HP meldet Gewinnrückgang und streicht 27.000 Stellen

Der Profit schrumpft um 31 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. HP rechnet durch die Entlassungen mit Einsparungen von bis zu 3,5 Milliarden Dollar. Das Geld will der Computerhersteller in erster Linie in Forschung und Entwicklung investieren.

Hewlett-Packard hat im zweiten Geschäftsquartal 2012 einen GAAP-Nettogewinn von 1,6 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) erwirtschaftet. Das entspricht einem Rückgang von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Darüber hinaus bestätigte das Unternehmen die zuvor vermuteten Stellenkürzungen. Bis zum Ende des Fiskaljahrs 2014 werden 27.000 Mitarbeiter des Computerherstellers ihren Job verlieren. Der prominenteste Abgang ist Mike Lynch, Gründer und früher CEO des 2011 für über 10 Milliarden Dollar übernommenen britischen Softwarehauses Autonomy.

Meg Whitman bei der HP Kundenkonferenz Discover in Wien (Bild: ZDNet).
Meg Whitman bei der HP Kundenkonferenz Discover in Wien (Bild: ZDNet).

Dies entspricht rund 8 Prozent der weltweiten Belegschaft. Die Entlassungen sind nach Unternehmensangaben Teil einer Restrukturierung, mit der das Kerngeschäft gestützt werden soll. Die erwarteten Einsparungen von 3 bis 3,5 Milliarden Dollar jährlich will HP in Forschung und Entwicklung investieren.

Derzeit steckt das Unternehmen 3 Prozent seiner Einnahmen in Forschung und Entwicklung. Bei gleichbleibendem Umsatz soll der Anteil künftig bei 5 Prozent liegen. CEO Meg Whitman kündigte zudem Einsparungen in anderen Bereichen an, ohne Details zu nennen. Unklar ist, ob damit auch zusätzliche Kündigungen gemeint sind.

Einer Pressemeldung zufolge sollen die Sparten Services, Software und Server gestärkt werden. HP will demnach unter anderem in Cloud-Computing, Analytics, Big Data, Sicherheit, Storage und Networking investieren. Ein Teil des eingesparten Gelds soll auch in Marketing und Vertrieb fließen.

Die Restrukturierung ist aber auch mit Kosten verbunden. Im Geschäftsjahr 2012 rechnet HP mit einer Belastung von 1,7 Milliarden Dollar. Weitere 1,8 Milliarden Dollar sollen auf die Jahre 2013 und 2014 verteilt werden.

HPs Umsatz schrumpfte im zweiten Fiskalquartal 2012 um 3 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar (24,4 Milliarden Euro). Den Non-GAAP-Aktiengewinn gibt das Unternehmen in der gestern veröffentlichten Bilanz mit 0,98 Dollar je Aktie an. Damit übertrifft das Ergebnis die Erwartungen von Analysten, die einen Non-GAAP-Profit von 0,91 Dollar je Aktie bei Einnahmen von 29,9 Milliarden Dollar vorausgesagt hatten.

„Unsere Zahlen scheinen sich zu stabilisieren“, sagte Whitman bei einer Telefonkonferenz mit Analysten. Die Kehrtwende sei zwar noch nicht erreicht, HP mache aber Fortschritte. Die Personal Systems Group habe ihre Marge gehalten und das Wachstum im Enterprise-Segment habe das schwache Verbrauchergeschäft zum Teil ausgeglichen.

Investoren nahmen den Quartalsbericht und den Jobabbau offenbar positiv auf. Nach Verlusten von 3,21 Prozent im Lauf des gestrigen Handelstags stieg der Kurs der HP-Aktie nach Bekanntwerden der Zahlen und der Entlassungen im nachbörslichen Handel um 9,11 Prozent auf 23 Dollar.

John Madden, Analyst bei Ovum erachtet den Restrukturierungsprozess bei HP für schmerzhaft aber notwendig, um das Vertrauen des Marktes und der Kunden nach den Ereignissen vergangenen Jahres zurückzugewinnen. Natürlich sei der Weg nicht neu und der Markt bleibe skeptisch, ob diese Veränderungen HP mehr Stabilität verleihen, insbesondere im Enterprise-Geschäft.

„Irgendwie ermutigend ist, dass HPs Hinweis darauf, dass die meisten, durch die Restrukturierung erzielten Einsparungen dem Bereich Forschung und Entwicklung zugutekommen sollen – ein Teil von HPs Erbe und Geschichte, den das Unternehmen in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt hat„, so Madden. Der Bereich sei aber ein entscheidender Baustein für HPs Genesung und die Vorstellung neuer Produkte und Services.

Obwohl nun die Schlüsselelemente von Whitmans Restrukturierungs- und Wirtschaftsplan vorlägen bemängelt Madden, dass immer noch die langfristige Vision und Strategie fehlten. Auch nach der Restrukturierung bleibe die Frage offen: „Was für eine Art von Firma will HP nächstes Jahr, was will HP in drei oder fünf Jahren sein?“

Tim Jennings, ebenfalls Analyst bei Ovum sieht zudem den Weggang von Mike Lynch, Gründer und geistiger Vater von Autonomy, von HP als kontraproduktiv an – gerade vor dem Hintergrund der geplanten Stärkung des Bereichs Forschung und Entwicklung. „Lynch ist ein Technologievisionär, dass er das Unternehmen aufgrund schlechter Verkaufszahlen der Sparte verlässt deutet an, dass HP noch darum kämpft, eine klare Vorstellung davon fehlt, wie diese recht teure Akquisition Nutzen stiften kann.“ Jennings glaubt, dass HP besser beraten gewesen wäre, Lynchs Fähigkeiten für sein gesamtes Softwaregeschäft einzusetzen als ihn zunächst an der langen Leine zu lassen und dann aufgrund schwacher Verkaufszahlen abzusägen.

Auch die IDC-Analysten Alys Woodward, Carla Arend, und Douglas Hayward greifen in ihrem Kommentar den Abgang von Lynch auf. Er scheine der Sündenbock für die schwachen Zahlen beim Softwarelizenzgeschäft zu sein. Der Verlust sei besonders bedauerlich, da HP ja schließlich die Fähigkeiten der Zukäufe Autonomy und Vertica verstärkt über das gesamte Software-Portfolio hinweg nutzen wolle.

Die als neue Schwerpunkte der HP-Entwicklungstätigkeit ausgegebenen Themen hält IDC für trivial: Es seien offensichtliche Trendthemen, für die jeder Anbieter aus seinem Portfolio Produkte so hinbiegen könne, dass sie passen. Außerdem sehen sie Whitmans Ankündigung kritisch, sowohl zu sparen als auch das Wachstum zu forcieren: „Entweder den Gürtel enger zu schnallen oder Innovationen und Wachstum voranzutreiben ist in einer Organisation mit 300.000 Mitarbeitern schon schwer genug. Beides gleichzeitig zu tun, klingt nach einer riskanten Aufgabe für eine Organisation, die mit ihrer Performance derzeit nicht zu den Klassenbesten gehört.“

[mit Material von Zack Whittaker, ZDNet.com, und Rachel King, ZDNet.com]

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