Amazon Echo: Polizei in Arkansas will mit seinen Daten Mordfall lösen

Amazon gewährt den Behörden zwar Zugriff auf das Nutzerkonto des Verdächtigen, weigert sich jedoch, Audio-Dateien zu übergeben, die auf seinen Servern gespeichert sein könnten. Eine Überführung des Verdächtigen wäre aber unter Umständen bereits durch einen smarten Wasserzähler möglich.

Die Aufzeichnungen des sprachgesteuerten Assistenten Amazon Echo sollen den Ermittlungsbehörden im US-Bundesstaat Arkansas weitere Erkenntnisse in einer Morduntersuchung bringen. Die Behörden haben daher einen Durchsuchungsbefehl für die von dem Echo-Modell aufgezeichneten Daten bei Amazon erwirkt. Amazon aber weigert sich, jegliche, möglicherweise bei ihm gespeicherte Echo-Daten herauszugeben, wie The Information berichtet. Das Unternehmen gewährte den Behörden aber Zugriff auf das Nutzerkonto des Mordverdächtigen.

Lokalen Nachrichtenseiten zufolge wirft ihm der Staatsanwalt von Benton County vor, einen Bekannten, mit dem er zusammen mit anderen Freunden zuvor ein Football-Match angeschaut hatte, erwürgt und dann in einem Whirlpool ertränkt zu haben. Darauf deuten diverse Verletzungen an dem Toten hin.

Allerdings behauptet der Beschuldigte, dass er den Ermordeten gegen ein Uhr, als er ins Bett gegangen sei, zusammen mit einer weiteren Person im Whirlpool zurückgelassen habe. Am Morgen habe er ihn tot darin aufgefunden.

Echo (Bild: Amazon)

Ein im Auto vorbeikommender Nachbar hatte jedoch die zweite Person gesehen, als sie angetrunken auf dem Heimweg war, und ein Stück mitgenommen. Der Nachbar hatte an ihr keinerlei Spuren eines Kampfes erkennen können. Der Beschuldigte wies dagegen diverse kleinere Verletzungen und Kratzer auf, für die er seine Katzen und sein Training im Freien verantwortlich machte.

Von den Aufzeichnungen des in der Küche gefundenen Amazon Echo erhoffen sich die Ermittler jetzt weitere Erkenntnisse. Sie gehen davon aus, dass von dem Echo-Gerät möglicherweise die ganze Zeit über sämtliche Sprachbefehle, Anfragen oder Gesten aufgezeichnet und dann zu Amazon-Servern hochgeladen werden und nicht nur nach dem Aufwachkommando „Alexa“. Im Zuge der Markteinführung hatte Amazon eingeräumt, Echo zeichne zwar kontinuierlich auf, halte aber jeweils nur Fünf-Sekunden-Zeitfenster vor, die dann kontinuierlich wieder vom internen Speicher gelöscht werden, falls das „Alexa“-Kommando ausbleibt.

Amazon Echo steuert Belkin WeMo und Philips Hue (Bild: Amazon)Amazon Echo steuert Belkin WeMo und Philips Hue (Bild: Amazon)

Daten seiner Kunden ohne bindende rechtliche Verpflichtung herauszugeben, verweigert Amazon in dem Fall. Das Unternehmen sieht bei der Anfrage der Behörden aus Arkansas offenbar Verfahrensmängel. Es gibt keine (erneute) Auskunft dazu, welche Daten überhaupt vorhanden sind Auskunft. Allerdings hat das Unternehmen den Behörden Zugriff auf das Nutzerkonto des Beschuldigten gegeben. Die Polizei bekam damit Zugriff auf einige von ihm nicht gelöschte Audio-Mitschnitte. Ob diese bei der Aufklärung des Falles helfen, ist derzeit allerdings noch unklar. Die Anwältin des Beschuldigten bezweifelt das zumindest.

Der Ansicht der Anwältin nach verlässt sich die Polizei zu sehr auf Indizien aus technischen Geräten. Sie bezieht sich dabei auch auf die Auswertung der Telefonnutzung ihres Mandanten. Die hat die Polizei bereits untersucht. Demnach wurden von dem mit Passwort oder Fingerabdruck gesicherten Telefon nach ein Uhr – der Zeit, zu der er angeblich zu Bett gegangen ist – mehrere SMS an eine Frau verschickt, sowie Anrufe an seinen Vater Freunde – inklusive den angeblich zusammen mit dem Ermordeten im Bad zurückgelassenen – sowie ein Restaurant abgesetzt. Sie wurden aber alle abgebrochen, bevor eine Verbindung zustande kam.

Dem Beschuldigten könnte aber ein anderes IoT-Gerät zum Verhängnis werden, auch wenn die Behörden aus den Echo-Daten keine neuen Erkenntnisse gewinnen. Wie 5 News Online berichtete, erhielten die Ermittler im Dezember von der Stadtverwaltung in Bentonville die Daten des smarten Wasserzählers. Demnach wurden zwischen 1 und 2 Uhr nachts 50 Gallonen Wasser verbraucht, weitere 90 Gallonen dann zwischen zwei und 3 Uhr – zu einer Zeit also, als der Beschuldigte seinen Aussagen zufolge schon im Bett war.

Im Verlauf des gesamten Abends zuvor waren lediglich 10 Gallonen verbraucht worden. Eine vergleichbare Menge Wasser wie in der Mordnacht wurde zuletzt im Oktober 2013 verbraucht. Die Ermittler führen den erhöhten Wasserverbrauch in der Nacht darauf zurück, dass der Innenhof, in dem es ihnen zufolge zum Kampf mit dem Opfer kam und in dem es erwürgt würde, mit einem Schlauch von Blut gereinigt wurde.

[Mit Material von Peter Marwan, silicon.de]

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Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin ZDNet
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