Wikileaks: US-Grenzbeamte verhören Sicherheitsforscher

Jacob Appelbaum verbrachte bei seiner Einreise in die USA drei Stunden in Gewahrsam. Die Beamten erstellten Kopien von Quittungen und beschlagnahmten sein Handy. Auch das FBI interessiert sich für Appelbaum.

US-Grenzbeamte haben Ende vergangener Woche einen Sicherheitsforscher, der an der Wikileaks-Website beteiligt ist, bei seiner Einreise in die USA drei Stunden in Gewahrsam genommen und verhört. Am Samstag wurde er zudem nach einem Vortrag über das Tor-Projekt auf der Sicherheitskonferenz Defcon von zwei FBI-Beamten befragt.

Der in Seattle ansässige Jacob Appelbaum, der als Programmierer für den Anonymisierungsdienst Tor arbeitet, war am Donnerstagmorgen aus den Niederlanden kommend in Newark im US-Bundesstaat New Jersey gelandet. Nach Auskunft von mit der Angelegenheit vertrauten Quellen informierten ihn Beamte des Zolls und der Einwanderungsbehörde nach seiner Ankunft, dass er zufällig für eine Sicherheitskontrolle ausgesucht worden sei.

Der Sicherheitsexperte, der US-Staatsbürger ist, wurde den Quellen zufolge in einen Raum geführt und durchsucht. Auch sein Gepäck sei kontrolliert worden. Die Beamten sollen zudem Quittungen fotokopiert und sein Notebook inspiziert haben. Vertreter der Einwanderungsbehörde und der US-Armee hätten ihm erklärt, er sei nicht in Haft. Dann habe man ihn zu Wikileaks, seinen Ansichten zum Krieg in Afghanistan und Irak und zum Aufenthaltsort des Wikileaks-Gründers Julian Assange befragt.

Appelbaum habe sich geweigert, ohne einen Anwalt Fragen zu beantworten, so die Quellen weiter. Einen Telefonanruf gestattete man ihm nicht. Nach Abschluss des Verhörs erhielt er sein Laptop zurück, sein Mobiltelefon hingegen wurde beschlagnahmt. Das bestätigte er gegenüber Teilnehmern der Konferenz Defcon.

Nach seinem Vortrag wurde Appelbaum von zwei Männern angesprochen, die sich als FBI-Agenten ausgaben. Sie seien über die Vorfälle am Flughafen informiert und wollten mit ihm sprechen, um herauszufinden, ob seine Menschenrechte verletzt worden seien. Appelbaum erwiderte, er habe nichts zu sagen. Wann er sein Mobiltelefon zurückbekommen könne, wussten die FBI-Beamten nicht. „Darin sind wir nicht involviert. Wir haben keine Ahnung“, sagten sie.

Die beiden Beamten wollten sich gegenüber ZDNet nicht ausweisen. Sie sagten, sie nähmen an der Konferenz teil und machten keine weiteren Angaben.

Appelbaum hat unter anderem Lücken in Sicherheitszertifikaten von Websites und eine neue Methode entdeckt, um die Hardwareverschlüsselung von Festplatten zu umgehen. Auf der Hacker-Konferenz Next Hope im Juli vertrat er den Wikileaks-Gründer Julian Assange. Dort warb Appelbaum um Unterstützung für das Projekt. Er gab an, er sei maßgeblich an Wikileaks beteiligt, habe aber keinen Zugang zu geheimen US-Unterlagen, die auf der Website veröffentlicht würden.

Jacob Appelbaum hat auf der Konferenz Next Hope im Juli als Vertreter von Wikileaks-Gründer Julian Assange einen Vortrag gehalten (Bild: Declan McCullagh, News.com).
Jacob Appelbaum hat auf der Konferenz Next Hope im Juli als Vertreter von Wikileaks-Gründer Julian Assange einen Vortrag gehalten (Bild: Declan McCullagh, News.com).

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