Mit dem ReadyNAS NV+ v2 bringt Netgear heute ein Einsteiger-NAS-System für Heimanwender heraus. Es ist der Nachfolger des ReadyNAS NV+ (ohne v2). Das neue Modell ist mit vier SATA-III-Einschüben ausgestattet, so dass auf der Schnittstellenebene die volle Geschwindigkeit von 6 GBit/s pro Platte erzielt werden kann.

Unterstützt werden SATA-Platten mit bis zu 3 TByte Speicherkapazität. Somit lässt sich im Heimnetzwerk bis zu 12 TByte Netzwerkspeicher bereitstellen. Das sollte höchsten Ansprüchen genügen.

Gleichzeitig bringt Netgear den kleineren Bruder ReadyNAS Duo v2 heraus. Er verfügt nur über zwei Einschübe für Platten und besitzt kein zweizeiliges LCD-Display. Ansonsten ist das Duo v2 technisch identisch mit NV+ v2.

Für das NV+ v2 nennt Netgear eine unverbindliche Preisempfehlung von 469 Euro ohne Festplatten. Das Duo v2 kostet 269 Euro. Netgear vertreibt auch Varianten, die bereits mit Festplatten bestückt sind, nennt aber keine Preise und verweist auf die starken Schwankungen bedingt durch die Flutkatastrophe in Thailand.

Das ReadyNAS NV+ v2 wird angetrieben von einem 1,6 GHz schnellen Marvell-Prozessor mit ARM-Kern. Der Hauptspeicher beträgt 256 MByte, was in dieser Geräteklasse üblich ist. Hervorzuheben ist aber der flotte ARM-basierte Prozessor, der den äußerst langsamen SPARC-basierten IT3107 des Vorgängers ReadyNAS NV+ (ohne die Bezeichnung v2) ablöst.

Ans Netzwerk angeschlossen wird das NV+ mit einer Gigabit-Ethernetschnittstelle. Darüber hinaus ist ein USB-2.0-Anschluss an der Vorderseite angebracht sowie zwei USB-3.0-Anschlüsse an der Rückseite, was den Anschluss schneller externer Festplatten erlaubt, etwa um externe Backups zu machen. Eine eSATA-Buchse ist allerdings nicht vorhanden.

Hinter einer großen Frontklappe befinden sich die Einschübe für die SATA-Platten, die zuvor in die mitgelieferten Rahmen geschraubt werden müssen. Unterstützt werden sowohl 2,5-Zoll als auch 3,5-Zoll-Laufwerke. Platten lassen sich im laufenden Betrieb entfernen und hinzufügen.

Was die Fehlertoleranz angeht, wird neben JBOD, RAID 0, 1 und 5 auch das von Netgear entwickelte System X-RAID2 unterstützt. X-RAID2 entspricht von der Fehlertoleranz her RAID Level 5: Man setzt n Platten ein und bekommt netto die Kapazität von n-1 Platten.

Allerdings kann man X-RAID2-Volumes dynamisch erweitern. Beginnt man zunächst mit einer Platte, hat man ihre komplette Kapazität zur Verfügung, aber keine Ausfallsicherheit. Schiebt man später eine zweite Platte hinzu, erhöht sich die Kapazität nicht, jedoch legt X-RAID2 einen Spiegel an. Ab der dritten Platte erhöht sich die Kapazität jeweils um eine Platte dynamisch im laufenden Betrieb ohne das ein Volume neu angelegt werden muss. Wer zum Schluss vier Platten in seinem NAS betreibt, hat die Kapazität von drei Platten zur Verfügung.

Diese Rechnung funktioniert allerdings nur, wenn alle Platten dieselbe Kapazität haben. Wer zunächst eine 1-TByte-Platte verwendet und später drei 2-TByte-Platten nachschiebt, kann auf den drei neuen Platten nur jeweils 1 TByte für das sich selbst erweiterende X-RAID2-Volume nutzen.

Ausrichtung auf Heimanwender

Wer ein NAS-System der Konkurrenten QNAP oder Synology kennt, weiß, dass die Consumer-Modelle im Wesentlichen dieselbe Firmware haben wie die Business-Geräte, inklusive Features wie iSCSI, die man im Heimnetz in der Regel nicht braucht.

Netgear verzichtet in den Einsteiger-Modellen auf viele Features und setzt stattdessen auf einfache Bedienung und schnelles Setup in wenigen Schritten. Und das muss man als durchaus gelungen bezeichnen.

Freaks und Firmenadmins, die in ihrem Heimnetz möglichst eine Profi-Umgebung mit iSCSI, eigenem SMTP-Server und mehr aufbauen wollen, sind sicherlich mit einer anderen Lösung besser bedient. Wer aber einfach einen Heimserver für Dateien, DLNA-Streaming und ein paar Zusatzfeatures sucht, der möglichst ohne Probleme aufzusetzen und zu bedienen ist, findet mit dem NV+ v2 ein perfektes Gerät.

Im ZDNet-Test kommt das Gerät in ein typisches Heimnetz, bei dem eine Fritzbox als NAT-Router agiert, die gleichzeitig DHCP-Server ist. Nach dem Anschließen der Ethernetschnittstelle und dem Einschalten bekommt das ReadyNAS die IP-Adresse 192.168.1.130 zugewiesen, was es sogleich auf dem LCD-Display anzeigt.

Zur Erstinstallation muss das Gerät mit der mitgelieferten Software RAIDar konfiguriert werden. Sie ist für Windows, Linux und Mac OS verfügbar. Das Setup der RAID-Volumes ist nur mit diesem Tool möglich. Wer X-RAID2 nutzen möchte, was in Heimumgebungen meist die sinnvollste RAID-Variante ist, muss lediglich das Admin-Kennwort festlegen und kann ansonsten mit "Weiter" den Wizard schnell beenden.

Zur eigentlichen Verwaltung von Shares, Benutzern und Backup dient ein Webinterface. Der Zugang wird automatisch auf HTTPS umgelenkt, falls man eine unverschlüsselte Verbindung aufbaut.

Das Dashboard zeigt die wichtigsten Parameter auf einen Blick (Screenshot: ZDNet).
Das Dashboard zeigt die wichtigsten Parameter auf einen Blick (Screenshot: ZDNet).

Das Benutzerinterface ist in jeder Hinsicht auf Endkunden ausgerichtet, die möglichst wenig einstellen und konfigurieren möchten. Ein "Dashboard" zeigt die wichtigsten Betriebsparameter an. In der Konfiguration gibt es nur sieben verschiedene Screens, die über das Hauptmenü ausgewählt werden können. Unter "Shares" und "Benutzer" werden Freigaben und User eingerichtet. Benutzergruppen sind nicht möglich.

Berechtigungen können wie bei den meisten NAS üblich nur auf Share-Ebene und nicht für einzelne Dateien und Verzeichnisse vergeben werden. Man muss etwas aufpassen, da die Default-Berechtigung lautet, dass der Benutzer "Everyone" Lese- und Schreibzugriff hat. Neben den Berechtigungen muss für jeden Share nur noch ein Häkchen gesetzt werden, ob ein Share für das DLNA-Streaming freigegeben werden soll oder nicht.

Die Einstellungen bei den Freigaben sind übersichtlich und verständlich - ideal für Einsteiger (Screenshot: ZDNet).
Die Einstellungen bei den Freigaben sind übersichtlich und verständlich – ideal für Einsteiger (Screenshot: ZDNet).

Hinter dem Menüpunkt "Durchsuchen" befindet sich ein einfacher Web-Dateimanager. Hier muss sich Netgear aber die Kritik gefallen lassen, dass man Dateien herunter- aber nicht hochladen kann. Es ist nicht möglich, von unterwegs mal eben schnell mit dem Browser eine Datei nach Hause an das NAS zu senden. Auch andere Funktionen fehlen, etwa Verschieben und Kopieren.

Der Web-Dateimanager fällt etwas spartanisch aus. Es fehlen einige Funktionen, etwa der Upload einer Datei (Screenshot: ZDNet).
Der Web-Dateimanager fällt etwas spartanisch aus. Es fehlen einige Funktionen, etwa der Upload einer Datei (Screenshot: ZDNet).

Unter "Add-ons" lassen sich Erweiterungen installieren. Allerdings laufen bestehende Add-ons für ReadyNAS-Systeme nicht auf dem NV+ v2. Bisher hat Netgear seine NAS-Systeme ausschließlich mit x86- oder SPARC-CPUs ausgestattet. Das neue NV+ v2 hingegen hat einen ARM-Prozessor.

Für die ARM-Architektur des NV+ v2 stehen bisher nur zwei Add-ons zur Verfügung: Die flashbasierte Bildershow "ReadyNAS Photos II" und "ReadyNAS Remote", das einen einfachen Zugang aus dem Internet zum NAS erlaubt, auch wenn es hinter einem NAT steht. Damit das funktioniert, muss jedoch ein VPN-Client auf Rechnern installiert werden, von denen man auf das NAS zugreifen möchte. Ferner existiert eine ReadyNAS-Remote-App für iOS und Android.

Für die Zukunft darf man erwarten, dass Netgear weitere Add-ons, die man von anderen ReadyNAS-Systemen kennt, auch für die ARM-Architektur und das NV+ v2 portiert.

Backup

Apple-Nutzer können das NV+ als Time-Machine-Backup-Gerät nutzen. Das NAS emuliert Apples beliebte Backup-Lösung. Der Nutzer muss lediglich bestimmen, wie viel Speicherplatz des ReadyNAS für die Time-Machine-Funktion reserviert werden soll.

Darüber hinaus befindet sich die Software Memeo Premium Backup auf dem Gerät. Die lässt sich dazu verwenden, den Inhalt des NAS selbst zu sichern. Der Anwender kann beliebig viele Sicherungsaufträge anlegen, die optional mit einem Zeitplan, etwa täglich oder wöchentlich, versehen werden.

Als Quelle und Ziel lassen sich Shares des NAS, Geräte an den USB-Ports oder beliebige SMB-Shares im Netzwerk verwenden. Das erlaubt hohe Flexibilität. So kann man beispielsweise den Inhalt des NAS auf eine externe USB-Platte sichern, aber auch einen anderen Server im Netz auf das NAS. Spezielle Backup- und Mirror-Protokolle wie Rsync beherrscht das NAS jedoch nicht.

Performance

Das Testgerät von ZDNet ist mit drei Seagate-Platten des Typs ST32000542AS und einer WD10EAVS-00D7B1-Disk von Western Digital ausgestattet. Netgear konnte kurzfristig kein Testgerät mit vier identischen Platten zur Verfügung stellen. Die gemischte Bestückung ist zwar kein typisches Testszenario, aber in der Praxis durchaus realistisch, etwa wenn man sein NAS nach und nach erweitert.

Beim Lesen vom einem SMB-Share werden netto 35,7 MByte/s erzielt, beim Schreiben 40,4 MByte/s. Als Sparringspartner dient ein Laptop Lenovo T520 mit Gigabit-Ethernetschnittelle, Core-i5-2540M-CPU der Sandy-Bridge-Generation und 8 GByte Hauptspeicher. Die Platten des NAS sind im ZDNet-Test frisch formatiert.

Beim Lesen vom NAS verwendet ZDNet das Windows-NUL-Device als Ziel auf dem Laptop, so dass die Festplattengeschwindigkeit des Sparringspartners keine Rolle spielt. Beim Schreiben auf das NAS wird die 1 GByte große Testdatei vorher in den Cache des Laptops geladen.

Die Schreibgeschwindigkeit ist überdurchschnittlich gut. Vergleichbare NAS-Systeme mit vier Platten in RAID5-Konfiguration erreichen meist weniger als 35 MByte/s. Die gemessene Lesegeschwindigkeit wirkt auf den ersten Blick eher gering. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass das ReadyNAS NV+ nicht mit den schnellsten Platten ausgestattet ist. Das theoretische Maximum, das die Platten im RAID5-Betrieb schaffen können, liegt bei 43,125 MByte/s.

Beide Festplattenmodelle besitzen nur ein SATA-II-Interface. Die WD-Platte dreht mit 5400 bis 7200 Umdrehungen pro Minute und besitzt lediglich einen mageren Puffer von 8 MByte. Die Seagate-Platten drehen sich in der Minute 5900 Mal um sich selbst und müssen mit 32 MByte Puffer auskommen. Mit leistungsfähigeren Platten dürfte deutlich mehr Performance erzielbar sein.

Heimanwender sollten aber bedenken, dass man seine Plattenbestückung nicht nur auf Performance trimmen, sondern auch auf den Verbrauch achten sollte. Die Lese- und Schreibleistung des NV+ v2 mit der Plattenkonfiguration aus dem ZDNet-Test ist durchaus ausreichend. Ein CD-Image ist in weniger als 20 Sekunden kopiert. Für ein DVD-Image werden nicht einmal zwei Minuten benötigt. In der beschriebenen Konfiguration braucht das Gerät bei laufenden Platten im Idle-Betrieb 32 Watt Leistung. Werden die Platten wegen Inaktivität automatisch abgeschaltet, zeigt das Messgerät 13 Watt an. Unter Volllast kommt das NAS nicht über 37 Watt.

Fazit

Das ReadyNAS NV+ v2 überzeugt als Home-NAS für Einsteiger. Es kann bis zu 12 TByte Plattenplatz zur Verfügung stellen und zeigt gute Leistungswerte. Es punktet durch ein einfaches Setup mit wenigen Klicks und leichter Administrierbarkeit. Für Technikfreaks, die sich möglichst viele Protokolle wünschen und zahlreiche Parameter selbst einstellen möchten, ist das NV+ v2 aber nicht das richtige Gerät.

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