CEO Rometty: IBM erfindet sich gerade neu

In einem Brief an die Aktionäre legt sie ihre Strategie dar. Die Konzentration gilt demnach Cognitive Computing rund um Watson, Cloud-Computing und Systems of Engagement. Zum Bereich Cloud gehören auch die aufkommenden Middleware-Services.

IBM-CEO Ginny Rometty hat in ihrem jährlichen Brief an die Aktionäre des Unternehmens Daten als natürliche Ressource bezeichnet und eine langfristige Strategie auf Basis von Cognitive Computing (etwa Watson), Cloud-Computing und dem Bereich Engagement vorgelegt. IBM erfinde sich gerade neu, sagte sie. „Ich glaube, wenn Sie unsere Strategie verstehen, werden Sie unser Vertrauen in IBMs Perspektiven teilen – für die nähere Zukunft, für dieses Jahrzehnt und darüber hinaus.“

IBM

Sie suchte damit anlässlich der letzten Quartalszahlen aufgekommene Ängste der Investoren aufgrund nachlassenden Wachstums bei Hardware zu zerstreuen. Allerdings ist nicht klar, bis wann die von Rometty genannten Geschäftsfelder Fahrt aufnehmen werden. Rometty sieht 2013 und wohl auch 2014 als Jahr des Übergangs. Eine Dividende soll die Aktionäre zusätzlich bei der Stange halten.

Erste Säule von Romettys Konzept ist Cognitive Computing, vor allem in Form der neuen Watson-Abteilung mit 2000 Mitarbeitern, die gerade eine Milliarde an Investitionen erhalten hat. Allerdings ist der geschäftliche Wert von Watson bisher nicht belegt. Bekannt wurde Watson 2011 mit einem Sieg in der Quizshow Jeopardy gegen zwei menschliche Gegner. Seitdem soll der Supercomputer einem Bericht des Wall Street Journal zufolge weniger als 100 Millionen Dollar Umsatz generiert haben.

Im zweiten Bereich, Cloud-Computing, sprach Rometty viel über SoftLayer, das IBM zum Cloudanbieter für Großunternehmen mache. Auch sei das Unternehmen der führende Anbieter von Hybrid-Cloud-Lösungen. Zusätzlich wolle IBM sein Know-how im Bereich Middleware einbringen: Mit „Cloud-Middleware-Services“ entstehe gerade ein ganzer Geschäftszweig. „Letzten Monat haben wir mehrere Möglichkeiten angekündigt, um Daten und Anwendungen in Unternehmen mit der Cloud in Verbindung zu bringen. IBMs vollständiges Angebot an Unternehmenssoftware wird innerhalb einer offenen, konfigurierbaren Geschäftsumgebung für Entwickler verfügbar, um flexible und skalierbare Anwendungen zu erstellen.“

Einnahmenmix (Grafik: IBM)

Romettys dritte Säule sind „Systems of Engagement“, also Brückenschlag-Systeme, die Anwendern die Nutzung von Unternehmenssystemen erleichtern sollen. Als Ansatz sieht Rometty vor allem Dienste in den Bereichen Social, Mobile, Sicherheit und Software.

Bei der Umstellung ist Eile geboten: „Wir müssen eingestehen, dass die Ergebnisse 2013 nicht unseren Erwartungen entsprachen, auch wenn es ein wichtiges Jahr der Umgestaltung war. Unsere Betriebseinnahmen vor Steuern gingen um 8 Prozent zurück. Unser Umsatz 2013 war mit 99,8 Milliarden Dollar wie berichtet 5 Prozent niedriger – und ohne Währungsschwankungen um 2 Prozent. Während wir also die Mischung weiter zugunsten eines höheren Werts ändern, müssen wir uns auch um die Geschäftsbereiche kümmern, die uns bremsen.“

In einem ersten Schritt hatte IBM bekanntlich schon das wenig gewinnträchtige x86-Server-Geschäft an Lenovo veräußert. Auch die Power-Prozessor-Abteilung könnte der Umstellung auf Cloud-Computing zum Opfer fallen. Rometty zufolge will sich IBM außerdem stärker in Märkten mit starkem Wachstum engagieren.

Abschließend griff die IBM-Chefin das Thema Neuerfindung wieder auf. „Jede Generation bei IBM hatte die Möglichkeit – und meiner Überzeugung nach auch die Verpflichtung -, ein neues IBM zu erfinden. Jetzt ist unsere Zeit. Wir arbeiten daran, IBM in einer neuen Ära nicht nur zu einer erfolgreichen Firma, sondern zu einer wichtigen Institution für unsere Kunden und die Welt zu machen.“

[mit Material von Larry Dignan, ZDNet.com]

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Themenseiten: Big Data, Cloud-Computing, IBM, Software, Strategien

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