Google als Kommunikations- und Kollaborationszentrale

Google will sein Angebot um Unified Communications erweitern. Damit könnte der Konzern auch bei Businessanwendern punkten. Noch sehen Cisco, Siemens und andere Anbieter die neue Konkurrenz jedoch gelassen.

Google ist immer wieder für Überraschungen gut: Kaum haben sich die Wogen um Street View etwas geglättet, startet der Konzern in einem neuen Geschäftsfeld, das man bisher kaum mit dem Unternehmen verband: exklusive Mode. Auf www.boutiques.com kann die Nutzerin – das Angebot beschränkt sich derzeit auf Damenbekleidung – Haute Couture ordern. So manches feine Abendkleid schlägt dort mit über 1000 Dollar zu Buche.

Das neue Angebot für High-Society-Kunden ist untypisch. Grundsätzlich arbeitet Google daran, sich in möglichst vielen Lebensbereichen von Otto Normalverbraucher unentbehrlich zu machen. Neben der Suche reicht das von der Online-Textverarbeitung bis zum privaten Bild-Archiv Picasa – alles kostenfrei, selbstverständlich. In den USA können Nutzer bei Google Health zudem Gesundheitsdaten eintragen und Branchengerüchten zu Folge ist auch eine Konkurrenz zu Apples Musikangebot iTunes in Arbeit – das jedoch kaum kostenlos sein dürfte und offenbar schwieriger ist und doch länger dauert, als Google sich erhofft hat. Außerdem können Nutzer in den USA via Google Voice über das Internet telefonieren oder konferieren. Diesen Dienst sehen viele Beobachter als Ausgansgpunkt für kommende, umfangreiche Telekommunikationsservices für Firmen.

Google Voice dümpelt derzeit noch etwas vor sich hin - aber alle Anzeichen deuten darauf hin, dass der Suchgigant Großes damit vorhat (Screenshot: ZDNet).
Google Voice dümpelt derzeit noch etwas vor sich hin – aber alle Anzeichen deuten darauf hin, dass der Suchgigant Großes damit vorhat (Screenshot: ZDNet).

In Folge zahlreicher Übernahmen ist Google in den vergangenen Jahren auch in den Bereich der Telekommunikationsangebote vorgedrungen. So ist das Unternehmen seit 2005 Inhaber der US-Firma Android, die das gleichnamige, quelloffene Smartphone-Betriebssystem verantwortet. Im Jahr 2007 erfolgte die Übernahme von Grand Central, aus deren Lösung in den USA das Angebot Google Voice wurde. Im gleichen Jahr schluckte Google auch die schwedische Firma Marratech, Entwickler von Software für Web- und Videokonferenzen.

Es wäre töricht, nicht davon auszugehen, dass Google mehr vor hat, als bisher umgesetzt wurde. Auch wenn er auf entsprechende Anfragen nicht oder nur ausweichend reagiert, ist Beobachtern doch klar, dass der Konzern an einem umfassenden Unified-Communications-Angebot arbeitet, das Mobilfunk, Videokommunikation, Chats und andere Dienste vereint.

Nachdem Mark Zuckerberg, Chef des Sozialen Netzwerks Facebook, kürzlich ein recht ähnliches Angebot mit dem wenig spektakulären Namen „Nachrichten“ angekündigt hat, dürfte Googles Gegenentwurf nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Damit könnte der Konzern in ein Feld vordringen, dass bislang Netzwerk- und Telekommunikationshersteller wie Avaya, Cisco oder Siemens beherrschen: Businesskommunikation. Seit hier unter dem Begriff „Unified Communications & Collaboration“ – kurz: UCC – einzelne Kommunikationsstränge von Unternehmen zusammengeführt werden, steigt die Nachfrage nach solchen Lösungen im Geschäftskundensegment spürbar an. Das zentrale Verkaufsargument: UCC-Lösungen erhöhen die Effizienz der Mitarbeiter und sorgen für Einsparungen.

Themenseiten: Avaya, Cisco, Cloud-Computing, Google, Google, IT-Business, Siemens, Swyx, Technologien, VoIP

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1 Kommentar zu Google als Kommunikations- und Kollaborationszentrale

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  • Am 1. Dezember 2010 um 8:58 von Johann Deutinger

    Strategie..?
    Google hat sicherlich die Kompetenz, sich zu einem wichtigen Anbieter im UC-Umfeld hochzuarbeiten. UC aber besteht aus mehr als nur E-Mail, VoIP oder Conferencing. Z.B. noch SMS, Fax, Instant Messaging oder Screensharing. Ich denke nicht, dass je irgendein Hersteller alle Kanäle alleine abdecken kann. Wichtiger für die Kunden ist daher, dass die verschiedenen Angebote miteinander sprechen können und zu unternehmenspezifischen Gesamtlösungen zusammengebaut werden können. Wenn dort nichts miteinander funktioniert, sind Anwender kaum zu überzeugen. Und letztendlich entscheiden die Kunden über Erfolg oder Misserfolg. Unklar bleibt hier auch, ob Google überhaupt im B2B-Bereich Fuß fassen möchte oder sich aufs B2C konzentriert. Im Privatbereich könnten sie den Weg für UC ebnen. Im Business-Umfeld gelten andere Ansprüche. Man nehme da nur Skype als Beispiel. Die haben sich dort auch nicht durchsetzen können. In Sachen UC-Integration hat derzeit Microsoft die Nase vorne.

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