Konzernumbau: Deutsche Telekom versetzt über 5000 Mitarbeiter

Die Zahl der Standorte soll von 239 auf 14 gesenkt werden. Von der Zentralisierung verspricht sich der Konzern Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe. Am stärksten betroffen sind Angestellte aus Service, Vertrieb und IT.

Die Deutsche Telekom will im Rahmen des geplanten Konzernumbaus die Zahl der Standorte von derzeit 239 auf 14 reduzieren. Aufgrund dessen drohen 5100 von insgesamt 9650 Mitarbeitern aus Vertrieb und Service sowie aus der internen IT längere Anfahrtszeiten zur Arbeit oder sogar ein Umzug. Ein Personalabbau ist mit den Plänen nicht verbunden.

Die Telekom will durch den Umbau effizienter werden und einen dreistelligen Millionenbetrag einsparen. Am Stärksten betroffen sind die Telekom-Angestellten, die sich um den Service und Vertrieb für mittelgroße Geschäftskunden kümmern. Von den 6850 Mitarbeitern in diesem Bereich werden 3640 versetzt. Von den 2800 Angestellten, die bei dem Bonner Konzern für die interne Informationstechnologie zuständig sind – dazu gehört die Pflege der Festnetz- und Mobilfunkkunden – müssen 1500 umziehen.

„Wir erhalten Arbeitsplätze und schaffen zukunftssichere und mit Perspektive ausgestattete Strukturen. Das hilft uns dabei, die notwendigen Kompetenzen im Unternehmen zu halten und weiterzuentwickeln, um den hohen Anforderungen des Marktes an ein modernes Telekommunikationsunternehmen noch besser gerecht zu werden“, sagte Dietmar Welslau, Personalgeschäftsführer der Telekom.

Allerdings konnte sich das Unternehmen, trotz langer Verhandlungen im Vorfeld, nicht mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi einigen. Diese hat bereits Proteste angekündigt. „Die Zentralisierung rüttelt an den Existenzgrundlagen vieler Beschäftigter, sie ist unnötig und schädlich für das Unternehmen“, kritisierte Verdi-Bundesvorstandsmitglied und stellvertretender Telekom-Aufsichtsratschef Lothar Schröder. „Damit kehrt die Deutsche Telekom zum überwunden geglaubten Konfliktkurs zurück.“

Welslau begründet den Umbau unter anderem damit, dass die Strukturen bei den Call-Centern noch aus den 70er-Jahren mit ihren zahlreichen Fernmeldeämtern stammten. Von den 141 Standorten in Service und Vertrieb arbeiteten in 40 weniger als zehn Angestellte. „Das ist zu kleinteilig.“

Geplant sind Standorte mit je 400 Mitarbeitern. Jedem Beschäftigten werde ein gleichwertiger Arbeitsplatz angeboten, betonte Welslau. „Uns ist die Verantwortung für diesen Balanceakt sehr bewusst. Darum haben wir sicher gestellt, dass das Konzept sozial ausgewogen ist und wir die Belange der Mitarbeiter nicht über einen Kamm scheren.“

Die Gewerkschaft Verdi will sich damit nicht zufrieden geben. Schröder sagte, man werde nun mit der Belegschaft über die nächsten Schritte beraten. „Das wird keine stille Veranstaltung. Wir werden den Protest auf die Straße tragen.“ Allerdings kann Verdi die Mitarbeiter nicht – wie vor drei Jahren – zum Streik aufrufen. Voraussetzung dafür wäre eine Forderung im Rahmen von Tarifverhandlungen.

Experten gehen davon aus, dass bei Standortzusammenlegungen immer Mitarbeiter kündigen, die nicht umziehen wollen oder können. Die Telekom hat damit bereits Erfahrung: Vor zwei Jahren hat sie 50 von 83 Call-Centern geschlossen. Dabei haben bislang mehrere Hundert der betroffenen 8000 Mitarbeiter den Konzern mit einer Abfindung verlassen, obwohl die Telekom jedem von ihnen eine neue Stelle angeboten hatte.

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