EU setzt nach Hackerangriff Emissionshandel aus

Unbekannte stehlen rund 1,3 Millionen CO2-Zertifikate der tschechischen Handelsstelle. Laut EU ist es der dritte Vorfall dieser Art seit Jahresbeginn. Der Schaden beträgt Schätzungen zufolge über 39 Millionen Dollar.

EU-Flagge

Die Europäische Kommission hat den Handel mit CO2-Emissionen für eine Woche ausgesetzt. Grund dafür ist ein Hackerangriff auf die Emissionshandelsstelle der Tschechischen Republik in der vergangenen Woche. Zum Zeitpunkt des Einbruchs war die Behörde aufgrund einer Bombendrohung geräumt.

Der Vorfall ist der jüngste in einer Serie von Diebstählen von Verschmutzungsrechten. „Seit Jahresbeginn haben drei Angriffe stattgefunden, und die Behörden anderer Länder sind ebenfalls anfällig für solche Attacken“, teilte die EU-Kommission am Freitag mit. Es seien rund 2 Millionen CO2-Zertifikate gestohlen worden – weniger als 0,02 Prozent aller im Umlauf befindlichen Verschmutzungsrechte. Schätzungen zufolge beträgt der Schaden etwa 39,4 Millionen Dollar (29 Millionen Euro).

„Es scheint, als sei es relativ einfach, sich Zugang zu den Handelsbehörden in einigen Ländern zu verschaffen“, so Nikos Tornikidis, Carbon Portfolio Manager bei Blackstone Global Ventures, aus dessen Konto 475.000 CO2-Zertifikate gestohlen wurden. Gegenüber ZDNet ergänzte er: „Sobald man Zugriff auf die Rechte hat, ist es sehr einfach, sie zu verkaufen, und das Geschäft wird praktisch sofort abgeschlossen.“ Man erhalte das Geld in nur wenigen Stunden, was beim Handel mit anderen Dingen nicht möglich sei.

Nach Auskunft der tschechischen Behörden erbeuteten die Diebe 1,3 Millionen Zertifikate aus insgesamt sechs Konten. Sie seien auf Konten in Polen, Italien, Estland, Lichtenstein, Deutschland und möglicherweise auch anderen Ländern übertragen worden, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters.

Die EU prüft nun die Sicherheitsstandards der amtlichen Register für den Emissionshandel in sämtlichen Mitgliedsstaaten. Zusammen mit Experten würden Kriterien für die Wiederaufnahme des Handels festgelegt und umgesetzt, heißt es.

Vergangene Woche hatten österreichische Behörden den Diebstahl von 1,6 Millionen Zertifikaten gemeldet. Im November traf es einen Zementhersteller aus Rumänien. Vor einem Jahr erbeuteten Cyberkriminelle rund 250.000 Zertifikate deutscher Unternehmen.

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