Microsoft sucht bei US-Senat Schutz vor EU

"Sie glauben, dass das Vorgehen der Europäischen Union ungewöhnlich und falsch ist"

Im Streit mit der EU- Kommission über mutmaßliche Kartellverstöße sucht der Software- Konzern Microsoft nach Angaben aus US-Kreisen die Unterstützung von US-Senatoren. Microsoft-Lobbyisten seien an Mitglieder des Justizausschusses des Senats herangetreten, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag aus Senats-Kreisen in Washington. „Sie glauben, dass das Vorgehen der Europäischen Union ungewöhnlich und falsch ist und sie wollen, dass so viel Druck wie möglich auf (EU-Wettbewerbskommissar Mario) Monti ausgeübt wird“, hieß es. Ein Sprecher von Microsoft nahm zu spezifischen Diskussionen mit US-Abgeordneten nicht Stellung. Er sagte jedoch, der Konzern führe seit Jahren einen Dialog mit Mitgliedern des Kongresses über Kartellfragen.

Die Europäische Kommission wirft Microsoft anhaltende Kartellverstöße vor und plant eine Geldstrafe. Die Wettbewerbshüter hatten Anfang August zudem mögliche Auflagen für den weltgrößten Software-Hersteller angekündigt. Diese sollen das Unternehmen nach Angaben aus Kreisen in Brüssel daran hindern, seine dominante Marktposition zum Schaden von Konkurrenz und Verbrauchern zu missbrauchen. Nach Angaben aus mit der Situation vertrauten Kreisen soll die Kommission Microsoft am 12. November anhören.

Bei einem Treffen vor etwa einem Monat seien unter anderem Mitglieder des Stabes vom Vorsitzenden des Justizausschusses, dem republikanischen Senator Orrin Hatch aus Utah, und des ranghöchsten demokratischen Senators dort, Patrick Leahy aus Vermont, anwesend gewesen, hieß es in den Senats-Kreisen. Die Lobbyisten hätten die möglichen EU-Sanktionen mit der EU- Entscheidung von 2001 verglichen, den Kauf von Honeywell International durch General-Electric zu untersagen. US-Vertreter hatten damals die Frage gestellt, ob die EU bei ihrer Entscheidung nicht eher am Schutz von heimischen Firmen als an der Förderung des Wettbewerbs interessiert gewesen seien.

Die Kommission kritisiert unter anderem, dass Microsoft sein Medienprogramm Media Player nur als Teil des Betriebssystems Windows ausliefert. Um dies zu ändern, stellt die EU-Kommission das Unternehmen vor die Wahl: Entweder müsse Microsoft den Media Player aus Windows ausgliedern und auch eine Windows-Version ohne Media Player anbieten. Oder das Unternehmen müsse konkurrierende Medienprogramme als Teil von Windows zulassen.

Microsoft hat darauf hingewiesen, dass es im Rahmen des Kartellstreits in den USA bereits auf Wettbewerbsbedenken der EU-Kommission reagiert habe. Die Kommission hat dagegen erklärt, es handle sich um getrennte Fälle und daher könnten die Zugeständnisse, die Microsoft in den USA gemacht habe, nicht alle Bedenken der Kommission ausräumen. Im Kartellstreit in den USA hatte sich Microsoft Ende 2001 mit der US-Regierung auf einen Vergleich geeinigt, dem sich mittlerweile fast alle der ebenfalls klagenden Bundesstaaten angeschlossen haben. Auch in den USA war dem Konzern ein Missbrauch seiner Marktmacht mit Windows vorgeworfen worden.

Sollte Microsoft in Europa Windows ohne Media Player ausliefern müssen, stünde der Konzern vor die Wahl, dies entweder auch in den USA zu tun oder zwei verschiedene Versionen des Betriebssystems herauszubringen. Microsoft habe in den USA im Kartellstreit große Fortschritte gezeigt, verlautete am Donnerstag aus den Senats-Kreisen. „Wenn sie zwei verschiedene Betriebssystem anbieten müssten, wäre es für sie ein Albtraum.“

Themenseiten: Business, Microsoft, Software

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12 Kommentare zu Microsoft sucht bei US-Senat Schutz vor EU

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  • Am 24. Oktober 2003 um 11:02 von egal

    Sie werden die Monti und die EU schon in die Knie zwingen.
    Wenn erstmal
    "so viel Druck wie möglich auf (EU-Wettbewerbskommissar Mario) Monti ausgeübt" wird,
    werden die Lobbyisten in der EU den Druck erhoehen und einmuetig dem Monopol
    zur Seite stehen.

    Warum wird denn das Geld von grossen Firmen
    weiterhin grosszuegig nach Redmond gepumpt
    wahrscheinlich auf Kosten von Arbeitsplaetzen in der EU
    http://www.zdnet.de/news/software/0,39023144,39116705,00.htm
    und zementiert dadurch aktiv das proprietaere .doc und .xls Format?

    Warum hilft denn u.a. der deutsche Onlineprovider schlechthin:
    http://www.zdnet.de/news/business/0,39023142,2138877,00.htm
    das WMA Format zu zementieren und den Gebrauch des
    Mediaplayers zusammen mit dem IE als alleiniges Programm
    zum Abspielen von Multimediainhalten zu etablieren.
    Alles andere, wie z.B. iTunes wird in uebelster Weise unter
    Beschuss genommen:
    http://www.pcwelt.de/news/software/34899/

    Warum sind den die meisten Onlinezugaenge zu den Banken fest an IE und das dazugehoerende BS aus Redmond gebunden und lassen dem Kunden keine Wahl?

    Ich kann es nur nochmal wiederholen:
    Bei der Ansammlung von Lobbyisten in der Politikerschaft in ganz Europa ist es schon
    erstaunlich das es ueberhaupt diese Massnahme gibt.
    Normalerweise greift da Kartellamt und andere Behoerden mit voller Haerte zu, wenn mal ein paar Zementhaendler sich bei einer Preissynchronisierung erwischen lassen(echter Vorfall, kann jeder der will selbst nachrecherchieren).

    Aber bei dem allergroessten Monopol aller Zeiten, das den normalen Benutzer gaengeln, durchleuchten und bestimmen kann da sind diese Instanzen blind. Im Gegenteil es werden von oeffentlichen Einrichtungen, Behoerden und Banken Zugangsbedingungen zu essentiellen Diensten im e-Government Bereich beschlossen und eingerichtet die ausschliesslich das Betriebssystem aus Redmond vorsehen.

    Bei sowenig Sinn der Politiker und aller
    anderen dafuer verantwortlichen Stellen fuer die eigene Autonomie und Unabhaengigkeit staatlicher und unternehmenskritischer Bereiche, ist jetzt schon einem _einzelnen_ US-amerikanischen Unternehmen alles ohne
    Schutz ausgeliefert.

    Und wenn das neue Patentrecht greift, dann koennen wir uns auf jeden Fall schonmal auf den Verlust des groessten Teils der IT-Arbeitsplaetze in Europa einrichten
    und darauf zu Zahlen, als Gebuehrenzahler, nach Redmond – netto – ohne dass in der EU auch nur ein Arbeitsplatz dadurch geschaffen wird.

    Aber die Politiker in der EU machen es wie immer, sie verneigen sich vor
    soviel Macht und soviel Geld.

    Und wenn der US-Senat als Schutz dabei ist, kommt die Angst der EU Politiker dazu.

    • Am 26. Oktober 2003 um 9:28 von Staringer

      AW: Sie werden die Monti und die EU schon in die Knie zwingen.
      Tja- Geld regiert die Welt …und so wollen wir es ja auch haben!!??
      So war es, so ist es, und so wird es immer sein.!

    • Am 26. Oktober 2003 um 11:50 von egal

      AW: AW: Sie werden Monti und die EU schon in die Knie zwingen.
      Auf welchem BS laufen nochmal die Computerwaehlgeraete?

      Und wer kann auf diese Geraete jederzeit zugreifen, wenn sie vernetzt sind?

      Genau, die ‚Regierung‘, aber nicht die aus Wien, Berlin, Paris … oder Bruessel, sondern eher die aus Redmond, die stellt ja auch ‚Passport‘ aus.

      Viel Spass am naechsten Wahltag, jedem der noch Demokratie spielt, wenn er auf die Wahlspielkonsole drueckt.

      Stimmt, Geld regiert die Welt, das Geld einer _einzelnen_ us-amerikanischen Firma.

  • Am 24. Oktober 2003 um 21:39 von Gustav Grewe

    Der nächste Schritt: Eine Kriegserklärung?
    Die Reaktion des Software-Riesen aus Redmont lässt den Schluß zu, dass die Schritte der EU genau das Richtige sind. Der Streit um den lächerlichen Media-Player nimmt eine ganz andere Dimension an, wenn US-Politiker vor den Schinderkarren von MS gespannt werden. Den europäischen Verbrauchern soll das recht sein. Um so eher könnte der Fall dahin eskalieren, wo er für die Allgemeinheit nütztlich ist: In eine Grundsatz-Auseinandersetzung mit unerträglichen Monopolstrukturen. Die eigennützige US-Gesetzgebung ist für Europäer keine Bibel. Ein europäischer Weg ist denkbar und wünschenswert, mit hoffentlich wirkungsvollen Aktionen gegen die MS-Gängelei.
    Folgende Ziele sollten mittelfristig erreicht werden:

    1. Offenlegung des Windows-Quellcode.

    2. Zeitliche Limitierung von MS-Softwarepatenten, wenn der Weltmarktanteil eines Produkts von 50% überschritten wird.

    3. Auflage an MS, das Betriebssystem als nackte Version (ohne IE, ohne Media-Player usw) zu kontrollierten Preisen anzubieten.

    4. Offenlegung aller Daten und deren Wege, die ohne Willen des Users von Microsoft-Produkten in das Internet "gefunkt" werden.

    Besonders der Punkt 4 sollte von den EU-Behörden sehr genau geprüft werden. In keinem Sicherheitsbereich der EU dürfte ein Gerät mit MS-Software eingesetzt werden, wenn der Datenschutz nicht zur Makulatur verkommen soll..
    Eines ist sicher: Wir können uns bei den berechtigten Ängsten der Amerikaner um Ihren ertragreichsten Exportschlager auf einen gewaltigen Wirbel gefasst machen. Es sei denn, Herr Monti knickt vorzeitig ein. Unter fairen Bedingungen kann die Wirtschaft der EU gut Paroli bieten, man denke an die Flugzeugindustrie. Diese Bedingungen sind schnellstens zu schaffen.
    Heute jedoch fehlen sie noch, leider.

    • Am 25. Oktober 2003 um 10:29 von Vimes

      Offenlegung des Quellcodes ist unbedingt notwendig!
      Ich stimme meinem Vorschreiber in allen Punkten zu.
      Besonders aber ärgert mich, daß niemand überprüfen kann, welche "Patches" man sich da eigentlich ständig ins System holt, weil keiner den Quellcode einsehen kann! Ich verstünde davon eh (noch) zu wenig, aber es würde mich beruhigen, wenn sich ein paar Dutzend unabhängige Programmierer solche Patches mal in Ruhe ansehen könnten.

      Das M$-Monopol ist mir ein gigantischer Dorn im Auge. Zum Glück ist die neueste Version von Opera z.B. in der Lage, die meisten Webseiten, auch solche, die für IE optimiert sind, korrekt darzustellen, gerade im Homebanking-Bereich. Ein Segen!

      MfG
      Vimes

    • Am 26. Oktober 2003 um 4:00 von Wolfgang Schneider

      AW: Der nächste Schritt: Eine Kriegserklärung?
      Die groeste Furcht fuer MS ist; wenn EI und Media Player von Windows fuer die Europaeische Version getrennt wird, dann ist die Aussage unter Eid im Amerkanischen Gericht, das "ALLES" integriert ist (ie. "das kann nicht getrennt werden"), als Falschaussage unter Eid (perjury) geleistet.
      Dann wird MS nicht nur einen Schlag auf die Finger bekommen!

  • Am 27. Oktober 2003 um 9:54 von Paternoster

    Warum mit Halsabschneidern weiterkasperln -> Aussteigen!!
    Warum machen nicht alle einfach von ihrer freien Wahl Gebrauch und vergessen endlich M$, wenigstens in allen öffentlichen Bereichen und im Geschäftsleben. Ansonst wird dort doch auch wo immer möglich gespart, aber M$ stopfen alle das Geld in den Rachen. Es ist unerhört, wie M$ weltweit mit der Politik klüngelt und das Geld von den Steuerzahlern einsammelt. Neueste Meldung: M$ macht 1/3 Gewinn vom Umsatz: Welches seriöse Unternehmen schafft das? Das schaffen höchstens mafiöse Vereinigungen.

    • Am 27. Oktober 2003 um 12:54 von Huxilio

      AW: Warum mit Halsabschneidern weiterkasperln -> Aussteigen!!
      ist M$ beinahe die einzige Softwarefirma, die Jahr für Jahr Gewinne macht, während andere Konkurs gehen.

      Und sie schreckt offenbar vor schlicht gar Nichts zurück, damit dies auch so bleibt.

      Es ist nur zu hoffen, dass die EU genug Mumm hat, ihr die Stirn zu bieten!

      Empfehlenswerte Lektüre die USA betreffend ist übrigens – neben dem obligatorischen "Stupid White Men" – das Buch "Weltmacht USA – Ein Nachruf", von Emmanuel Todd…

      Power, Corruption & Lies allüberall.

      Sind da Verschwörungstheorien wirklich so abwegig?

  • Am 27. Oktober 2003 um 10:48 von U. Pesch

    Microsoft vs. EU
    Es ist schwierig, hier keine Polemik zu entwickeln. Schließlich sind wir alle der Marketingmacht dieses Unternehmens erlegen.
    Ich kann nur hoffen, dass Microsoft sich nicht ändert, denn dann ziehen sie automatisch die Schlinge um ihren Hals immer fester. Wer ein Betriebssystem mit zigtausenden von Fehlern herausbringt (das stelle man sich mal bei einem Maschinenbauer oder einem Autohersteller vor!) und dann auch noch die so wichtig gewordenen Online-Werkzeuge mit ebensovielen Fehlern auf den Markt bringt, der wird sich selbst irgendwann aus dem Geschäft katapultieren. Das ist nur eine Frage der Zeit. Wenn sogar die US-Regierung mittlerweile der Ansicht ist, dass Micosoft´s Programme eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen könnten, dann steht´s nicht mehr so gut um diese Firma. Ich hoffe nur, dieser Trend hält an und noch viel mehr Regierungen und große Unternehmen wenden sich von dieser Firma ab. Deren Handeln soll und kann nicht ungestraft bleiben, ist zumindest meine Ansicht. Warum eigentlich soviele Fehler? Ganz so helle wie sie es gerne mit ihrer Marketingmaschinerie vorgeben sein zu wollen, können die doch garnicht sein, oder? Wir werden sehen. Ich für meinen Teil nutze bspw. seit Monaten nur noch Mozilla als Browser und bin extrem von dessen einfacher Bedienbarkeit und Zuverlässigkeit begeistert. Und das Programm ist auch noch kostenlos.
    Ohne allzuviel politisieren zu wollen: die EU darf sich nicht in die Knie zwingen lassen. Das wäre ein Armutszeugnis für sie. Es fehlt nur noch ein Quäntchen Ausdauer und Europa hat sowieso das Welthandelsspiel gewonnen. Das wissen "die Anderen" – und gebärden sich genau deshalb so wie sie es gerade tun.

  • Am 27. Oktober 2003 um 14:43 von Normalbürger

    Schlagen Sie noch fester drauf Herr Monti.
    Wenn schon die Lobbyisten es für MS richten müssen, ist Herr Monti genau auf dem richtigen Weg. Deswegen: Holen Sie den größten Knüppel aus dem Sack den Sie finden können und schlagen so fest und so lang es geht auf die Bestie ein. Den Segen von uns Europäern haben Sie.

  • Am 27. Oktober 2003 um 14:44 von DerDurchblick

    M$, Scientology, Bush & Co
    verpisst Euch wieder zurück über den Teich.

    Und wenn UK weiter so schräg agiert, Außenbordmotor an die Insel und ab zu den Yankees…. ;-))

    • Am 29. Oktober 2003 um 11:13 von detonator

      AW: M$, Scientology, Bush & Co
      oder aber:
      schmeisst eine bombe in alle meetings
      der linux-pisser.
      mich zwingt keiner, den dreck zu benutzen.

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