AMD spricht von Benchmark-Betrug

Sysmark 2002 soll Prozessoren von Intel bevorzugen

Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD; Börse Frankfurt: AMD) beklagt sich lauthals über angeblich unausgewogene Benchmark-Tests für Prozessoren. Nach Angaben von Unternehmenssprechern liefert die neuste Ausgabe des weit verbreiteten Benchmarking-Werkzeuges Sysmark der Business Applications Performance Corporation (Babco) falsche Ergebnisse: AMD-CPUs würden grundsätzlich schlechter bewertet als die Konkurrenzprodukte aus dem Hause Intel (Börse Frankfurt: INL). Aktueller Anlass für den neuen Performance-Streit ist der Vergleich des 2,8 GHz Pentium 4 mit dem Athlon XP 2600+.

Nach Aussagen von AMD sollen nicht weniger als 14 Bewertungen aus Sysmark herausgenommen worden sein. In allen hätten die eigenen Prozessoren besser abgeschnitten als die Intel-CPUs. „Daraus leitete sich in der Hauptsache unsere Überlegenheit über den Pentium 4 her“, erklärten Unternehmenssprecher in London. Überaus gravierend habe sich beispielsweise ein Eingriff in die Bewertung der Erstellung von Content ausgewirkt: Verglichen mit den Werten des Sysmark 2001 habe man sich um 20 Prozent verschlechtert. Das bestätigte der Analyst Dean McCarron von Mercury Research.

Vertreter von Babco erklärten ihrerseits, man strebe nach ausgewogenen Resultaten und orientiere sich am tatsächlichen Einsatz durch den Nutzer. Intel wiederum begrüßte erwartungsgemäß die neusten Ergebnisse des Benchmark-Tests. AMD ist seit diesem Jahr selbst Mitglied der Babco. Dort wolle man auf eine Rückkehr zu den alten Benchmarks drängen, erklärte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage. Babco wurde 1995 von Intel ins Leben gerufen, das Gremium tagte jahrelang im Hauptquartier des Gründers. Zu seinen weiteren Mitgliedern zählt neben HP-Compaq (HP; Börse Frankfurt: HWP), Dell (Börse Frankfurt: DLC), IBM (Börse Frankfurt: IBM) und anderen Herstellern auch die ZDNet-Mutter Cnet.

Der Analyst Kevin Krewell vom Microprocessor Report merkte an, dass der Athlon unter Sysmark 2001 ungewöhnlich gut abgeschnitten habe. Problematisch sei allerdings, dass Babco nicht offen lege, welche Elemente tatsächlich Eingang in die Testreihe finden. „Es war zu keinem Zeitpunkt klar, was wann wie und warum getestet wird.“

Mit dem neuerlichen Lamento von AMD flammt der abgeschlossen geglaubte Benchmark-Krieg zwischen den Beiden Prozessorenrivalen endgültig wieder auf. Ende August hatte AMD bereits erklärt, dass Taktfrequenzen wenig darüber aussagen, wie schnell und gut der Rechner insgesamt ist. Der CPU-Hersteller schlug ein Rating-System vor, das verschiedene Faktoren in einem Rechner in seine Bewertung mit einbezieht und einen für den Käufer sinnvollen Wert ermittelt. „Ein verwirrter Verbraucher ist ein Kunde im Abseits. Das ist nicht gut für die PC-Industrie“, sagte AMD-Manager Patrick Moorhead.

Seinen Ursprung hat der Streit in der Einführung von Modellnummern durch AMD im Jahr 2001. Diese steht bei AMD-Prozessoren nicht für die Taktfrequenz, sondern für de Performance des Chips im Vergleich zum Pentium 4. Ein Athlon XP 2000+ war beispielsweise nicht mit zwei GHz getaktet, sondern nur mit 1,67 GHz, erreichte aber bei vielen Applikationen die Performance eines Pentium 4 mit zwei GHz. Intel versuchte daraufhin, Verkäufer und Käufer über die AMD-Modellpolitik „aufzuklären“. In einer breiten Kampagne wurde die Leistung der AMD-Prozessoren als vergleichsweise minderwertig bezeichnet.

Intels Konkurrent hatte 1996 schon einmal ein Performance-Rating eingeführt und sich zwei Jahre später wieder davon verabschiedet, da es den Endkunden verwirren würde. Im Jahr 2000 gab AMD mit dem Erscheinen des ersten Athlon mit einem GHz bekannt, dass man in Zukunft die GHz-Ära anführen wolle. Ein Jahr später war allerdings klar, dass in Sachen Taktfrequenz Intel mit dem P4 das deutlich überlegene Produkt hatte. Nun hieß es bei AMD, dass Taktfrequenz nicht Alles sei, das neue Performance-Rating wurde eingeführt. Allerdings ist absehbar, dass das gegenwärtige Verfahren für die Vergabe der Modellnummern – pro 66 MHz-Schritt erhöht sich die Modellnummer um 100 – nicht mehr lange durchzuhalten ist.

ZDNet hat in einem ausführlichen News-Report die Nachrichten zum Benchmark-Krieg zwischen AMD und Intel zusammengefasst.

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3 Kommentare zu AMD spricht von Benchmark-Betrug

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  • Am 3. September 2002 um 10:16 von hot-T-

    das rating
    Ich dachte ich hätte irgendwo gelesen, dass das AMD-Rating für die XPs die Leistung zu den Tbirds C angeben. Daher dass das XP-Rating die benötigte Mhz-Zahl eines Tbird C angibt um die gleiche Leistung wie der XP zu erreichen.<br />
    <br />
    http://www.computerbase.de/article.php?id=119

  • Am 3. September 2002 um 17:42 von FLO

    Der P 4 ist Verarsche !
    Der P 4 ist Verarsche !<br />
    <br />
    Der P4 wurde konzipiert für hohe Taktung ! Egal wieviel er pro Arbeitschritt rechnet ! Absoluter Marketing-Prozessor ! Für mich glatter Betrug ! INTEL OUTSIDE !

  • Am 9. Oktober 2002 um 21:58 von Norbert Hoppe

    Intels Kampagne gegen AMD
    &raquo;…Ein Jahr später war allerdings klar, dass in Sachen Taktfrequenz Intel mit dem P4 das deutlich überlegene Produkt hatte.&laquo;<br />
    <br />
    Ich habe genug über das Thema "Intels Kampagne gegen AMD" gelesen. In Wirklichkeit ist Intel tief bestürzt, daß sich AMD in letzter Zeit in die PCs verewigen läßt. Meiner Meinung nach sind Intel-CPUs überteuerter Schrott. Ich hatte leider schon zwei von diesen Silizium-Bomben und hatte daher nur Ärger mit dem Rechner und obendrein mit dem Händler. Aber seit ich CPUs von AMD benutze, habe ich fast überhaupt keine Probleme mit dem Rechner. Jeder der sich eine CPU von Intel kaufen möchte, sollte es sich vorher nochmal sehr gut überlegen.

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