Scheidender Cisco-CEO: Unser Ruf in China war nie besser

John Chambers zufolge sind 19 Prozent Umsatzrückgang in China im zweiten Quartal nur ein politisches Problem. Nach seiner Ansicht spionieren alle Regierungen. Sie sollten sich aber zusammensetzen und "Verkehrsregeln festlegen".

Ciscos scheidender CEO John Chambers hat frühere Aussagen seiner Firma relativiert, die NSA-Überwachung unterminiere „das Vertrauen in unsere Branche„. Jetzt erklärte er gegenüber Medienvertretern, sein Nachfolger Chuck Robbins und er seien „fast zwei Jahre lang zusammen um die Welt gereist – in fast jedes Land. Ciscos Ruf und das Vertrauen in die Firma sind wahrscheinlich überall auf einem Höchststand, auch in Europa oder China oder Asien.“

John Chambers (Bild: Cisco)John Chambers (Bild: Cisco)Chambers fuhr fort: „Ich glaube nicht, dass irgendjemand unsere Integrität als Firma anzweifelt, und, wie ich wahrscheinlich schon letztes Jahr erwähnt habe, selbst in der russischen Hauptstadt Moskau setzen sie ihre Sicherheitssysteme auf einer Cisco-Architektur auf.“

Als Journalisten an frühere Vorwürfe anknüpften, Cisco habe gegen US-Exportverbote verstoßen und russischen Behörden IT geliefert, nahmen Chambers und Robbins dazu nicht direkt Stellung. Robbins sagte aber, Cisco sei für eine weitere Zusammenarbeit mit Russland bereit, sobald sich die politische Situation verbessere.

„Meiner Meinung nach sollte man das so sehen, dass es zu jedem Zeitpunkt rund um die Welt Herausforderungen geben wird. Unsere Praxis war es immer, auch in schwierigen Zeiten verbunden zu bleiben. Große Kunden und Länder merken sich das meistens. Wenn die Probleme dann wegfallen, können wir die Beziehung wieder intensivieren, und das erwarten wir auch im Fall von Russland.“

Cisco hatte im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs 19 Prozent Umsatzrückgang in China hinnehmen müssen. Die Diskrepanz zu seinem positiven Lagebericht erklärte Chambers damit, dass es sich bei dieser Schwäche eher um ein politisches Problem als ein Geschäftsproblem gehandelt habe. Alle Regierungen setzten auf Überwachung; es sei wichtig, hier bestimmte Regeln festzulegen.

„Ich glaube immer noch, dass unsere Politiker zusammen Verkehrsregeln festlegen sollte, da fast jede Regierung auf der Welt spioniert. Das ist nicht neu, sondern war in der Geschichte immer so“, erklärte Chambers. „Ich glaube, als Firma werden wir uns wie immer verhalten. Wir sind nicht perfekt, aber äußerst transparent.“

Gerade hat die Information Technology and Innovation Foundation (ITIF) mitgeteilt, dass ihre frühere Schätzung von 35 Milliarden Dollar Kosten der NSA-Veröffentlichungen für die Technikbranche deutlich zu niedrig gegriffen seien. Das liege auch daran, dass die Politik so langsam reagiere und auch nach zwei Jahren kaum Maßnahmen ergriffen habe.

In ähnlichem Stil hatte im Mai 2014 Ciscos Chefjustiziar Mark Chandler die NSA-Überwachung kritisiert. Er bezog sich konkret auf Medienberichte, nach denen der Auslandsgeheimdienst in den USA hergestellte Hardware auf dem Transportweg abfing und mit Hintertüren ausstattete. „Wir halten uns an die Gesetze der USA wie die von vielen anderen Ländern, die Exporte an bestimmte Kunden und Ziele untersagen“, schrieb Chandler. „Wir sollten uns daher darauf verlassen können, dass die Regierung nicht die gesetzeskonforme Auslieferung unserer Produkte beeinträchtigt und sie in dem Zustand belässt, wie wir sie hergestellt haben. Wer es anders handhabt und die legitimen Privacy-Rechte von Einzelnen wie Institutionen rund um die Welt verletzt, unterminiert das Vertrauen in unsere Branche.“

John Chambers war 20 Jahre lang Cisco-CEO. Der Jahresumsatz stieg in diesem Zeitraum von 1,2 Milliarden auf knapp 48 Milliarden Dollar. Seinen Posten übernimmt ab 26. Juli der bisherige Senior Vice President Chuck Robbins, der für Vertrieb und Partner verantwortlich war. Er ist seit 17 Jahren für Cisco tätig.

[mit Material von Josh Taylor, ZDNet.com]

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Themenseiten: China, Cisco, Politik, Russland

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