Schwere Sicherheitslücken in HTTP/2 entdeckt

Imperva weist auf der Black Hat USA auf vier Angriffsvektoren hin. Teilweise handelt es sich um alte Bekannte wie Slow Read oder als "Speicherbomben" fungierende unscheinbare ZIP-Pakete. Kriminelle könnten damit Webserver zum Absturz bringen.

Sicherheitsforscher von Imperva weisen auf eine Reihe schwerwiegender Anfälligkeiten in HTTP/2 (oder HTTP 2.0) hin, dem Nachfolger von HTTP/1.1. Ihre Befunde (PDF) stellten sie auf der Konferenz Black Hat USA vor.

HTTP/2 ist die jüngste Version des Hypertext Transfer Protocol. Es wurde im Mai 2015 verabschiedet und kommt seither immer häufiger zum Einsatz. Laut W3Techs setzen es derzeit 8,7 Prozent aller Websites ein – das sind rund 8,7 Millionen.

HTTP-Sicherheit (Bild: Imperva)Ein Slow Read genannter Angriff kann durch einen bösartigen Client erfolgen, der Antworten bewusst sehr langsam empfängt – genau wie beim Slowloris-DDoS-Angriff, mit dem 2010 Finanzinstitute attackiert wurden. Slow-Read-Angriffe sind im HTTP-Ökosystem eigentlich bekannt, dennoch ist auch die jüngste Version auf diese Weise angreifbar. Dazu müssen HTTP/2-Implementierungen aber auf der Applikationsschicht attackiert werden. Varianten dieser Schwachstelle wurden in den Webservern Apache, IIS, Jetty, NGINX und nghttp2 gefunden.

Den zweiten Angriffstyp nennen die Forscher HPACK Bomb. Er ähnelt nach ihren Angaben einer „ZIP-Bombe“, also einer bösartigen Archivdatei, die das auslesende Programm oder System zum Absturz bringen soll, während zugleich häufig Antivirensoftware ausgeschaltet wird. Dabei werden aus kleinen, unverdächtig wirkenden Dateien beim Entpacken mehrere Gigabyte umfassende Datenmengen. Ihre Bewältigung erfordert oft alle Serverressourcen, und manchmal reichen auch sie nicht aus.

Als drittes Verfahren wurden „Dependence Cycle“-Angriffe genannt: HTTP/2 hat einen neuen Flow-Control-Mechanismus eingeführt, um Netzwerke zu optimieren. Er lässt sich für eine Attacke missbrauchen, indem ein Angreifer einen Kreislauf an Abhängigkeiten („Dependency Cycle“) schafft, also einen unendlichen Kreislauf, dem die Flusskontrolle nicht mehr entkommt.

Der vierte Angriffsvektor sind Stream-Multiplexing-Funktionen, die sich missbrauchen lassen, wenn ihre Implementierung auf dem Server Lücken aufweist. So können Angreifer Server zum Absturz bringen, der dann für legitime Nutzer nicht mehr erreichbar ist.

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Von den Mainframes der 1960er-Jahre bis zur gegenwärtigen cloud-orientierten Entwicklung haben sich Rechenzentren enorm gewandelt. Als Anwendungen missionskritisch wurden und Desktop-Server in professionelle Rechenzentren umgezogen wurden, nahm die Anzahl physischer Server in den Rechenzentren exponentiell zu.

Für das Sicherheitsunternehmen Imperva kommentierte Gründer und CTO Amichai Shulman: „Die allgemeinen Web-Leistungsverbesserungen für Mobilanwendungen, die HTTP/2 eingeführt hat, sind ein potenzieller Gewinn für Internetnutzer. Entlässt man aber eine große Menge Code in kurzer Zeit in die freie Wildbahn, stellt das eine günstige Gelegenheit für Angreifer dar.“

Shulman kritisiert auch die große Zahl verbliebener Schwachstellen des Vorgängers: „Es ist verstörend, bekannte HTTP-1.x-Lücken in HTTP/2 vorzufinden, aber kaum überraschend. Wie bei jeder neuen Technik müssen Unternehmen auch diese vor der Einführung gründlich prüfen und Sicherheitsvorkehrungen implementieren, um die erweitere Angriffsfläche zu härten und kritische Geschäftsfunktionen sowie Kundendaten vor den sich weiterentwickelnden Cyberbedrohungen zu schützen.“

In anderen Sessions auf Black Hat USA wurden profanere und direktere Angriffsverfahren vorgestellt. Forscher Weston Hacker von Rapid7 zeigte ein aus Komponenten für 6 Dollar bestehendes handliches Werkzeug, mit dem sich Schlüsselkartensysteme in Hotels aushebeln lassen.

[mit Material von Charlie Osborne, ZDNet.com]

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