Ex-FIA-Boss Max Mosley verklagt Google wegen Suchbegriff „Nazi-Orgie“

Google soll Links auf ein Video und Bildmaterial aus seinen Suchergebnissen entfernen. Mosley war 2008 wegen einer Sado-Maso-Party in die Schlagzeilen geraten. Gegen die Zeitung, die das Video veröffentlicht hatte, hat Mosley vor Gericht gewonnen.

Max Mosley, ehemaliger Präsident des Welt-Automobilverbands FIA, hat in Deutschland und Frankreich Klage gegen Google eingereicht. Er will den Suchanbieter so dazu bewegen, seine Ergebnisse zu zensieren. Sucht man hierzulande nämlich nach dem Begriff „Nazi-Orgie“, taucht aktuell in allen zehn Ergebnissen auf der ersten Seite Mosleys Name auf.

Google Logo

Die mittlerweile geschlossene Nachrichten-Site News of the World (NotW) hatte 2008 einen Artikel veröffentlicht, in dem es um eine Sado-Maso-Party von Mosley mit Prostituierten ging. Auch ein Video war beigefügt. Weil Uniformen, gestreifte Häftlingskleidung und deutsche Befehle vorgekommen seien, habe das Boulevardblatt geschlossen, dass es sich um „Nazi-Sex“ gehandelt habe, wie damals die Süddeutsche Zeitung berichtete.

Mosley machte die Klagen gegen Google im Zuge einer Aussage gegenüber der Leveson Inquiry öffentlich, einer Kommission, die die Rolle von Presse und Polizei im Hackingskandal um News International untersucht. „Wir haben Verfahren in Deutschland und Frankreich eingeleitet, wo die Rechtsprechung günstig ist“, sagte Mosley. Gemeinsam mit seinen Anwälten überlege er, auch in Kalifornien Klage einzureichen.

Gegen NotW war Mosley wegen Verletzung seiner Privatsphäre vorgegangen – und gewann vor Gericht. Dennoch kursierten nach wie vor sowohl Videos als auch Standbilder im Netz, erklärte der Ex-FIA-Boss gegenüber der Untersuchungskommission. Seine Anwälte hätten die Bilder schon von Hunderten Sites in 22 oder 23 Ländern entfernen lassen. „Ich versuche alles zu tun, was ich kann, um das Material aus dem Netz zu entfernen. Es ist nicht einfach, es dauert, und es ist kostspielig.“

Bei seinen Verhandlungen mit Google habe er besondere Probleme, sagte Mosley. Es sei aber der Schlüssel, das Video zu entfernen. „Wenn jemand Suchmaschinen davon abhält, das Material anzuzeigen, würden die Sites keinen Unterschied mehr machen, weil niemand sie mehr fände.“

In einer schriftlichen Zeugenaussage (PDF) von Mosley heißt es: „Aus Gründen, die nur ihm selbst bekannt sind, hat NotW für die Bilder und das Video zu dem Artikel keine Kopierschutzoftware eingesetzt.“ Das bedeute, das jeder das Material problemlos kopieren und auf seine Site packen konnte. „Als Resultat verbreiteten sich die Bilder wie ein Lauffeuer überall im Netz, wovon NotW ausgegangen sein muss.“

Nach eigenen Angaben hat Mosley bisher 500.000 Pfund darauf verwendet, die Bilder und Videos löschen zu lassen. „Im Grunde ist es so, dass Google das Auftauchen in den Suchergebnissen verhindern könnte. Das macht oder will es aber nicht, aus Prinzip.“

In einer Stellungnahme seitens des Suchanbieters heißt es: „Googles Suchergebnisse reflektieren die Informationen, die auf Milliarden von Webseiten im Internet verfügbar sind. Wir können nicht kontrollieren, was andere online stellen, aber wenn wir per richterlicher Anordnung informiert werden, dass eine spezifische Seite illegal ist, entfernen wir sie schnellstmöglich aus unseren Suchergebnissen.“

Themenseiten: Gerichtsurteil, Google, Internet, Privacy, Suchmaschine

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