Niederlage für die Telekom

Gericht soll Ansprüche auf PTC-Aktien zurückgewiesen haben

Nach Angaben aus mit der Situation vertrauten Kreisen hat die Deutsche Telekom eine seit Jahren schwebende juristische Auseinandersetzung um den Kauf eines Aktienpakets an dem polnischen Mobilfunkunternehmen PTC verloren. Damit haben die Hoffnungen des Bonner Konzerns auf eine mehrheitliche Übernahme des hochprofitablen Unternehmens binnen der nächsten Zeit einen Dämpfer erhalten.

Aus den Kreisen verlautete am Donnerstag, die Telekom habe keinen Anspruch auf ein Aktienpaket, das ihr die Mehrheit bei PTC sichern würde. „Das Gericht hat erklärt, dass es nicht zuständig ist und hat die Telekom-Ansprüche auf die PTC-Aktien zurückgewiesen“, hieß es in den Kreisen weiter. Die Telekom hatte für sich eine Kaufoption auf das Aktienpaket reklamiert, die ihr jedoch den Kreisen zufolge per Gerichtsentscheid nicht zusteht.

Die Deutsche Telekom hält 49 Prozent an PTC und lehnte eine Stellungnahme ab. Mehrheitlich gehört PTC zu 51 Prozent einem Gemeinschaftsunternehmen des polnischen Mischkonzerns Elektrim und dem französischen Mischkonzern Vivendi Universal, Elektrim Telekomunikacja (ET). Dieses wiederum wird mehrheitlich von Vivendi kontrolliert. In dem seit dem Jahr 1999 laufenden Verfahren vor einem internationalen Schiedsgericht geht es um die Übertragung eines großen Aktienpaketes an PTC aus dem Besitz von Elektrim an das mit Vivendi gemeinsam geführte Unternehmen ET. Durch diese Übertragung wurde ET zum Großaktionär bei PTC. Die Telekom hielt diesen Aktientransfer für unrechtmäßig und verklagte Elektrim deshalb zunächst vor einem polnischen Gericht, verlor aber den Prozess. Deshalb rief die Telekom das Schiedsgericht an.

Das Schiedsgericht entschied nun zwar, dass der Aktientransfer unrechtmäßig war, wie Elektrim am Abend bestätigte. Deshalb forderte das Gericht den polnischen Konzern auf, binnen zwei Monaten die PTC-Aktien von ET zurückzukaufen. Andernfalls mache sich Elektrim schuldig, als PTC-Miteigentümer eine Gesellschaftervereinbarung mit der Telekom zu brechen, zitierte Elektrim aus dem Schiedsurteil. In den Kreisen hieß es jedoch, Vivendi werde den Rücktransfer der Aktien verhindern.

Der Schiedsgerichtsentscheid ist insgesamt aber eine Niederlage für die Telekom. Denn das Gericht verpflichtete Elektrim nur zum Rückkauf der Aktien, machte es aber nicht zur Auflage, die zurückerworbenen Aktien an die Telekom zu verkaufen. Grundsätzlich hat sich Elektrim zwar in der Vergangenheit bereit erklärt, der Telekom eigene PTC-Anteile zu verkaufen. Denn der polnische Konzern ist hochverschuldet und muss im kommenden Jahr fällige Anleihen über rund 440 Millionen Euro zurückzahlen. Verhindert haben jedoch die Anleihegläubiger einen Verkauf an die Telekom, da die in ET eingebrachten PTC-Aktien als Sicherheit für ihre Anleihen dienen.

Bereits in den vergangenen Jahren hat die Telekom im Übernahmepoker um PTC zahlreiche Niederlagen eingesteckt. Ihre Versuche, durch Vorkaufsrechte und Kaufangebote die Macht bei PTC zu übernehmen, um den Anbieter vollständig konsolidieren zu können, schlugen immer fehl. Zuletzt bot der Bonner Konzern Vivendi und Elektrim für die Übernahme aller ihrer PTC-Anteile 1,3 Mrd. Euro, was Analysten als fairen Preis bewerteten. Diese Offerte legte die Telekom allerdings nach monatelangen, ergebnislos verlaufenen Verhandlungen im September auf Eis. Vor der Wiederaufnahme von Verhandlungen wollten alle Beteiligten den Ausgang des Schiedsverfahrens abwarten. In der Hoffnung auf einen positiven Schiedsspruch hatte sich die Telekom bei der EU bereits die Genehmigung zur vollständigen Übernahme von PTC durch die Ausübung der reklamierten Kaufoption in Höhe von rund 300 Millionen Euro geholt. Nach dem für die Telekom enttäuschend verlaufenen Schiedsverfahren ist nun damit zu rechnen, dass die drei PTC-Aktionäre Telekom, Elektrim und Vivendi ihre unterbrochenen Verhandlungen über einen Verkauf wieder aufnehmen werden.

An der Börse schlossen die Telekom-Aktien bei schwachem Gesamtmarkt 1,2 Prozent im Minus bei 16,25 Euro. Elektrim-Papiere gaben 1,8 Prozent auf 5,50 Zloty ab, Vivendi-Aktien gewannen 1,3 Prozent auf 22,86 Euro.

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