Fusionspläne belasten Motorola

Dem Mobiltelefonhersteller droht laut Branchenexperten der Verlust seines größten Kunden Nextel

Die geplante Großfusion auf dem US-Mobilfunkmarkt wird voraussichtlich Nachteile für den Technologiekonzern Motorola haben. Dem Mobiltelefonhersteller und Netzausrüster droht nach Ansicht von Branchenexperten der Verlust seines größten Kunden Nextel, wenn dieser mit dem Konkurrenten Sprint zusammengeht. Diese Sorge belastet den Motorola-Aktienkurs. Ende vergangener Woche gab er zwischenzeitlich um fast acht Prozent auf 16,34 Dollar nach.

Auf Nextel entfällt bislang jeweils knapp ein Fünftel des Umsatzes der Motorola-Sparten Handys und Netze. Die Mobilfunkgesellschaft nutzt als einziger Anbieter einen Standard, auf den sich Motorola spezialisierte und der Nextel lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal auf dem US-Markt bescherte. Dieser Standard (IDEN) machte es möglich, das Mobiltelefon gleichzeitig als Walkie-Talkie zu nutzen und so mit nur einem Knopfdruck eine Verbindung zu einer Gruppe von Leuten herzustellen. Dieser Dienst brachte Nextel sehr viele Geschäftskunden ein und damit auch im Vergleich zu den Konkurrenten überdurchschnittlich hohe Durchschnittsumsätze pro Nutzer.

Der Fusionspartner Sprint betreibt sein Netz dagegen mit einem völlig anderen Standard (CDMA). Analysten erwarten, dass Nextel seine Kunden nach und nach auf diese Konkurrenztechnik umstellen wird, da dieser weiter verbreitet und deutlich vielseitiger ist. Unklar ist aber, ob der Walkie-Talkie-Dienst dann weiterhin angeboten werden kann.

Lieferanten für diesen Netzstandard sind hauptsächlich die Konzerne Lucent und Nortel. Motorola spielt auf diesem Markt dagegen kaum eine Rolle. Der Verlust des Geschäfts mit dem IDEN-Standard, der Motorola einen Umsatz von mehr als drei Mrd. Dollar jährlich bringt, würde den Jahresgewinn um mindestens acht Cent je Aktie in den nächsten drei Jahren schmälern, schreibt Ehud Geldblum, Analyst bei der Investmentbank JP Morgan. Das würde etwa zehn Prozent des für 2004 prognostizierten Gewinns pro Aktie entsprechen.

Motorola rechnet bereits seit längerem mit sinkenden Umsätzen im Geschäft mit dem IDEN-Standard, da dieser ungeeignet ist für die Mobilfunkdienste der Zukunft wie das Surfen im mobilen Internet mit hoher Geschwindigkeit. Nach Ansicht von Analysten wird die Fusion von Nextel und Sprint den Umsatzrückgang im IDEN-Geschäft deutlich beschleunigen.

Diese Befürchtungen werfen einen Schatten auf die ansonsten positive Entwicklung von Motorola. Der Konzern glänzte in den vergangenen Quartalen unter Ed Zander, der Anfang des Jahres den Chefsessel übernommen hatte, mit steigenden Gewinnen. Mit einer großen Auswahl neuer Handymodelle will Motorola zudem im Weihnachtsgeschäft punkten und Marktanteile gewinnen. Zuletzt rutschte der US- Konzern vom zweiten auf den dritten Platz unter den weltgrößten Herstellern ab. Der südkoreanische Konzern Samsung überholte Motorola.

Um flexibler agieren zu können, ordnet Zander nun die Geschäftsbereiche neu. Das Unternehmen werde in vier Geschäftsbereiche gegliedert und erhält damit eine flachere Struktur, teilte Motorola gestern mit. Die Sparten seien Personal Devices, Networks, Government und Enterprise sowie Connected Home. Die Neuorganisation soll während des ersten Quartals abgeschlossen sein.

Themenseiten: Business, Telekommunikation

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