Fehlende Akzeptanz: Google stellt Wave ein

Einzelne Technologien des Kommunikations- und Kollaborationsdienstes sollen nach Unternehmensangaben in anderen Projekten Verwendung finden. Die Website will der Hersteller noch bis zum Jahresende fortführen.

Google stellt die Entwicklung von Wave ein. Das hat das Unternehmen in seinem Firmenblog angekündigt. Der Dienst ermöglicht eine Zusammenarbeit in Echtzeit und vereint verschiedene Formen der Online-Kommunikation.

„Wir haben nicht die Akzeptanz bei Nutzern gesehen, die wir uns erwünscht hatten“, schreibt Senior Vice President Urs Hölzle. „Wir werden Wave als Standalone-Produkt nicht mehr weiterentwickeln.“ Die Wave-Website werde mindestens bis zum Jahresende zur Verfügung stehen. Außerdem sei geplant, die Technologien von Wave für andere Google-Projekte zu verwenden.

Google hatte Wave im Juni 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt. Von Anfang an gab es Diskussionen darüber, wofür das Tool eingesetzt werden soll. Auch die Entwickler des Produkts schienen sich darüber nicht im Klaren zu sein. „Man braucht ein wenig, um sich daran zu gewöhnen“, sagte damals Lars Rasmussen, Software Engineering Manager von Wave. „Wir lernen immer noch, wie wir es verwenden können.“

Das Interesse am Kommunikations- und Kollaborationsdienst Wave hat nach einer Anfangseuphorie nie recht abgehoben (Bild: Google).
Das Interesse am Kommunikations- und Kollaborationsdienst Wave hat nach einer kurzen Anfangseuphorie nie recht abgehoben (Bild: Google).

Google Wave ist eine Mischung aus E-Mail, Instant Messaging, Foto-Sharing und sozialen Netzwerken. Eine sogenannte „Welle“ besteht zu gleichen Teilen aus Kommunikation und Dokumenten wie formatierten Texten, Fotos, Videos, Karten, Gadgets oder Internet-Feeds. Per Texteditor können mehrere Nutzer gleichzeitig eine Welle in Echtzeit bearbeiten, wobei jeder sieht, welche Änderungen aktuell vorgenommen werden. Eine Protokollfunktion zeigt auf Wunsch an, wie sich die Inhalte im Lauf der Konversation verändert haben.

Die meiste Zeit stand Wave nur als Beta und nach persönlicher Einladung zur Verfügung, anfänglich für rund 6000 Entwickler, später für 100.000 Tester. Erst im Mai öffnete Google den Dienst für jedermann.

Ein Grund für den mangelnden Erfolg von Wave ist möglicherweise Google Buzz. Der Dienst integriert sich direkt in Google Mail und konnte daher mit einer größeren Basis von Anwendern starten. Buzz bietet ebenfalls die Möglichkeit, Bilder, Links und Nachrichten auszutauschen.

Anfang 2009 hatte Google eine Produktbereinigung durchgeführt und die Dienste Dodgeball, Jaiku, Notebook und Google Video geschlossen. Zuvor traf es Lively, den 2008 gekauften 3D-Chat-Service, der sich zu einem Konkurrenten von Second Life entwickeln sollte. Andere eingestellte Produkte sind Hello, das zusammen mit Picasa übernommen wurde, und Google Answers.

Das Ende von Wave ist möglicherweise ein Zeichen dafür, dass Google seine Bemühungen im Bereich sozialer Dienste auf populärere Angebote wie Google Apps, Buzz und Spiele konzentriert. Zudem hat Google kürzlich 100 Millionen Dollar in den FarmVille-Anbieter Zynga gesteckt und angeblich den Photo-Sharing-Dienst Slide für 182 Millionen Dollar übernommen. Beide Investitionen weisen ebenfalls in diese Richtung.

Themenseiten: Google, Internet, Kommunikation, Networking, Soziale Netze

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