iOS-Entwickler verbünden sich gegen „Patenttrolle“

Der ehemalige Apple-Mitarbeiter Mike Lee gründet einen Verteidigungsfonds. Er verspricht massive Gegenwehr bei jeder Klage gegen einen unabhängigen Entwickler. Recherchen sollen belohnt werden, die zur Aufhebung von Patenten beitragen.

Mike Lee, ein früherer Mitarbeiter von Apple sowie Mitgründer des Entwicklerstudios Tapulous, will eine gemeinsame Verteidigung gegen Lodsys und andere Patentverwalter organisieren. Er nennt das Vorhaben „Operation Anthill“, da sich einzelne Entwickler seiner Ansicht nach kaum gegen aggressive Verwerter von Patenten wehren und sich nur zusammen als stärker erweisen können. Lee vergleicht die juristischen Aktionen von Lodsys und anderen mit einem Tritt in einen Ameisenhaufen, der einen Schwarm angriffslustiger Ameisen auf den Plan ruft. „Theoretisch könnte man eine Ameise nach der anderen zertreten, aber es ist viel einfacher, Ameisenhaufen von vornherein zu vermeiden.“

Mike Lee ist eine bekannte Größe unter den iOS-Entwicklern. Das von ihm mitgegründete Unternehmen Tapulous in Amsterdam entwickelt Social Apps für iPod Touch und das iPhone, darunter das bekannte Spiel „Tap Tap Revenge“. Tapulous gehört inzwischen zur Disney Interactive Media Group.

Als „Appsterdam Legal Defense Team“ kündigte Lee die Initiative gestern an, die er als „Meta-Organisation“ sieht. Er rechnet damit, dass sich schon kurzfristig zahlreiche Entwickler anschließen werden. Die eingebrachten Mittel sind für die juristische Verteidigung bei Patentrechtsverfahren vorgesehen. Bereits beauftragt ist ein spezialisierter Anwalt in Texas, dem US-Staat in dem die meisten Patentklagen eingereicht werden. Mit Gesetzentwürfen will die Gruppe ein IP-Recht fördern, das die Entwickler besser schützt.

Software-Patente dienen als gefährliche Munition für Gruppen wie Lodsys, MacroSolve und andere, die insbesondere die wachsende Beliebtheit mobiler Anwendungen zu nutzen verstehen. Sie sammeln „geistige Eigentumsrechte“ und greifen große wie kleine Unternehmen wegen angeblicher Patentverletzungen an. Anschließend bieten sie ihnen Lizenzvereinbarungen an und bedrohen sie mit riskanten und kostspieligen Gerichtsverfahren, sollte es nicht zu einer Einigung kommen.

Für kleinere Entwickler können die Lizenzgebühren wie auch die Verfahrenskosten existenzbedrohend sein, und genau das soll Lees Verteidigungsfonds verhindern. In seinem Blog kündigte er an: „Wir werden die Patenttrolle wissen lassen: Wenn ihr einen Indie angreift, dann greift ihr alle Indies an. Wir werden jeden denkbaren Antrag gegen euch einreichen, wir werden eure Patente angreifen, und wir werden euch als die Mafiosi entlarven, die ihr seid.“

Insbesondere eine von Lodsys in diesem Jahr eingereichte Patentklage ist der Anlass für Lees Bemühungen. Sie zielt inzwischen auf zehn kleinere wie größere Anbieter, darunter auch Rovio, den schwedischen Entwickler von „Angry Birds“. Apple versuchte den angegriffenen Entwicklern zwar beizustehen, doch das erwies sich bislang als wenig wirksam.

Andere Unternehmen setzten bereits Belohnungen in Höhe von 5000 und 15.000 Dollar für Recherchen aus, die zur Aufhebung von Patenten führen können, die MacroSolve und Lodsys halten. Lee kündigte gegenüber ZDNet an, dass seine Gruppe zu diesen Prämien beitragen wird, zusammen mit „anderen Anstrengungen, die wir als potenziell wirksam sehen, um Indies zu unangenehmen Gegnern zu machen“.

Themenseiten: Apple, Business, Patente, Software

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