Systems 2004: Im Wettbewerb mit Hersteller-Events

Seit Jahren bemühen sich die Organisatoren der Systems-Messe redlich, sich den geänderten Bedingungen anzupassen. Doch wie schwer sich die Veranstalter auch in diesem Jahr mit Optimismus tun, zeigt dass sie sich weigern, Prognosen über Besucherzahlen abzugeben.

Mit zuversichtlicher Stimme belegte Messechef Klaus Dittrich im vergangenen Jahr, dass nun endlich das Tal der Tränen durchschritten sei. Mit 1300 Ausstellern seien die Erwartungen übertroffen worden und auch bei den Besucherzahlen habe es einen leichten Zuwachs gegeben. So ganz richtig war das nicht, denn nie – so hört man – wurden so viele Freikarten verteilt wie im Herbst 2003, und auch der Ausstellerzuwachs ergab sich nur, weil die Veranstalter ihre Prognose zwischenzeitlich auf 1150 nach unten korrigieren mussten. Nach den Maßstäben der Messebranche handelt es sich bei dieser Zahlenakrobatik allerdings um lässliche Abweichungen von der Wahrheit.

In diesem Jahr übt Dittrich seine Zuversicht wahrscheinlich lange vor dem Spiegel nach dem verzweifeltem Motto: „Die Krise ist vorbei, sie muss einfach vorbei sein, bitte, Herrgott lass sie endlich vorbei sein“. Wieder ist die Systems um eine Halle auf sechs geschrumpft und es wird schwer sein, die erhoffte Vorjahreszahl von 1300 Ausstellern zu erreichen, seit Microsoft seinen Stand von 1200 Quadratmetern auf etwas mehr als 60 Quadratmeter verkleinert und damit vor allem viele Partner quasi ausgeladen hat. Hinzu kommt, dass es nicht – wie geplant – gelungen ist, die Anbieter von digitaler Medientechnik in die Halle B1 zu locken, obwohl Besucher der gleichzeitig stattfindenden Medientage kostenlosen Zutritt erhalten. Der im vergangen Jahr groß als neuer Schwerpunkt angekündigte Medienbereich füllt daher gerade ein Viertel der Halle, so dass nun auch die Internet-Anbieter dort leicht Platz finden. Wie schwer sich die Veranstalter in diesem Jahr mit Optimismus tun, zeigt dass sie sich weigern, Prognosen über Besucherzahlen abzugeben.

Dabei bemühen sich die Systems-Organisatoren seit Jahren redlich, sich den veränderten Bedingungen anzupassen. Zerknirscht wurden die internationalen Ambitionen auf Mittel- und Osteuropa zusammengestutzt und zähneknirschend die Rolle als Regionalveranstaltung mit einem Einzugsradius von 500 Kilometern akzeptiert. Dieser Realismus führte dazu, dass im vergangenen Jahr die Bedürfnisse der meist mittelständischen Besucher erstmals wirklich ernst genommen wurden. Hier liegt der eigentliche Schwerpunkt der Messe. Es finden wieder die erfolgreichen Branchenrundgänge statt, ergänzt um „Musterfirmen“, in denen sich IT-Lösungen live erleben lassen. Adressiert wird die Kundschaft nicht mehr nur grob nach Kriterien wie Handel oder Fertigung. Angebote gibt es jetzt für Hotel und Gastronomie, Produktion, Logistik und Handel, Schulen und Behörden sowie Freiberufler wie Rechtsanwälte, Steuerberater und Ärzte. Beraten werden die Mittelständler vor allem in Sachen betriebswirtschaftlicher Software, Finanzierung und Security. In „gläsernen Teststudios“ müssen sich Peripheriegeräte beweisen. Hinzu kommt ein breites Vortragsangebot in den verschiedenen Foren. Fraktales Marketing nennen Fachleute diese zielgruppengenaue Ansprache, die auf der Systems noch durch interessenspezifische Unterveranstaltungen wie „Mobile Summit“ und „Communication World“ unterstrichen wird.

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