MS: Unsere Lizenzpolitik ist ganz normal

Manager bezeichnet Knebelverträge als "Standard" in der Softwareindustrie

Mit dem Chef der Microsoft-Abteilung Business Development for Windows PC Operating Systems, William Poole, ist im Kartellrechtsprozeß gegen Microsoft (Börse Frankfurt: MSF) der vierte Zeuge der Verteidigung in den Ring geklettert. Seine ersten Aussagen lassen wenig Raum für Hoffnung, daß er den Karren, den seine drei Vorgänger in den Dreck gefahren haben, wieder herausziehen kann.

Chefankläger David Boies hielt Poole vor, daß Microsoft eine Klausel in den Verträgen mit Softwarepartnern eingeführt hat, die ihnen den Kontakt mit den Microsoft-Konkurrenten Netscape oder Sun Microsystems verbietet. Auch sei durch die Klausel der Einsatz des Browsers Navigator von Netscape und der von Sun entwickelten plattformunabhängigen Programmiersprache Java weitgehend eingeschränkt.

Als Beispiel führte Boies den Vertrag mit dem Finanzsoftware-Experten Intuit an. Im Juli 1997 hatte das Unternehmen bekanntgegeben, zusammen mit künftigen Versionen von Quicken, QuickBooks und TurboTax den Microsoft-Browser Internet Explorer auszuliefern. Als „Gegenleistung“ erhielt Quicken Financial Network einen der vorinstallierten „Active Channels“ im Explorer 4.0. Zuvor, seit 1995, war Intuit mit dem Browser von Netscape Communications aufgetreten.

Intuit-Chef William Harris hatte in seiner Zeugenaussage im Kartellrechtsprozeß zu Protokoll gegeben, daß Microsoft überwacht werden sollte, um seine Quasi-Monopolstellung bei Betriebssystemen nicht ausnutzen zu können.

Poole konnte dem nicht viel entgegenhalten und meinte: „Ich bin eigentlich nur wenig mit den Modalitäten der Distributionsverträge vertraut.“ Seiner Meinung nach seien die speziellen Klauseln zum exklusiven Einsatz des Explorers lediglich deshalb in die Verträge eingeflochten worden, um die Vertragspartner „in den Genuß der Vorteile“ des IE kommen zu lassen.

In seiner schriftlichen Aussage hatte Poole noch gesagt, Geschäftspartner wie Intuit seien grundsätzlich frei zu tun, was sie wollten. Die Aussage hat Microsoft unter www.microsoft.com/presspass/trial/mswitness ins Netz gestellt.

Er erwähnte als Beispiel das sogenannte „Platinum Agreement“, das Microsoft mit 24 Internet-Content-Providern (ICPs) abgeschlossen hat. Seiner Meinung nach hatte das Abkommen „wenig, wenn überhaupt Auswirkungen auf den Einsatz von Browsern“.

Kontakt: Microsoft, Tel.: 089/31760

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