AMD Ontario: Muss sich Intels Atom geschlagen geben?

AMD bringt seine ersten Prozessoren mit integrierter Grafikeinheit auf den Markt. Mit einer sehr guten 3D-Performance sollen die Lösungen gegenüber Intels Atom punkten. Die CPU-Leistung ist allerdings weniger beeindruckend.

„The Future is Fusion“ – hat sich AMD bereits vor einiger Zeit auf die Fahnen geschrieben. Gemeint ist die Kombination von CPU und GPU auf einem Chip – eine der Triebfedern hinter der milliardenteuren Übernahme des Grafikspezialisten ATI.

Nach zahlreichen Verzögerungen hat die Zukunft heute begonnen: Die unter den Namen Ontario und Zacate bekannten Chips vereinen erstmals bei AMD CPU und GPU auf einem Die. Der Hersteller spricht daher nicht mehr von einer CPU, sondern von einer APU (Accelerated Processing Unit).

Ontario und Zacate gehören zur Brazos-Plattform, die neben den APUs auch einen Fusion Controller Hub enthält, der Schnittstellen wie USB nach außen führt. Ontario ist mit einer TDP von 9 Watt für Netbooks konzipiert, Zacate mit 18 Watt TDP soll in dünnen und leichten Notebooks sowie Einsteiger-Desktops zum Einsatz kommen.

Verfügbare Varianten

Mit Brazos verabschiedet sich AMD von echten Modellnamen wie Athlon, Phenom und Opteron. Die neuen Chips werden nur noch mit einer Modellnummer (C oder E) gekennzeichnet. Alle APUs haben die gleiche Architektur, unterscheiden sich aber hinsichtlich der Zahl der Kerne sowie der CPU-GPU-Taktfrequenzen.

Überraschenderweise sind die Single-Core-Versionen mit derselben TDP angegeben wie die Doppelkerne. Der Hersteller geht aber ohnehin davon aus, dass sie eher selten zum Einsatz kommen. Die APUs unterstützen DDR3/1066-Speicher und verfügen über eine PCI-Express-2.0-Schnittstelle zur Anbindung einer diskreten Grafik.

Wie die Tabelle zeigt, sind CPU und GPU der C-Serie deutlich niedriger getaktet als bei der E-Serie. Das dürfte sich in der Leistung niederschlagen.

APUs der Brazos-Plattform

  CPU-Takt CPU-Kerne L2-Cache GPU-Takt TDP
AMD E-350 1,6 GHz 2 1 MByte 492 MHz 18 Watt
AMD E-240 1,5 GHz 1 0,5 MByte 500 MHz 18 Watt
AMD C-50 1,0 GHz 2 1 MByte 276 MHz 9 Watt
AMD C-30 1,2 GHz 1 0,5 MByte 277 MHz 9 Watt

Neben der APU können OEMs aus drei Fusion Controller Hubs wählen. Mit wachsender Zahl der Features und Schnittstellen geht auch die TDP nach oben.

Fusion Controller Hubs

  Gigabit-Ethernet SATA RAID HD-Audio PCI-E 2.0 USB 2.0/1.1 TDP
Hudson M1 (Mainstream) ja 3 x 3 GBit/s nein ja 2 x 1x 8/2 4,3 Watt
Hudson M1 (Ultrathin) ja 2 x 3 GBit/s nein ja 1 x 1x 8/2 4,1 Watt
Hudson M1 (Lowest) ja 1 x 3 GBit/s nein ja nein 3/1 2,7 Watt

AMD greift für die APUs nicht auf eine weitere Revision des K8-Kerns zurück, sondern hat mit Bobcat ein neues, stromsparendes Rechenwerk entwickelt. Im Gegensatz zum Atom bietet Bobcat Out of Order Execution, was die Pipelines der CPU besser auslastet und so die Performance steigert. Intel verzichtet auf das Feature, da der Leistungszuwachs deutlich unter dem zusätzlichen Stromverbrauch liegt. Zur Auslastung der Pipeline setzt Intel stattdessen auf Hyperthreading, was der Bobcat-Core nicht beherrscht. Bobcat unterstützt den X86-64-Befehlssatz sowie SSE 1 bis 3. Neuere Varianten wie AVX oder hardwarebeschleunigte AES-Verschlüsselung bleiben aber außen vor. Hardwaregestützte Virtualisierung soll aber implementiert sein.

Die GPU-Komponente basiert auf AMDs Radeon-Architektur und unterstützt wie diese DirectX 11. Die Grafikeinheit der E-Serie wird als Radeon HD 6310 bezeichnet, die der C-Serie als 6250. Letztere ist deutlich niedriger getaktet, was die geringere TDP möglich macht.

Themenseiten: AMD, Client & Desktop, Prozessoren

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