SEC-Klageschrift gibt Einsicht in Geschäfte zwischen Intel und Dell

Dell hat nach Angaben der amerikanischen Börsenaufsicht seine Bilanzen mit Intel-Geld den Analysten-Erwartungen angepasst. Diese Zahlungen wurden öffentlich nie erwähnt. Intel und Dell wollen den Bericht weder bestätigen noch bestreiten.

Logo von Dell

Die jetzt beigelegte Klage der US Securities and Exchange Commission (SEC), der amerikanischen Börsenaufsicht, offenbart Details der Geschäftsbeziehungen zwischen Intel und Dell. Danach habe Dell von Intel über Jahre Geld und Vergünstigungen in Milliardenhöhe bekommen, unter der Bedingung, dass das Unternehmen keine Systeme mit Prozessoren des Konkurrenten AMD auslieferte.

Laut SEC hat Dell als Grund für seine Gewinnspannen „fallende Komponentenpreise“ genannt. Das sei „in erheblichem Maße falsch dargestellt“ gewesen. Das Unternehmen habe die Gewinnspannen der Zahlungen von Intel verdankt.

Die SEC schreibt, dass Intel „spätestens seit 2001“ zusätzliche Rabatte an Dell und andere PC-Hersteller vergeben habe, die nicht Teil eines vertraglich vereinbarten Marketingprogramms waren und sich auch dem Charakter nach von normalen Preisabschlägen unterschieden. Niemand habe diese Zahlungen öffentlich bekannt gegeben.

Der Anteil der Intel-Zahlungen an Dells operativem Gewinn habe sich zwischen dem dritten Quartal 2003 und dem dritten Quartal 2007 dramatisch erhöht. Diese Erhöhung hänge mit der Einführung des AMD-Opteron-Prozessors zusammen, der von vielen für besser als der konkurrierende Intel-Prozessor gehalten worden sei.

Die Intel-Zahlungen hätten bei Dell oft dazu gedient, Differenzen zwischen den von Analysten vorhergesagten und den tatsächlichen Geschäftsergebnissen auszugleichen. Die SEC schreibt: „Dell war mit Intel ganz offen bezüglich der Gründe, aus denen man um zusätzliches Geld bat. Intel-Notizen vom September 2003 von Intels Chefunterhändler mit Dell sagen, dass Dell um eine einmalige Vorauszahlung von 40 Millionen Dollar gebeten habe, ‚um das Quartal zu retten‘. Außerdem bezieht sich die Notiz auf die ‚Klemme‘, in der Dell in diesem Quartal stecke.“

Die Vorauszahlung habe 4,4 Prozent des operativen Gewinns in diesem Zeitraum betragen und den Gewinn pro Anteil um einen Cent aufgestockt. Danach habe Dell die gemeinsame Voraussage der Analysten von 26 US-Cent pro Anteil genau erfüllt.

Die SEC berichtet auch von einem weiteren Fall: „Anfang März 2004 hat Dells damaliger Chief Accounting Officer (CAO) Firmengründer Michael Dell, den Chief Executive Officer (CEO) Kevin Rollins und Chief Financial Officer (CFO) Jim Schneider informiert, dass man hinter den Voraussagen zurückbleibe. Dell könne aber die allgemein anerkannte Zahl von 28 Cent Gewinn pro Anteil erreichen, ‚wenn wir 75 Millionen Dollar von Intel bekommen‘.“

Schließlich habe Intel Dell eine einmalige Sonderzahlung von 70 Millionen Dollar gewährt, mit der man die Vorhersagen der Analysten erfüllt habe.

Am 18. Mai 2006 gab Dell nach Angaben der SEC bekannt, dass man Ende des Jahres AMD-Prozessoren in das Angebot aufnehmen werde. „Als Reaktion kürzte Intel seine MCP-Zahlungen (Meet Competition Program) um über eine Viertelmilliarde Dollar.“

Dell hat sich inzwischen mit der SEC auf eine Zahlung von 100 Millionen Dollar geeinigt, um die Klage abzuwenden. Die Details des Berichts hat das Unternehmen weder bestätigt noch abgestritten. Das Unternehmen Intel, das nicht zu den Beteiligten des Verfahrens gehörte, erklärte dazu: „Wir haben mit der SEC in diesem Fall zusammengearbeitet. Alle Beschreibungen von Intels Geschäftsbeziehungen mit Dell wurden nie von einem Gericht überprüft oder beurteilt. Es handelt sich ausschließlich um eine Einigung zwischen Dell und der Federal Trade Commission (FTC)“.

Themenseiten: Business, Compliance, Dell, Gerichtsurteil, Intel, Prozessoren

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