Bericht: Israel verkauft unwissentlich Spionageausrüstung an Iran

Die israelische Firma Allot hat einen Zwischenhändler in Dänemark genutzt, um die Geschäfte zu verschleiern. Sie verstößt damit gegen ein Embargo. Offiziell will Allot von nichts wissen; Angestellte berichten etwas anderes.

Allem Anschein nach hat ein israelisches Sicherheitsunternehmen namens Allot über Jahre hinweg Spionageausrüstung an den Iran verkauft – unter der Nase des Zolls. Dieser schöpfte nach Angaben von Bloomberg aber nie Verdacht, obwohl es Hinweise in Dokumenten gibt, die in den Iran führen.

Allot hat mit den Verkäufen gegen ein Embargo des Staates verstoßen: Israel sieht den Iran als Bedrohung für die nationale Sicherheit an. Wie Bloomberg berichtet, ging die Ware zunächst an RanTek – einen Zwischenhändler in Dänemark. Dort entfernte Arbeiter die Firmenlabels und verpackten die Hardware neu. Der Zeitung zufolge fanden die ersten Geschäfte 2006 statt.

Das Unternehmen streite ab, davon gewusst zu haben, dass die Ware letztlich an den Iran ging, schreibt Bloomberg. Mitarbeiter erzählen demnach aber eine andere Geschichte: Es sei im Unternehmen allgemein bekannt gewesen, an wen man die Überwachungsausrüstung verkaufe.

NetEnforcer von Allot lässt sich zur Überwachung von Internetaktivitäten nutzen, etwa zur Bandbreitenkontrolle oder zum Traffic-Monitoring. Es gehört damit zu jener Art Produkte, die etwa EU-Kommissarin Neelie Kroes und US-Außenministerin Hillary Clinton nicht in den Händen autoritärer Regimes wissen wollen. Sie hatten Anfang Dezember auf der internationalen Internet Freedom Conference des Europarats IT-Firmen aufgefordert, keine Geschäfte mehr mit Diktatoren zu machen.

Jeder Akteur, ob öffentlich oder privat, müsse Verantwortung übernehmen, erklärte die für die Digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin. „Unternehmen sollten offenlegen, welche Technologie sie in bestimmten Ländern verkaufen. Wenn Technologie von repressiven Regierungen dazu genutzt wird, unschuldige Bürger auszuspähen und ihr Leben oder ihre Freiheit in Gefahr zu bringen, sollten wir das wissen.“

Eine Woche zuvor hatte Wikileaks rund 1100 Dokumente veröffentlicht, die einen Einblick in das Milliardengeschäft der Überwachungsindustrie geben: die Spy Files. Wikileaks-Mitgründer Julian Assange warnte davor, dass diese weitgehend geheim operierende Branche gefährlicher sei als der militärisch-industrielle Komplex, den US-Präsident Eisenhower 1961 in seiner Abschiedsrede als eine Bedrohung von Freiheit und Demokratie bezeichnete. „Wir leben in einer Welt, in der es nicht nur theoretisch möglich ist, die gesamte Telekommunikation eines Landes, alle Telefongespräche aufzuzeichnen. Es gibt zudem eine internationale Industrie, die Geräte dafür verkauft“, sagte Assange in einem Video-Interview.

Themenseiten: Allot, Business, Politik, Privacy, Software, Zensur

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