Konzernumbau: SAP legt Abfindungsprogramm in Deutschland auf

Weltweit will der Walldorfer Softwarekonzern drei Prozent des Personals abbauen. Hierzulande fallen voraussichtlich mehrere Hundert Stellen weg. Mit dem in der kommenden Woche startenden Abfindungsprogramm sollen Mitarbeiter zum freiwilligen Wechsel bewegt werden.

SAP startet in der kommenden Woche ein Abfindungsprogramm in Deutschland, mit dem es Mitarbeiter zu einem freiwilligen Arbeitsplatzwechsel bewegen will. Das bestätigte Wolfgang Fassnacht, Personalchef von SAP Deutschland, gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Damit treibt der Walldorfer Softwarekonzern seinen Umbau voran, in dessen Rahmen weltweit drei Prozent der Stellen wegfallen sollen, allein einige Hundert in Deutschland.

SAP-Zentrale in Walldorf (Bild: SAP)Die aktuelle Planung sieht vor, dass rund 700 Angestellte über 55 Jahre in den Vorruhestand wechseln. Weiteren 900 Mitarbeitern will das Unternehmen Aufhebungsverträge anbieten. Da der Altersschnitt von SAP Deutschland mit 42 Jahren über dem weltweiten Durchschnitt liegt, könnte Deutschland von der Vorruhestandsregelung besonders betroffen sein.

Auf betriebsbedingte Kündigungen will SAP aber offenbar vollständig verzichten. 2014 hatte der Konzern diese Möglichkeit zumindest nicht ausgeschlossen, im Anschluss jedoch keinen Gebrauch davon gemacht. Derzeit sind in Deutschland 17.673 Mitarbeiter beschäftigt, ein Großteil davon am Hauptsitz in Walldorf. Weil das Abfindungsprogramm auf Freiwilligkeit beruhe, könne man noch keine genauen Angaben zum hiesigen Stellenabbau machen, erklärte Fassnacht.

Anfang März waren aber schon konkrete Zahlen bekannt geworden. Wie die Agentur Reuters damals meldete, will der Konzern europaweit 1600 Mitarbeiter einsparen. Weltweit sollen es nach damaligem Stand etwa 2250 sein. Das würde für Europa – rund 30.000 Menschen sind in dieser Region bei SAP angestellt – einem Personalabbau von rund 7 Prozent entsprechen. Weltweit beträgt die Quote laut Ankündigung von SAP-Chef Bill McDermott 3 Prozent, was rund 2000 Mitarbeitern entspräche. Im Gegenzug soll aber wieder neues Personal in vergleichbarer Größenordnung eingestellt werden.

SAP ist derzeit dabei, sein Angebot an vielen Fronten umzubauen. Dazu zählt auch ein modifiziertes Vertriebsmodell – weg vom Verkauf von fest installierter Software hin zu einem Abonnementmodell, bei dem Unternehmen Software-Dienstleistungen aus der Cloud beziehen. Die Umstellung in Bereichen wie In-Memory, Mobile oder Cloud sorgen offenbar für Überbesetzungen in einigen traditionellen Sparten.

Erstmals bekannt wurden die Pläne für einen erneuten Arbeitsplatzabbau Ende vergangenen Jahres. Damals erklärten SAP-Vertreter, dass die Mitarbeiterzahl von SAP insgesamt steigen werde, denn man sei in anderen Bereichen auf der Suche nach neuen Fachkräften. So wolle SAP etwa beim Cloud-Computing „entlang der gesamten Wertschöpfungskette“ neue Stellen schaffen, wie Fassnacht jetzt betonte. Daher bestehe für einige Mitarbeiter auch die Möglichkeit, in andere Positionen innerhalb des Konzerns zu wechseln. Ist das aber nicht möglich oder vom Mitarbeiter nicht gewünscht, kann er sich für eine Abfindung entscheiden.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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