Edward Snowden besitzt angeblich „Betriebshandbuch der NSA“

Wer es liest, könnte der Überwachung des US-Geheimdienstes entgehen oder sie nachahmen. Der Whistleblower hat darauf bestanden, dass die Dokumente nicht veröffentlicht werden. Mit ihrer Veröffentlichung ist dennoch zu rechnen, sollte Snowden etwas zustoßen.

PRISM-Enthüller Edward Snowden verfügt über „buchstäblich Tausende von Dokumenten“, die „praktisch das Betriebshandbuch über den Aufbau der NSA darstellen“. Das erklärte gegenüber Associated Press Guardian-Mitarbeiter Glenn Greenwald, der bereits Dokumente Snowdens über die Späh- und Überwachungsprogramme des US-Geheimdienstes veröffentlichte. Wer diese weiteren Dokumente lese, wisse genau, „wie die NSA macht, was sie macht, was es wiederum erlaubt, ihrer Überwachung zu entgehen oder sie nachzuahmen“.

Edward Snowden (Screenshot: News.com, via The Guardian)

Laut Greenwald musste der Whistleblower diese sensiblen Dokumente mitnehmen, um zu beweisen, dass er die Wahrheit sagt. Er habe aber darauf bestanden, dass sie nicht veröffentlicht werden. Greenwald selbst hält ihre Veröffentlichung eigentlich für durchaus verantwortbar, da es keine schädlichen Folgen für die Amerikaner oder ihre nationale Sicherheit hätte – allerdings für die Regierung peinlich sei. „Ich glaube, es wäre nachteilig für die US-Regierung, so wie sie ihre eigenen Interessen sieht, wenn die Details dieser Programme enthüllt würden“, sagte er.

Der Journalist und Buchautor geht davon aus, dass er über die nächsten vier Monate weitere Artikel veröffentlichen wird, die auf Snowdens Dokumenten basieren. Sie sollen weitere Einzelheiten über inländische Spionageprogramme enthalten, die noch nicht enthüllt wurden – aber einen ähnlichen Umfang wie die hätten, über die bereits berichtet wurde.

Auf die eventuelle Veröffentlichung einer Vielzahl von Snowden-Dokumenten angesprochen, sollte dem Whistleblower etwas zustoßen, wies Greenwald Medienberichte als „stark vereinfacht“ zurück. „Es ist nicht einfach so, dass im Fall seines Todes Dinge veröffentlicht werden, es ist nuancierter als das“, sagte er. „Es ist einfach ein Mittel, um sich gegen extremes Handeln seitens der Vereinigten Staaten zu schützen. Damit meine ich gewaltsame Aktionen gegen ihn, um sein Leben zu beenden, und es ist einfach ein Mittel, um sicherzustellen, dass niemand in Versuchung kommt.“ Nach einem früheren Bericht sind mehrere Personen im Besitz der gesamten verschlüsselten Dokumente.

Glenn Greenwald steht noch immer in regelmäßiger Verbindung mit Edward Snowden und beschreibt ihn als relativ ausgeglichen, auch wenn er um seine eigene Sicherheit besorgt sei. „Ich spüre kein bisschen Reue oder Bedauern oder Furcht aufgrund der Situation, in der er sich befindet.“

Der Whistleblower hält sich offenbar noch immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf. Er hat inzwischen einen offiziellen Asylantrag in Russland gestellt, da er nach Annullierung seines Reisepasses durch die US-Regierung nicht ausreisen kann. Er hofft aber, später doch noch in eines der lateinamerikanischen Länder weiterreisen zu können, die ihm bereits Asyl angeboten haben – Venezuela, Bolivien, Nicaragua und Ecuador.

[mit Material von Steven Musil, News.com]

Themenseiten: Datenschutz, National Security Agency, Politik, Privacy, Überwachung

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