Apotheker: Medikamente im Internet-Handel teurer

GKVs zahlen angeblich bei Doc Morris mehr als im stationären Handel

Der Internet-Medikamentenversender Doc Morris ist den deutschen Apotheken schon lange ein Dorn im Auge. Nun behauptet die Apothekenkammer Nordrhein, dass der Online-Shop den Krankenkassen teurer zu stehen komme als die öffentlichen Apotheken.

So zahlten die gesetzlichen Krankenkassen für das Bluthochdruck-Medikament „Delix protect 10mg Tabl. 100 Stück, N3“ genau 18,44 Euro mehr an Doc Morris als sie an eine deutsche Apotheke überweisen müssten. Die Rechnung im Detail: Den deutschen Apotheken wird pro N3-Packung von der GKV 77,39 Euro erstattet. Abgezogen sind hierbei die Abschläge der Apotheken auf den Verkaufspreis (zehn Prozent), vom Großhandel (drei Prozent) und vom Hersteller (sechs Prozent) sowie die Patientenzuzahlung von fünf Euro. Doc Morris erhalte hingegen 95,83 Euro vergütet. Genauso sei es bei dem Psychopharmakon-Präparat „Risperdal 0,5 mg, N1“. Die Apotheken erhielten 19,35 Euro, Doc Morris hingegen 26,05 Euro erstattet.

„Durch das Beitragssicherungsgesetz sind deutsche Apotheken preiswerter für die Krankenkassen als ausländische Internet-Anbieter. Trotzdem fördern und fordern die Krankenkassen den umstrittenen und zurzeit gesetzeswidrigen Versandhandel“, kommentiert der Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, Karl-Rudolf Mattenklotz, die eigenen Zahlen. Das Motiv sei eindeutig: Die Krankenkassen hätten sich zum Ziel gesetzt, das bewährte deutsche Apothekensystem mutwillig zu zerstören.

Indes sei bekannt geworden, dass Doc Morris den Krankenkassen seit dem 1. Januar 2003 die normalen Apotheken-Preise berechnet. Eine Rückvergütung am Jahresende gestaffelt nach Umsätzen werde zwar angekündigt. Damit werde aber das unternehmerische Risiko des Internet-Anbieters praktisch auf die Krankenkassen abgewälzt.

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6 Kommentare zu Apotheker: Medikamente im Internet-Handel teurer

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  • Am 28. Januar 2003 um 19:03 von Horst Dammann

    Zuzahlung
    Ich benötig 6 verschiedene Medikamente.Dort sammeln sich die Zuzahlungen ganz schnell.Ich bin Rentner und da zählt jeder Euro.

  • Am 28. Januar 2003 um 21:55 von misantropus

    Schutzbehauptung der Apotheken
    Das mag möglicherweise für einige wenige<br />
    und seltener verordnete Medikamente zutreffen, das Gros der Medikamente ist z. Teil sogar erheblich preiswerter als in Deutschland. Aber selbst bei nur geringfügig niedrigeren Preisen ist die jährliche Ersparung für das SOLIDARSYSTEM eine Erleichterung!<br />
    Und wenn man es bedenkt, – die schon sehr alte Vokabel "Apothekerpreise" kommt ja nicht von ungefähr.

  • Am 29. Januar 2003 um 7:15 von Mandala

    Medikamente im Internet-Handel
    Teilweise ist der Medikamentenhandel über das Internet günstiger, aber auch nciht immer und dann dauert es Tage bis das Medikament nach Hause geliefert wird. Deshalb bestell ich nur, wenn ich weis, es ist günstiger und ich benötige es nicht gleich.

  • Am 4. Juli 2003 um 13:43 von Armin Brückmann

    Doc Morris zu teuer?
    Zu Ihrem Artikel sollten Sie folgendes ergänzen:

    http://www.wdr.de/tv/service/geld/inhalt/20030327/b_2.phtml

    Hier hat man sich die Mühe gemacht, sich genau zu informieren!

  • Am 17. Juli 2003 um 19:13 von Monika Moser

    Lieferprobleme
    Nachdem ich heute im Stern gelesen habe, dass Doc Morris erst ab einem Versand von ca‘ 80 Euro kostendeckend arbeitet, wundere ich mich nicht mehr über die Rücksendung meiner zwei letzten Rezepte. Ärgerlich ist für mich nur das verschwendete Porto. Es wäre besser, Doc Morris würde hier mit offenen Karten spielen.

  • Am 31. Juli 2003 um 20:37 von Werner Raith

    Versandhandel mit Medikamenten
    Wer den Versandhandel unterstützt, muß sich nicht wundern, wenn es demnächst keinen flächenddeckenden Notdienst mehr gibt. Habe gerade Notdienst: Was hätte der Patient gerade gemacht wenn ich ihm nicht seinen Insulinpen erklärt hätte, mit dem er plötzlich Schwierigkeiten hatte – Dc Morris ??? – Krankenhaus ??? ich habs umsonst gemacht, Solidarkosten gespart !!!
    http://www.petiapo.de
    Werner Raith

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