Multi-Core-ARM-CPUs: Geht die Wintel-Ära bald zu Ende?

Moderne Tablets verwenden Dual-Core-ARM-Prozessoren. Im August will Nvidia mit einem Quad-Core nachlegen. Benchmarks zeigen, dass sie die Leistung von Desktop-CPUs erreichen. Das könnte für Intel und Microsoft gefährlich werden.

Dieser alte Apple-Slogan passt perfekt zu den meisten Smartphones und Tablets (Quelle: mac.com).
Dieser alte Apple-Slogan passt perfekt zu den meisten Smartphones und Tablets (Quelle: mac.com).

Was noch vor wenigen Jahren undenkbar schien, ist heute ein realistisches Szenario. Microsoft und Intel könnten ihre Quasi-Monopolstellung im Client-Computing-Markt verlieren. Smartphones und Tablets erobern den Markt und für die meisten davon gilt der alte Apple-Slogan "Intel outside". Auf den mobilen Geräten dominieren ARM-Prozessoren.

Auch Microsoft hat Schwierigkeiten sein neues Betriebssystem für Smartphones Windows Phone 7 im Markt zu platzieren. Zwar wurden etwa zwei Millionen Handys in den Kanal gepumpt, jedoch munkelt man, dass die Endkunden bisher nur zögerlich zugreifen. Microsoft hat diese Gerüchte bisher nicht dementiert.

Während Smartphones wegen ihres Formfaktors nicht für einen normalen Büroarbeitsplatz geeignet sind, haben Tablet-PCs durchaus das Potenzial, sich in diese Richtung zu entwickeln. Denkt man einmal ein paar Jahre in die Zukunft, so könnte es durchaus Tablets geben, die man in eine kleine Docking-Station steckt. So könnte man sie mit Tastatur und Maus wie einen normalen Laptop bedienen. Auch ein externer Monitor ließe sich anschließen. Eine HDMI- oder Displayport-Schnittstelle besitzen sogar einige High-End-Smartphones.

Wer viel unterwegs ist, wird ein solches Gerät, dass sowohl wie ein Tablet als auch wie ein Laptop bedient werden kann, zu schätzen wissen. Nicht ohne Grund werden Laptops gerne auch scherzhaft als "Schlepptops" bezeichnet.

Die für die nahe Zukunft erwarteten Tablets, beispielsweise das iPad 2 oder Motorola Xoom mit Android 3.0 (Honeycomb), sind natürlich weit davon entfernt als vollständiger Ersatz für einen Desktop oder Laptop genutzt werden zu können. Zum einen ist die Hardware nicht leistungsfähig genug, zum anderen existiert noch nicht die richtige Software. Aber das kann sich schon bald ändern.

Heute haben weder Intel noch Microsoft eine überzeugende Lösung für Smartphones und Tablets. Intels derzeitige Atom-CPUs sind zwar x86-kompatibel, jedoch verbrauchen sie zu viel Strom, der sich letztendlich in Wärme umwandelt, was dazu führt, dass Tablet-PCs wie das WeTab einen Lüfter benötigen.

Microsofts Betriebssystem Windows Phone 7 lässt sich im Wesentlichen mit "außen hui, innen pfui" umschreiben. Der Kernel besitzt keinerlei Prozesssecurity, was dazu führt, dass Microsoft ihn komplett abschotten muss. Apps können Geräte wie Kompass und Kamera nicht ansprechen. Der Internetzugriff ist nur URL-basierend ohne echte Socket-Connectivity möglich, daher sind viele Anwendungen, etwa VoIP, nicht realisierbar.

Als einzige CPU unterstützt Windows Phone 7 derzeit den QSD 8250 von Qualcomm. Es handelt sich um einen Single-Core-Chip, der in veralteter 65-Nanometer-Technologie gefertigt wird. Derzeit läuft das OS nicht einmal auf dem verwandten QSD 8650. Das ist der Grund, warum die Geräte keine CDMA2000-3G-Netzwerke, wie sie in den USA üblich sind, nutzen können.

In naher Zukunft dürften ARM-CPUs und die Betriebssysteme iOS und Android den Markt weiter dominieren. Tablet-Geräte mit Honeycomb kommen zwar erst nächsten Monat auf den Markt, doch Google hat bereits gezeigt, dass es mit Honeycomb ein Betriebssystem geschaffen hat, das dem iPad einiges an Marktanteilen wegnehmen kann.

Wenn ARM, Google und Apple ihre Hard- und Software so weiterentwickeln, dass sie vom Markt angenommen werden, könnte es für Intel und Microsoft zu spät sein, wenn sie brauchbare Produkte entwickelt haben. Windows 8 soll zwar für ARM erscheinen, jedoch sind Tablet-Nutzer von iOS und Android ein ganz anderes Antwortzeitverhalten gewohnt. Apps starten unmittelbar nach dem Antippen und reagieren flott auf Benutzereingaben.

Wenn in Zukunft mehr Programme für Android und iOS entwickelt werden, etwa Office-Suiten, Bild- und Videobearbeitungsprogramme, die Reaktionszeiten bieten wie gängige Apps, könnten Nutzer einen Tablet als vollwertigen Büro-Rechner nutzen. Für Windows 8 interessieren sich möglicherweise die Nutzer dann nicht mehr. Ein gangbares Migrationsszenario für Firmen könnte eine VD-Infrastruktur sein, bei der ein Terminal-Server-Client auf einem Tablet für alte Windows-Anwendungen genutzt wird.


Nvidia kann bereits eine Quad-Core-ARM-CPU vorführen. Die Performance reicht an Desktop-CPUs heran (Quelle: Nvidia via YouTube).

Themenseiten: ARM, Handy, Intel, Microsoft, Mobil, Mobile, Prozessoren, Smartphone, Tablet

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6 Kommentare zu Multi-Core-ARM-CPUs: Geht die Wintel-Ära bald zu Ende?

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  • Am 2. April 2011 um 16:52 von Micropuff

    guter Artikel, schwache Kommentare
    Der Artikel ist ausgezeichnet und trifft auch bei der Kritik an MS den Nagel auf den Kopf!
    Es ist sehr merkwürdig, dass auf jede berechtigte Kritik immer gleich Kommentatoren zur Stelle sind, die dann MS künstlich hochloben! Könnte mir gut vorstellen, dass die diese gequirlte Lobhudelei nur verbreiten, weil sie Geld dafür bekommen!

  • Am 16. Februar 2011 um 22:12 von Mouse


    Was genau meinen Sie mit Prozess Security und warum sollte dort Windows Phone 7 pfui sein?

    Windows Phone 7 basiert auf Windows Embedded Compact 6.03, verwendet aber ebenfalls Funktionen von Windows Embedded Compact 7. So z.B. verwendet Windows Phone 7 den Kernel von Windows Embedded Compact 7.

    Entgegen ihren Behauptungen untersützt der Kernel eine Dual Core CPU.

    Windows Phone 7 wurde unter Hochdruck entwickelt, damit es schnell auf den Markt kommen kann. Selbst wenn einige Chipsätze momentan nicht unterstützt werden, so hat das rein gar nichts mit der Architektur oder einem schlechten Kernel zu tun. Das sind dann einfach Funktionen, die im HAL nach-implementiert werden müssen.

    Ich glaube auch nicht, dass ARM den Desktop Markt umkrempeln wird. Nvidia hat ja gar keine Möglichkeit als in den Prozessormarkt zu expandieren, da sie von Intel und AMD/ATI eingekesselt sind. Es ist fraglich, ob die ARM Architektur mit vergleichbarer Desktopleistung aufschließt und dabei noch deutlich energieschonender arbeitet.

    Was ihre Vorhersagen bzgl. Tablets und Büro betrifft, so sehe ich das als vollkommen illusorisch. Sicher werden Tablets im Bereich Besprechungen und dergleichen eingesetzt. Aber der normale Arbeitsplatz, an dem man 8h arbeitet wird garantiert nicht durch einen Tablet ersetzt. Ohne zusätzliche externe Tastaturen und Gestelle für einen korrekten Blickwinkel, wären das katastrophale Arbeitsbedinungen, die nicht den Arbeitsschutzgesetzen entsprechen.

    • Am 19. Februar 2011 um 14:45 von Christian

      AW: …
      wo ist da der Hochdruck gewesen? der Windows CE Kernel gibt es schon seit ca. 1995 die aktuelle Version die in Phone 7 verwendet wird ist auch nicht mehr so neu. Die Entwicklungszeit war lange. Angefangen etwa um die Zeit als das erste iPhone auf dem Markt kam.

      Zusammengeschustert aus KIN und Windows Mobile ist das kein neues System. Gerade darin liegt ja das Problem.

      Vernünftiger wäre eine grundüberholte Oberfläche von Windows Mobile zusammen mit einem grundüberarbeiteten Betriebssystem gewesen. Dann hätte es auch mit den APPs besser geklappt.

      • Am 19. Februar 2011 um 16:50 von abcd

        AW: AW: …
        Da sieht man mal wieder, dass im Internet nur Leute ohne Ahnung rumrennen :)

      • Am 21. Februar 2011 um 11:46 von Mouse

        AW: AW: …
        Windows Phone 7 verwendet natürlich keinen CE Kernel von 1995. Die Versionsnummer ist ausschlaggebend, nicht der Produktname.

        Windows Phone 7 ist ein modernes, super schnelles Handy Betriebssystem und verfügt über die modernsten APIs und Entwicklerwerkzeuge zur Erstellung von Apps.

    • Am 17. März 2011 um 19:35 von knallkopp

      AW: …
      Windows Phone 7 pfui :-) Selten so gelacht! Würde mich nicht wundern, wenn weitere iPhone Entwickler die Platform wechseln werden, sobald Microsoft die Platform (wie bereits angekündigt) noch in diesem Jahr nachbessert. Wenn die Zeit drängt, kann es manchmal durchaus besser sein ein Produkt mit weniger Features an den Start zu bringen, wenn dafür die Qualität stimmt.

      Apple konnte zwar in Punkto Qualität bisher mit den Geräten und ansprechendem Design punkten, versteht sich aber auch besonders gut darauf Entwickler zu verprellen, indem etwa die Verwendung von verwaltetem code erschwert bzw. die Vorteile neuer Programmiersprachen und Werkzeuge nicht zum Tragen kommen. Letztendlich ist es auch die Community der Entwickler, die eine Aktie am Erfolg einer Platform hat. Das Apple hier momentan noch die Nase vorn hat, ist wohl der Tatsache geschuldet, das sie im Bereich Apps einfach die ersten waren…

      Das der Autor Microsoft-Systemen schlechtes Reaktionsverhalten, oder schlechte Usability nachsagt, zeigt eigentlich nur durch welche Brille er schaut… hat ansonsten nicht viel mit der Realität zu tun :-)

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