USA gehen IPv4-Adressen aus

Die für die Vergabe zuständige ARIN kann nicht mehr alle Anfragen erfüllen. ISPs erhalten neue Adressen nur noch alle 90 Tage in Blöcken zu bis zu 512 Adressen. Größere Blöcke sind zu Preisen von 7 bis 8 Dollar pro Adresse nur noch auf dem freien Transfermarkt erhältlich.

Der Bestand an freien IPv4-Adressen in den USA, Kanada und zahlreichen Inseln im Nordatlantik und der Karibik ist nahezu aufgebraucht. Seit Mittwoch kann die für die Vergabe zuständige American Registry for Internet Numbers (ARIN) nicht mehr alle Anfragen nach freien IP-Adressen erfüllen, wie Ars Technica berichtet. Als Folge hat sie eine neue Richtlinie für die Vergabe von IPv4-Adressen eingesetzt.

NetzwerkInternet Service Provider können dem Bericht zufolge nun entweder kleinere Blocks von 256 oder 512 Adressen akzeptieren oder sich auf eine Warteliste setzen lassen, um einen eventuell frei werdenden Block in der von ihnen gewünschten Größe zu erhalten. Alternativ können sie aber auch von einer Organisation, die noch nicht alle ihr zugewiesenen Adressen verbraucht hat, IPv4-Adressen kaufen.

ARIN-CEO John Curran weist laut Ars Technica darauf hin, dass ISPs, die sich jetzt für einen kleineren Block entscheiden, erst nach Ablauf von 90 Tagen weitere IPv4-Adressen anfordern können. „Wir haben nur noch etwa 500 kleine Blöcke übrig, erhalten aber 300 bis 400 Anfragen pro Monat. Die verbliebenen Blöcke reichen also nur noch für zwei bis vier Wochen.“ ISPs sollten sich an den Gedanken gewöhnen, IPv4-Adressen künftig auf dem Transfermarkt zu kaufen.

Den freien Markt für IPv4-Adressen sieht Janine Goodman, Vizepräsidentin des Händlers Avenue4, als ein wichtiges Instrument an, um mehr Zeit für die Umstellung auf IPv6 zu erhalten. „Organisationen sind nicht bereit, IPv6 morgen einzuschalten. Das wird einige Jahre dauern.“ Ein Transfermarkt erlaube einen geregelten Übergang und verhindere Panikreaktionen.

Allerdings kosten größere Blöcke von 65.536 Adressen in der ARIN-Region zwischen 7 und 8 Dollar pro Adresse. In anderen Regionen mit weniger verfügbaren Adressen seien die Preise sogar höher, so Goodman weiter. „Wir gehen davon aus, dass der IPv4-Markt für mindestens drei bis fünf Jahren bestehen wird. In dieser Zeit werden die Preise steigen und schließlich mit der zunehmenden Verbreitung von IPv6 wieder sinken.“

Schon vor rund einem Jahr hatte die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) die Netzwerkbetreiber weltweit aufgefordert, auf das neue Internetprotokoll IPv6 umzusteigen. Grund dafür ist, dass IPV4 „nur“ 4.294.967.296 Internetadressen ermöglicht. 4,3 Milliarden Adressen sind aber für die vielen neuen Geräte im Markt wie Smartphones, Tablets und Wearables nicht genug. IPv6 dagegen stellt 340 Sextillionen Adressen zur Verfügung – genauer gesagt 340.282.366.920.938.463.463.374.607.431.768.211.456 Adressen. Dies sollte auch für das „Internet der Dinge“ reichen, in dem jeder Kühlschrank und jeder Toaster eine eigene IP-Adresse besitzen könnte. Allerdings erfordert IPv6 neue Hardware, neue Software und zahlreiche Tests, was die Einführung bis heute hemmt.

Laut Google ist Belgien mit einem Anteil von 34,86 Prozent derzeit führend bei der Umstellung auf IPv6, gefolgt von der Schweiz (21,22 Prozent) und den USA (21,13 Prozent). In Deutschland liegt der Anteil bei 15,39 Prozent. Weltweit greifen aber erst 6,45 Prozent aller Nutzer per IPv6 auf Googles Angebote zu.

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