US-Geheimdienstchef will Internet der Dinge für Überwachung nutzen

Auf Anfrage teilt James Clapper dem US-Senat mit: "In Zukunft könnten Geheimdienste das [Internet der Dinge] für Identifikation, Überwachung, Beobachtung, Standortverfolgung und Zielauswahl für die Rekrutierung nutzen, oder um Zugriff auf Netze und Anwender-Zugangsdaten zu erhalten."

Der in der US-Regierung für die Geheimdienste Verantwortliche, James Clapper, hat erstmals die Möglichkeit einer Überwachung via mit dem Internet verbundene Haushaltsgeräte eingeräumt – das so genannte Internet der Dinge. Der britische Guardian weist auf seine Aussage hin, die sich in einer Einschätzung zu Bedrohungen für den US-Senat befindet.

„In Zukunft könnten Geheimdienste das [Internet der Dinge] für Identifikation, Überwachung, Beobachtung, Standortverfolgung und Zielauswahl für die Rekrutierung nutzen, oder um Zugriff auf Netze und Anwender-Zugangsdaten zu erhalten“, formuliert Clapper dort. Er nannte keinen speziellen Geheimdienst und klärte auch nicht auf, inwieweit die nötigen Programme bereits entwickelt werden oder gar im Einsatz sind.

Barack Obama schlug James Clapper 2010 als Geheimdienstverantwortlichen vor (Bild: Whitehouse.gov, gemeinfrei)Barack Obama schlug James Clapper 2010 als Geheimdienstverantwortlichen vor (Bild: Whitehouse.gov, gemeinfrei).

Vor einem Monat hatte NSA-Direktor Michael Rogers übers Internet der Dinge gesagt, es sei an der Zeit, solche Geräte besser abzusichern. Über Angriffe durch den von ihm geleiteten Auslandsgeheimdienst erteilte er keine Auskünfte. Zur gleichen Frage nahm parallel ein Expertengremium in einer Studie für die Eliteuniversität Harvard Stellung, in dem es schrieb, die neuen Überwachungsmöglichkeiten machten die zunehmende Verbreitung von Verschlüsselung mehr als wett.

Sicherheitsexperten warnen seit Jahren vor einer Bedrohung der Privatsphäre durch mit dem Internet verbundene Geräte, vom Spielzeug über die Waschmaschine bis zum Auto: Der Absicherung und Authentifizierung kommt oft nicht die eigentlich wünschenswerte Sorgfalt zu. Bekanntermaßen anfällige Geräte lassen sich über spezielle Suchmaschinen wie Censys und Shodan ermitteln.

Dass auch Geheimdienste solche leicht verfügbaren und sehr privaten Daten abgreifen werden, ist für Sicherheitsexperten selbstverständlich – wurde aber offiziell bisher kaum eingeräumt. Eine Ausnahme machte der damalige CIA-Direktor David Petraeus, der 2012 das Internet der Dinge (IoT) als „großen Wandel“ beschrieb – „vor allem, was die Spionagepraxis angeht.“

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Vor einem Jahr hatte beispielsweise Samsung klargestellt, dass seine vernetzten Fernseher für die Sprachsteuerungsfunktion auch Privatgespräche mithören und übermitteln. Und erst vor einer Woche wies Rapid7 auf eine Möglichkeit hin, die Standorte kompletter Familien zu überwachen, die eine für Kinder gedachte GPS-Uhr bot.

Eine Lüge von James Clapper gegenüber dem US-Senat war es, die Edward Snowden den endgültigen Anstoß gab, zum Whistleblower zu werden, wie Snowden 2014 erzählte. Im Januar 2016 wurde Clapper selbst Opfer eines Hacks. Der Angreifer leitete etwa eine Festnetznummer um und veröffentlichte die mutmaßliche Handynummer von Clappers Frau, die aus dessen Telefonverzeichnis stammte.

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Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
Leitender Redakteur ZDNet.de
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