.000 beliebtesten Suchanfragen in China untersucht. Weder im Blogeintrag noch in seinen Meldungen weist Google explizit auf die chinesische Zensur hin. Obwohl es ein offensichtliches Katz-und-Maus-Spiel mit den Zensoren ist, bleibt es diplomatisch zurückhaltend gegenüber der chinesischen Regierung wie seinen Nutzern: „Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten, auch wenn die Unterbrechungen außerhalb unserer Kontrolle liegen und nichts mit unserer Technologie zu tun haben.“

[mit Material von Daniel Terdiman, News.com]

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