Private Browsing unter der Lupe: Ist es wirklich sicher?

Nahezu alle aktuellen Browser bieten einen Private Mode an. Sie halten damit allerdings nicht, was sie versprechen. ZDNet zeigt, dass sogar die Kombination mit Tor keine Anonymität bietet und wie man sich dennoch schützen kann.

Nahezu alle aktuellen Browser bieten einen „Private Mode“, mit dem das Surfen im Web sicherer werden soll. Er dient in erster Linie dazu, dass auf dem eigenen Computer nicht mehr nachvollzogen werden kann, welche Webseiten besucht wurden und welche persönlichen Daten unter Umständen eingegeben wurden, etwa bei einer Bestellung in einem Online-Shop.

Ebenso soll es für Websitebetreiber schwieriger werden, das Surfverhalten eines Nutzers zu analysieren. Dubiose Add-Ons werden deaktiviert. Eingebette Werbung soll nicht mehr dazu führen, dass der Anzeigenkunde wertvolle Informationen über den Anwender ausspioniert.

Im Normalfall sind bestimmte Browserfeatures praktisch: Hat man vor einigen Tagen eine interessante Information gefunden, aber darauf keinen Bookmark gelegt, dann hilft die History-Funktion, diese Information wiederzufinden. Angaben, die man immer wieder machen muss, beispielsweise Name und Adresse, merkt sich der Browser. Beim nächsten Besuch im Online-Shop reicht es aus, in den entsprechenden Feldern den ersten Buchstaben einzutippen, um die Daten dem Cache des Browser wieder zu entlocken. Jeder Benutzer kann sie sehen.

Auf diese Features verzichtet der Private Mode der modernen Browser. Alle Angaben müssen zwar bei jedem Besuch einer Website neu gemacht werden, jedoch können andere Benutzer wie Familienmitglieder nicht mehr sehen, welche Seiten der Vorbenutzer angesurft hat. Im Internetcafé stellt man mit dem Private Mode sicher, dass Nachbenutzer sich keinen Zugang zum E-Mail-Account verschaffen, das man soeben per Webmail abgefragt hat. Dieses Versprechen erfüllt der Private Mode.

Was die Anonymität gegenüber Websitebetreibern angeht, so bieten alle Browser derzeit nicht besonders viel Schutz. Er beschränkt sich fast ausschließlich auf das Deaktivieren von Cookies. Anders als Firefox 3.5 bietet der Internet Explorer 8 sogar die Möglichkeit, Add-ons zu deaktivieren. Diverse Toolbars und andere Zusatzprogramme nutzt der Internet Explorer im „InPrivate-Modus“ nicht, wie der Private Mode bei Microsoft heißt, siehe Bild 8.

Doch auch der Internet Explorer macht Ausnahmen. Standard-Erweiterungen wie Adobe Flash, Java oder Microsoft Silverlight verrichten auch im InPrivate-Modus ihren Dienst. Die genannten Erweiterungen genießen zwar nicht grundsätzlich einen schlechten Ruf wie viele dubiose Toolbars oder gar Malware, die sich als Add-on in einen Browser klinkt, jedoch handelt es sich um Laufzeitumgebungen. Die Programme für Java, Flash und Silverlight kommen von der Website, die man ansurft. Obwohl die Laufzeitumgebungen mittlerweile von jedem modernen Browser in eine Sandbox verbannt werden, können sie eine ganze Menge Informationen „nach Hause telefonieren“. Dazu gehört immer auch die IP-Adresse des Nutzers.

Themenseiten: Big Data, Browser, Datenschutz, Privacy, Security-Praxis

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