USA: Verlängerung der Frist für biometrische Pässe

Ab Oktober maschinenlesbare Reisepässe notwendig

Der amerikanische Präsident Bush hat die Frist für die Einführung von Biometrik-Pässen um ein Jahr verlängert. Eine Regelung des amerikanischen Ministeriums für innere Sicherheit sieht allerdings vor, dass für alle Einreisende ab 30. September 2004 die neuen Einreisebestimmungen, nach denen Fingerabdrücke und Digitalfotos verlangt werden, gelten, berichtete die NZZ.

Seit Jahresbeginn machen die USA an ihren Flughäfen Fingerabdrücke und Digitalfotos von allen Einreisenden, die ein Visum brauchen. Der amerikanische Kongress hatte ursprünglich eine Frist bis 26. Oktober 2004 für Biometrik-Pässe gesetzt. Das hätte die amerikanischen Botschaften aber mit Anträgen überschwemmt, befürchtete das Außenministerium in den USA. Weil kein Land der Welt es geschafft hätte, die Frist einzuhalten, hat sich die amerikanische Regierung selbst für eine Verlängerung der Frist ausgesprochen. Allerdings ist ab dem 26. Oktober ein maschinenlesbarer Reisepass notwendig, um von der Visumspflicht befreit zu werden. Zusätzlich wird die Aufnahme biometrischer Merkmale in die Reisepässe der USA-Besucher verlangt, teilte das amerikanische Außenministerium am Dienstag in Washington mit. Biometrische Merkmale sind beispielsweise Fingerabdrücke, Gesichtsgeometrie sowie Iris-Erkennung.

Vom Bush-Entscheid betroffen sind nun auch die 15 europäischen Staaten, unter anderem Österreich, Deutschland und die Schweiz, die schon vor 2004 EU-Mitglieder waren, sowie Andorra, Australien, Brunei, Japan, Monaco, Norwegen, Liechtenstein, Neuseeland, San Marino, Singapur und Slowenien. Sie alle sind Teilnehmer des „Visa Waiver Program“, deren Staatsbürger für Aufenthalte von bis zu 90 Tagen in den USA bisher in der Regel kein Visum brauchten. Die Schweiz plant nun, dem neuen Pass bei Bedarf einen Chip mit biometrischen Daten beizufügen.

Den ARD Nachrichten zufolge drängte aus europäischer Sicht bereits der Bundesminister Otto Schily Anfang Juni auf einen raschen Beschluss seiner europäischen Amtskollegen zur Einführung elektronischer Speicherchips in Reisepässen. Die Chips sollen mindestens zwei biometrische Daten festhalten. Ab 2005 werden in Großbritannien die Pässe Digitalfotos enthalten, aus denen einzigartige physische Merkmale ersichtlich werden. Etwas später werden dann Fingerabdrücke und Iris-Erkennung auf dem Chip gespeichert. Befürworter der Iris-Erkennung und Fingerabdrücke sind vor allem Frankreich, Italien, Großbritannien und Deutschland. Ab 2005 wird der Fingerabdruck für Reisevisa in die EU verbindlich.

Am Frankfurter Flughafen laufen diesen Sommer zwei Tests zur automatischen Personenerkennung durch biometrische Merkmale. Zum einen werden 2000 Mitarbeiter für den Zugang zu Sicherheitsbereichen anhand von Gesichtsform, Augeniris und Fingerabdrücken überprüft. Bei einer zweiten Versuchsreihe lassen sich Fluggäste beim Bundesgrenzschutz registrieren, um bei Grenzkontrollen mit Hilfe der computergestützten Iris-Prüfung schneller abgefertigt zu werden.

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2 Kommentare zu USA: Verlängerung der Frist für biometrische Pässe

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  • Am 13. August 2004 um 9:57 von Gummischuh

    BigBrother is watching you
    Supi,
    ich hoffe ja nur, daß die Reisepässe der Amis dann die gleichen Daten beinhalten und daß auch die Fluglinien die gleichen Passagierdaten zu uns übermitteln, die wir zuliefern müssen!
    sonst.. gleich wieder zurück mit dem Pack..

  • Am 13. August 2004 um 10:13 von Sprotte

    Biometrie in Pässen
    Na also, endlich ist es soweit: man kan als BürgerIn nicht mehr ungehindert reisen, ohne mit BigBrother-Methoden (und ich meine nicht die lustigen + hirntötenden Selbstdarstellungsorgien persönlichkeitsgestörter Profilneurotiker im Fernsehen!) verfolgt zu werden. Wie können wir doch in Zukunft solche "wohlmeinenden" Leute wie den "Herrn" Schily beglückwünschen! und erst uns selbst: wenn also demnächst feststellbar ist, wer wann welchen kommentar wo und mit wem abgegeben hat (europaweit) und dazu dann noch die entsprechenden Filmsequenzen der immer mehr (und ungefragt!) zunehmenden Überwachungskameras dazu gespielt werden können, erst dann haben wir ihn erreicht, den fats perfekten Überwachunsgstaat. Aber das alles dient natürlich nur dem Schutz des Bürgers, ist doch klar! Nein nein, keineswegs soll damit gegängelt werden, nein nein, keineswegs soll damit zur Not auch mal Druck gemacht werden können: "Na Müller, sie sind heute aber erst spät von zu Hause losgefahren, kein Wunder das sie zu spät zur Arbeit kommen – nicht nochmal, sonst entlasse ich sie!". Albtraum? Oh nein, irgendwie wird es dann auch schon (nach den medien- un kontrollgeilen Politikern) die Industrie schaffen, mit fadenscheinigen Vorwänden (siehe Kopierschutz…) jeden zu kontrollieren und zum Konsum anzuregen.

    Summa summarum: sollen sie, die USA, doch in ihrem eigenen Land vergammeln und verrecken, ich werde mich dort nicht zwangsweise biometrisch registrieren lassen. Und hier, in diesem meinem Land (mal sehen, wie lange noch…) werde ich dagegen angehen, mich kompromisslos und vor allen Dingen ohne persönliche Kontrollmöglichkeiten (meine Daten gehören so lange mir, wie ich mich korrekt verhalte, mich schon mal präventiv als Kriminellen zu behandeln ist ja schlimmer als zur Gestapo-Zeit!) überwachen zu lassen.

    Sprotte

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