4,2 Milliarden Euro Jahresverlust: Toshiba entlässt bis zu 10.000 Mitarbeiter

6800 müssen im Bereich Heimelektronik gehen - etwa 30 Prozent seiner Belegschaft. Bei der Konzernmutter fallen 1000 Stellen weg. Dazu streicht Toshiba Verträge mit externen Mitarbeitern, um schon bis März 2016 Einsparungen in Höhe von etwa 150 Millionen Euro zu erreichen.

Toshiba erwartet einen Verlust von 4,2 Milliarden Euro im Fiskaljahr 2015. Mit einem drastischen „Toshiba Revitalization Action Plan“ (PDF) will es die Krise noch einmal bewältigen. Unter anderem sollen 6800 Mitarbeiter seiner Sparte für Heimelektronik gehen, was 30 Prozent entspricht.

Toshiba (Bild: Toshiba)Der japanische Konzern engagiert sich in einer Vielzahl von Branchen, von Elektronik über Kassensysteme, Medizintechnik, Transportsysteme und Industrieanlagen bis hin zur Kernenergie. Nach einem Bilanzfäschungsskandal und einbrechenden Kursen droht er nicht mehr zur Ruhe zu kommen.

Als radikale Maßnahmen will sich Toshiba nun von ganzen Sparten trennen sowie durch Vereinheitlichung der Betriebsabläufe und die Entlassungen Kosten senken. Die 6800 Mitarbeiter sollen bis 31. März ausscheiden. Zusätzlich will Toshiba Verträge mit Freiberuflern streichen und in Rente gehende Mitarbeiter nicht ersetzen. Im Hauptkonzern fallen 1000 weitere Stellen weg. Insgesamt könnte die Zahl der Streichungen an 10.000 heranreichen.

Im PC-Bereich will sich der Konzern mit den verbleibenden Mitarbeitern aufs lukrativere Unternehmensgeschäft stürzen, wo es „weltweit anhaltende Nachfrage“ erwartet, besonders in seiner Heimat Japan sowie den USA. Die LCD-Distribution Visual Products soll fürs Ausland künftig extern von einem Lizenznehmer betrieben werden. Toshiba selbst vertreibt diese Produkte nur noch in Japan, wo es sich gegen Panasonic positioniert. In den USA und Europa war eine solche Auslagerung ohnehin schon vollzogen worden, nun folgen Asien einschließlich Chinas, der Nahe Osten und Afrika.

Weiter verkauft Toshiba eine Fernseherfabrik in Indonesien an einen nicht genannten Käufer. Auch die für die Entwicklung von Computern und Fernsehern zuständige Niederlassung Ome Complex in Tokio stößt es ab. Das Geschäft mit TV-Geräten soll auf 600.000 Stück pro Jahr heruntergefahren werden. Durch Konzentration auf den High-End-Bereich hofft Toshiba dennoch auf signifikante Gewinne.

Das Bildsensorengeschäft hatte Toshiba vor einem Monat schon an Sony verkauft. Der Preis soll umgerechnet rund 140 Millionen Euro betragen haben. Als Nächstes steht eine Ausgliederung der Personal & Client Solutions an, die bis April 2016 mit dem B2B-Vertrieb Toshiba Information Equipments Co. verschmelzen soll.

Die Maßnahmen sollen bis März 20167 zusammen Kostensenkungen in Höhe von rund 20 Milliarden Yen (150 Millionen Euro) bringen. Zudem wurden Maßnahmen ergriffen, um eine Wiederholung des Skandals auszuschließen. Eine Buchprüfung hatte ergeben, dass Toshiba seit 2008 seinen Nettogewinn um insgesamt mindestens 155 Milliarden Yen (1,16 Milliarden Euro) zu hoch ausgewiesen hat. Der Gewinn vor Steuern soll in den letzten sieben Jahren sogar um 225 Milliarden Yen (1,69 Milliarden Euro) zu hoch angegeben worden sein.

Die Nachforschungen zeigte nicht nur einen Verfall der Firmenkultur auf, sondern auch, dass die meisten von Toshibas Geschäftseinheiten in einer Krise stecken. Der Kurs brach ein, einige Aktionäre haben auch Klagen angestrengt. Für drohende Strafzahlungen hatte Toshiba bereits Rückstellungen in Höhe von 8,4 Milliarden Yen (fast 65 Millionen Euro) gebildet. Präsident und CEO Hisao Tanaka ist zurückgetreten und wurde von Masashi Muromachi abgelöst.

Die Sparmaßnahmen erfordern kurzfristig hohe Restrukturierungskosten, weshalb Toshiba fürs Finanzjahr 2015 etwa 550 Milliarden Yen (4,2 Milliarden Euro) Verlust erwartet. Im Finanzjahr 2014 standen 37,8 Milliarden Yen (286 Millionen Euro) Verlust zu Buche. Die Aktie sackte nach Bekanntgabe des Plans zunächst um weitere 10 Prozent ab.

[mit Material von Charlie Osborne, ZDNet.com, und Martin Schindler, silicon.de]

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