Prozess: Silk Road wurde mehrfach von Hackern erpresst

Ein Erpresser erhielt laut Buchhaltung 15.000 Dollar. Er wollte sonst eine Sicherheitslücke offenlegen. Ein anderer erpresste mit einer angedrohten DoS-Attacke 10.000 Dollar. Diese Ermittlungsergebnisse hat ein Fahnder im Zeugenstand öffentlich gemacht.

Im laufenden Prozess gegen den vermuteten Betreiber des Darknet-Marktplatzes Silk Road ist bekannt geworden, dass dieser von Hackern erpresst wurde und in mindestens zwei Fällen den Forderungen der Erpresser nachgab. Das berichten Beobachter der Verhandlung vom Mittwoch, beispielsweise Computerworld.

Logo Silk Road (Screenshot: ZDNet.com)
Angreifer hatten gedroht, den Marktplatz durch Denial-of-Service-Angriffe lahmzulegen oder Schwachstellen öffentlich zu machen. Mit solchen Drohungen sehen sich bisweilen auch legale Angebote konfrontiert, die wenigstens auf Unterstützung durch Gesetzeshüter hoffen können. Anders Silk Road, das 2012 und 2013 Zahlungen an Erpresser leistete.

Der Zeuge, der die Erpressung jetzt öffentlich gemacht hat, ist Special Agent Gary Alford vom US Internal Revenue Service – also ein Steuerfahnder. Er hat selbst davon aus beschlagnahmten Mails an den Angeklagten Ross Ulbricht erfahren, die er als Teil der behördlichen Ermittlungen sichtete.

Alford bezeugte, ein Hacker habe 5000 Dollar verlangt, dafür dass er eine ernste Sicherheitslücke in der E-Commerce-Plattform nicht öffentlich mache. Für 15.000 Dollar war er bereit, die Lücke so detailliert zu beschreiben, das sie geschlossen werden konnte. Einer Excel-Bilanztabelle zufolge wurden ihm wenig später 15.000 Dollar überwiesen. Ein anderer Hacker, der mit DoS-Angriffen gedroht hatte, erhielt 10.000 Dollar.

Silk Road war im September 2013 beschlagnahmt worden. (Screenshot: News.com)

Im laufenden Prozess gegen Ross William Ulbricht in Manhattan plädiert der Angeklagte auf nicht schuldig. Er bestreitet, der Administrator mit dem Handle „Dread Pirate Roberts“ von Silk Road gewesen zu sein. Er habe die Site zwar gegründet, aber an Dritte übergeben, lautet seine Argumentation. Diese Woche wurde er aber durch einen früherer College-Freund und heutigen Softwareentwickler bei Ebay belastet. 2011 will Richard Bates eine von Ulbricht angebotene Position als Administrator von Silk Road abgelehnt haben. Er habe aber mit ihm Pläne über den Aufbau einer Bitcoin-Wechselbörse geschmiedet, die potenziell für Geldwäsche hätte genutzt werden können – die Gewinne daraus sollten im Verhältnis 60 : 40 zugunsten Ulbrichts aufgeteilt werden. Bates erklärte, aufgrund seines eigenen Jobs sei es aber nie zu einer solchen Zusammenarbeit gekommen. Lediglich aus freundschaftlicher Verbundenheit heraus habe er bei der Programmierung von Silk Road geholfen.

Ulbricht soll einen Anteil an jeder Transaktion auf der Plattform verlangt haben, was ihm Millionen einbrachte. Mehr als 100.000 Menschen nutzten den illegalen Marktplatz angeblich. Zum Zeitpunkt der Schließung, also im Herbst 2013, habe es dort 13.000 Angebote für Drogen gegeben, darunter Cannabis, Ecstasy, Opiate, psychedelische Drogen und Stimulanzien.

Parallel gibt Wired die Zeugenaussage eines Drogenhändlers wieder, der auf Silk Road aktiv war. In den sechs Monaten zwischen April und September 2013 handelte der 40-jährige Mann namens Michael Duch über 2400 Heroin-Bestellungen ab und verkaufte fast 32.000 Einzelpakete zu 10 Milligramm. Mit Einnahmen zwischen 60.000 und 70.000 Dollar monatlich finanzierte er unter anderem seine eigene Heroinsucht.

[mit Material von Charlie Osborne, ZDNet.com]

Themenseiten: E-Commerce, Gerichtsurteil

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